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Karel Reisz, dem wir Meisterwerke wie "Isadora" oder "Saturday Night and Sunday Morning" verdanken, inszenierte diesen feinen Psychothriller 1964 und spannte Altmeister Freddie Francis ("Cape Fear", "The Elephant Man") als Kameramann ein. Albert Finney, der "Night Must Fall" auch produzierte und durch seine oscarnominierte Leistung in "Tom Jones" Anfang der Sechziger ein Superstar in England war, lieferte eine der besten Darstellungen seiner Karriere ab, und auch die oft leider in mittelmässigen Filmen besetze Susan Hampshire glänzt an seiner Seite.

Finney spielt den jungen, charmanten Tunichtgut Danny, der einen geradezu krankhaften Geltungsdrang hat, was für einige Damen schon mit ihrer Enthauptung endete. Ihre Köpfe bewahrt der Geisteskranke in einer Hutschachtel auf. Als Hausmeister quartiert er sich im Dreimädelhaus der Mrs. Bramson (grossartig: Mona Washbourne) ein. Bald schon hat er die Damen des Hauses eingewickelt: Mrs. Bramson imponiert er mit seiner Hilfsbereitschaft, ihre Tochter Olivia (Hampshire) mit seinem Charme und das Hausmädchen Dora (Sheila Hancock) mit seiner sexuellen Potenz. Lange kann er sein wahres Ich jedoch nicht verbergen, und Mrs. Bramson lässt sich auf ein perverses Spiel mit der Angst ein...

Der schwarzhumorige Schocker war seinerzeit für den goldenen Bären bei der Berlinale nominiert, ging aber leer aus; er verlor gegen den türkischen Film "Susuz yaz" von Metin Erksan und David E. Durston.

Ron Grainers exzellente Musik, Francis' erlesenen, stimmungsvollen Schwarzweissbilder, Reisz' solide Regie und das virtuose, nuancenreiche Spiel des Schauspielerquartetts sorgen für ein grossartiges Gruselerlebnis, das sich hinter heutigen Filmen wie "Silence of the Lambs" nicht zu verstecken braucht. Es ist bedauerlich, dass ein grossartiger Schauspieler wie Albert Finney so wenig Filme drehte.

Leider ist diese Perle schwer zu finden und wird selten gesendet.

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