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"Denk immer daran: Du bist ein Tablett. Sprich nicht, sieh dich nicht um!"

Nach sechs Jahren wird Fish (Noah Hathaway) aus dem Gefängnis entlassen. Schon am Tor wird er zu einem Treffen mit den Mittätern eines missglückten Diamantenraubes gezwungen. Denn Duke (Tony Todd) will den Verbleib der verlorenen Diamanten klären.
Vor Ort werden ihm und seinen Komplizen Max (Andy Mackenzie), Francis (James Duval) sowie Crow (Mark Hamill) ein Sushi-Buffet auf dem Körper einer jungen, nackten Frau (Cortney Palm) serviert. Während des Abends wird sie Zeugin, wie Fish an einen Stuhl gefesselt und gefoltert wird. Denn alle sind der Meinung, Fish hätte die Beute insgeheim zur Seite geschafft.

Der geschwätzige Pulp-Thriller "Sushi Girl" ist von den Werken Quentin Tarantino's ("Pulp Fiction", "Django Unchained") geprägt. Der Film macht keinen Hehl daraus die kammerspielartige Inszenierung aus "Reservoir Dogs" zu imitieren und die Spannung aus Psycho-Duellen, hochkochenden Aversionen sowie brutaler Folter zu ziehen.

Das Kammerspiel wird immer wieder durch erläuternde Rückblicke unterbrochen. Zu Beginn ist noch unklar, wohin die Reise geht. Erst die Reflektionen der Ereignisse sechs Jahre zuvor fügen das Puzzle zusammen. Somit überrascht "Sushi Girl" zunächst mit unerwarteten Elementen, wird mit zunehmender Laufzeit aber immer vorhersehbarer. Denn auch die titelgebende Dame will selbstverständlich eine besondere Rolle spielen.

Auf Experimente verzichtet der Film ganz bewusst. Gewöhnungsbedürftig können aber die plakative Gewaltanwendung sowie die schrulligen Charaktere werden. Sämtliche Figuren sind Verbrecher, denen ein Menschenleben nicht viel wert ist bzw. die keine Skrupel haben Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele anzuwenden. Erstaunlich clever erweisen sich dabei die Wortduelle, die sich die Gruppe von Männern leistet. Die Spannung zieht sich aus diesen Dialogen sowie der sich langsam auflösenden Handlung.

Die Besetzung ist ähnlich verrückt wie die gespielten Charaktere. Diese besteht durchgängig aus Nischenstars und zweitklassigen aber gern gesehenen Darstellern. Tony Todd ("The Rock - Fels der Entscheidung") dominiert mit seiner hoch gewachsenen Präsenz, Mark Hamill ("Krieg der Sterne") durch ein intensive Präsentation. Noah Hathaway ("Die unendliche Geschichte"), Andy Mackenzie sowie James Duval ("Independence Day") können da nicht ganz mithalten.
Spaßige Gastauftritte geben Danny Trejo ("Machete"-Reihe), Sonny Chiba ("Kill Bill: Vol. 1"), Michael Biehn ("The Divide") und Jeff Fahey ("Planet Terror"). Das titelgebende Sushi Girl wird durch Cortney Palm nur kurz und schlicht zu einem gewichtigen Teil.

"Sushi Girl" ist sicherlich nicht originell und hat mit kleineren Längen und Logiklücken zu kämpfen. Dennoch funktioniert der im Stile von Stil von Quentin Tarantino gedrehte Film außerordentlich gut. Die etwas konstruierte Handlung enthält spannende Merkmale und unterhält Dank verrückter Figuren und einfallsreichen Dialogen. Die Schauspieler passen zur Schmuddel-Atmosphäre und der plakativ-brutalen Inszenierung im 70er-Jahre Stil. Neuzeitliche Exploitationfilme können sich hier eine Scheibe abschneiden.

8 / 10

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