Das es sich bei "Die Reise zur geheimnisvollen Insel" um eine Fortsetzung handelt, sollte man nicht zu ernst nehmen, da es nur drei verbindende Elemente zum ersten Film gibt - die Story ist nach einem weiteren Jules-Verne-Roman entstanden, Hauptdarsteller und Verne-Fan Sean (Josh Hutcherson), den es beim letzten Mal zum Mittelpunkt der Erde verschlagen hatte, ist wieder mit von der Partie - inzwischen zum jungen Mann herangereift - und die Qualität ist gewohnt miserabel.
Das trotzdem wieder viele Millionen in die Hand genommen wurden, hat zwei einfache Gründe - familientaugliche Monster in CGI und 3D gehen immer. Auch die übrigen Elemente des Films unterliegen ähnlichen Kalkulationen - die einfache, linear erzählte Abenteuergeschichte, die ohne jeden Überraschungseffekt auskommt, die Zusammensetzung der Charaktere, die notwendige Identifikationen befriedigen sollen, die kitschig, vertraute Optik, die keine ästhetischen Risiken eingeht, und natürlich diverse harmlose Spannungselemente, die vor allem kindliche Gemüter zu erschrecken vermögen. Keine Frage, der Film wird seinen Weg als harmlose, anspruchslose Unterhaltung gehen.
Konnte man bei "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" noch annehmen, die mangelhaften Charakterzeichnungen, hölzerne Interaktion zwischen den Darstellern und die jede innere Logik vermeidende Story wären einfach schlechtes Handwerk, muss man diesmal konstatieren, dass das alles scheinbar einem höheren Plan unterliegt. Der Versuch von Dwayne "The Rock" Johnson, sich als netter Stiefvater zu profilieren und Sean zu einem verantwortungsvollen Mann zu erziehen, ist ähnlich unglaubwürdig und klischeehaft, wie die selbstverständlich erotikfreie Annäherung zwischen Sean und Kailani (Vanessa Hudgens). Und was scheren die Macher das nach Jahrhunderten noch gut erhaltene Atlantis, dass angeblich alle 70 Jahre vom Meeresgrund an der Erdoberfläche erscheint (als geheimnisvolle Insel), um wieder in den Tiefen zu versinken, was zuerst pseudo-wissenschaftlich erklärt wird ? - Am Ende wird trotzdem alles schön zerstört. Gegen Hollywood sind Vulkane und tausende Meter unter dem Meeresspiegel eben laue Lüftchen.
Einzig die ironischen Kommentare, die Michael Caine, Luis Guzmán und in wenigen hellen Momenten Dwayne Johnson von sich geben, können den comicartigen Charakter der Geschichte unterstreichen, in dem Hubschrauberabstürze mit zwei Kratzern verschmerzt werden, aber leider wechselt "Die Reise zur geheimnisvollen Insel" regelmäßig wieder in das triefende Pathos des Lobliedes auf Familie, Verantwortung und Anstand, was dank seiner Ernsthaftigkeit auch den möglichen Spaß am Trash noch austreibt (2/10).