"Feuerrote Hecks und schwarze Piloten."
Italien, 1944. So wie einige weitere Piloten von Jagdfliegern der 332. Fighter Group, dachten auch Joe "Lightning" Little (David Oyelowo) und Marty "Easy" Julian (Nate Parker), dass sie im Krieg gegen Deutschland feindliche Jets abschießen würden. Da sie jedoch Afroamerikaner sind, traut man ihnen nicht viel zu und speist sie mit zweitklassigen Einsätzen ab. Major Stance (Cuba Gooding Jr.) versteht den Unmut und versucht andere Einsätze an Land zu ziehen. Schließlich erreicht Colonel A.J. Bullard (Terrence Howard), dass die Einheit einen Bomberverband schützen darf. Bislang ließen sich die Piloten stets von anderen Jägern ablenken. Die "Red Tails", wie sich die Fliegerstaffel nennt, bringt die Bomber jedoch ohne Verluste ans Ziel und erntet damit erstmals Respekt bei ihren weißen Kollegen.
Im Vorfeld der Veröffentlichung von "Red Tails" sprach Produzent George Lucas ("Star Wars"-Reihe) viel und lange darüber wie enttäuscht er darüber sei, dass kein großes Hollywoodstudio das Projekt unterstützen wollte. Dabei behandelt es ein nach wie vor sehr wichtiges Thema. Sieht man sich den Weltkriegsactionfilm an, fragt man sich, ob die Studios wegen des Grundthemas selbst ablehnten, da sich wie Lucas meinte, international kein Publikum für eine Besetzung ohne weiße Akteure in tragenden Rollen finden würde, oder weil sie das Drehbuch der Prämisse unangemessen fanden. Denn während es keinen Zweifel gibt, dass man angesichts der Ausgangslage einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Errungenschaften der ersten afroamerikanischen Fliegerstaffel der US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg leisten kann, verliert sich "Red Tails" in Klischees und Nebenhandlungen.
All jene schablonenhaften Figuren, die man in beinahe jedem Militärfilm findet, beherbergt auch "Red Tails". Sei es ein alkoholsüchtiger Offizier, der dadurch die falschen Entscheidungen trifft, ein Hitzkopf, der sich weniger mutig als tollkühn ins Kreuzfeuer bringt oder ein Neuling, der es nichtsahnend was ihn erwartet, kaum bis ins zweite Feuergefecht schafft.
Für diese generischen Charaktere hält das Actiondrama ein nur oberflächliches Rassendrama bereit. Es gibt viele Momente der Erzählung, die einem bekannt vorkommen. Sei es der erste Besuch in einer Offiziersbar, wo sich Schwarze und Weiße gegenseitig verprügeln oder der absehbare Verlauf des zweiten Besuchs, nachdem die Fliegerstaffel sich einen Namen gemacht hat.
Trotz der recht langen Laufzeit von über 2 Stunden, wirkt "Red Tails" stets gehetzt. Häufig hat es den Anschein, als ob Elemente fehlen würden. Dialoge enden abrupt, Zeit- und Handlungssprünge wirken willkürlich. Die plumpen Dialoge und nervigen Sprüche setzen der stets pathetischen Stimmung die Krone auf.
Die Stärken des Films liegen eindeutig in seinen Actionszenen. Die rasanten Schnitte zwischen dahinsausenden Maschinen, manisch betätigtem Steuer- und Feuerknüppel und zischenden Geschossen geben den Kämpfen der wie ineinander verbissenen Gegner einen besonderen Kick. Durch Loopings, Sturzflüge und rasanten Wendemanöver verlässt "Red Tails" aber auch gerne einmal glaubhafte Luftkampfchoreographie, ebenso bei den zahlreichen, übertriebenen Explosionen.
Nur Cuba Gooding, Jr. ("Pearl Harbor") sowie Terrence Howard ("L.A. Crash") gehören zu den bekannteren Darstellern. Weder diese beiden noch die weiteren, frischeren Gesichter schaffen es allerdings, ihren eingeschränkten und klischeebeladenen Rollen Farbe zu geben. Ihre Leistung kann man bestenfalls als zweckmäßig bezeichnen.
Bei allen guten Absichten enttäuscht "Red Tails" letztlich durch die Art und Weise, wie der Film erzählt wird. Statt einen dramaturgischen Bogen zu spannen, reiht der Regisseur Anthony Hemingway nur Szenen aneinander, die sich in ihren Aussagen nicht nur wiederholen, sondern die allesamt keine neuen Einblicke liefern. Die Charaktere schwanken von grob umrissen bis vollkommen überzeichnet und die krampfhafte Darstellung eines personifizierten Bösewichts erscheint letztlich nur peinlich. Nur die sehenswerten Actionszenen mit ihren tollen Effekten retten den Film vor einem Totalausfall. Sehr Knappe ...
3 / 10