Wenn man raten müsste, wie ein amerikanischer Kriegsfilm über schwarze Piloten im zweiten Weltkrieg aussehen könnte, dann kommt man sehr schenll auf die Grundzutaten, die Red Tails ausmachen: Eine vorhersehbare, da bekannte Dramaturgie und klischeehafte Charaktere machen davon einen guten Teil aus; hinzu kommt noch eine stereotype Darstellung der Deutschen, wie man sie selbst in den 50ern kaum gesehen hat, eine aufgesetzte Liebesgeschichte und der übliche Pathos, den man häufig findet, wenn es um Rassismus oder den zweiten Weltkrieg geht (und hier geht es um beides!).
Wenn man sich Story und Charaktere genauer anschaut, bietet Red Tails bietet also ungefähr soviel Angriffsfläche wie eine ungeschützte B2-Staffel. Tausend große und kleine Dinge gäbe es zu bemäkeln, aber das wäre langweilig, da die die Kritik an Red Tails genauso vorhersehbar und klischeehaft wäre, wie er Film selbst. Daher spare ich mir diesen Teil einfach mal.
Man sollte daher vielleicht eher von einer etwas anderen Perspektive an den Film rangehen: Rassismus und Diskriminierung von Schwarzen ist nicht nur in den USA ein auch heute noch aktuelles Problem. Einem Film, der dem entgegenwirken will, kann man also zumindest schonmal eine gute Absicht unterstellen. Problematisch daran ist nur, dass Red Tails sich damit nur am Rande auseinandersetzt. Anstatt die schmutzigen Seiten des Rassismus zu zeigen, beschränkt man sich darauf die schwarzen Piloten allesamt als makellose Helden darzustellen. Die weißen Personen im Film mag das läutern, aber als Zuschauer kommt einem das doch alles schon sehr platt vor. Ein Amerikaner mag den Film da anders sehen, aber aus einer europäischen Perspektive wirkt das alles eher befremdlich.
Erstaunlich ist, dass der Film trotzdem zu unterhalten weiß. Das liegt vor allem an den extrem gut gemacht Luftschlachtsequenzen, die technisch zu 100% überzeugen können. Man merkt ganz genau, dass Geoge Lucas hier seine Finger im Spiel hatte. Die Luftschlachten des zweiten Weltkrieges haben ihm seinerzeit als Vorlage und Inspiration für die Raumschlachten in Star Wars gedient und all die Routine, die er sich bei solchen Szenen erarbeitet hat, kommt hier voll zur Geltung. Kaum hat man bisher so eindringliche und rasante Luftschlachtsequenzen gesehen. Die visuellen Effekte tun dabei ihr Übriges und wissen dabei ebenso zu überzeugen. Wenn man den Luftraum allerdings verlässt, wirkt manches allerdings etwas künstlich und unnatürlich, aber man weiß nicht so Recht, ob das der übliche HD-Fluch ist, oder ob einfach nur weniger sorgfältig gearbeitet wurde.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass Red Tails viel mehr hätte sein können (und müssen!). Außer mit seinen optischen Schauwerten überzeugt der Film wenig, aber Handlung und Charaktere sind so belanglos, dass sie nichtmal groß stören. Daher gibt's am Ende eine starke 5,5/10.