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Sechs Jahre hat Fish im Gefängnis verbracht. Sechs Jahre, in denen er völlig auf sich allein gestellt war. Sechs Jahre, in denen er sein Maul gehalten hat, über den Überfall und die anderen Männer, die beteiligt waren. Jetzt ist Fish wieder auf freiem Fuß. Sein ehrenwertes Schweigen feiern die anderen Vier mit einem extravaganten Bankett: Auf dem nackten Körper einer schönen, jungen Frau wird Sushi gereicht. Ihr wurde beigebracht völlig teilnahmslos zu bleiben. Das erweist sich zunehmend als schwierig, denn je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr schlägt die Stimmung um, Aggression macht sich breit: Denn die vier Männer können einfach nicht anders, als alte Wunden zu öffnen, um herauszufinden, wo die Beute des Überfalls versteckt ist.

Eine gewisse Nähe zu Tarantinos Gangsterballade Reservoir Dogs kann Sushi Girl sicher nicht leugnen. Beide Filme könnte man auch gut als Theaterstück aufführen und beide befassen sich mit einer Gangstergruppe, die sich um die liebe Kohle streiten. Hier treffen sich fünf böse Jung, die vor sechs Jahren einen großen Diamantencoup gelandet haben und dummerweise derjenige der die Kohle hatte für eben jene Zeit hinter Gittern saß. So trifft sich die Truppe in einem eher heruntergekommenen Sushi Restaurant, um eben den Beuteverbleib mit dem frisch entlassenen Fish zu klären.
Für Verstimmung sorgt verständlicherweise, das Fish nicht so recht mit der Sprache rausrücken will, was sich in einem kleinen aber feinen Psychospielchen unter den Beteiligten entwickelt. Der Aufwand dabei ist eher minimalistisch. Wir haben eine zentrale Location (die wir nur für einige Flashbacks verlassen), nur eine Handvoll Darsteller und als Sushi Teller ein nacktes Mädchen, für das ich hoffe das während des Drehs gut geheizt wurde, denn diesen Zustand hält sie bis kurz vor Schluß aufrecht.
Ziel ist natürlich, die zunehmende Eskalation in der Gruppe, die sogar in wirklich fiesen Folterszenen ausufert. Freunde des Torture Porn dürften da wirklich auf ihre Kosten kommen, auch wenn es nicht der zentrale Punkt ist. Das die teilweise psychisch doch etwas labilen Figuren am Ende aufeinander losgehen, davon kann man ja ausgehen, aber wer als letztes noch am Leben bleibt und welche Motivation dahinter steckt fand ich doch recht überraschend. Auch sehr amüsant sind die extremen und sehr unterschiedlich Charaktere der Runde, vom schwulen Intellektuellen bis zum brutalen Psycho ist alles vertreten und wird auch von der Riege bekannter B-Stars recht gut vertreten. Das Mark Skywalker Hamill dabei war erfuhr ich beispielsweise erst im Abspann, vorher erkennt man den Knaben nämlich kaum. An die Klasse von Reservoir Dogs kommt man natürlich nicht heran, aber zumindest doch in die Nähe davon. Ich war jedenfalls positiv überrascht.
7/10

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