1997 war das Kinojahr der ausbrechenden Vulkane, als in „Vulcano“ und „Dante´s Peak“ ordentlich Lava durch die Gegend floss. Dass wir von den Fließbandarbeitern von SyFy keine großen Effektfeuerwerke zu erwarten haben, ist Genrefans längst klar, doch leider verspricht das opulente Cover deutlich mehr Katastrophen-Action, als letztlich geboten wird.
Als es auf einer Ölbohrplattform zu einer gewaltigen Explosion kommt, versuchen die Verantwortlichen von Holter Energy die Sache zu vertuschen, doch Frau Dr. Vitrini ahnt bereits, dass dies nur der Vorbote für aufkommende Lava-Eruptionen sein könnte, denn unterhalb Miamis brodelt es bereits mächtig…
Eines kann man den Autoren an dieser Stelle hoch anrechnen: Ihnen ist die Ölpest im Golf von Mexiko noch gut in Erinnerung und da scheint es durchaus angebracht, die Verantwortlichen eines Ölkonzerns mal so richtig als skrupellos, geldgierig und egoistisch zu portraitieren, denn trotz aller Klischees und Überzeichnungen scheint auch ein gewisser Funke Wahrheit an den dubiosen Vorgehensweisen dieser Unternehmen zu stecken, was Brad Dourif als rücksichtsloser Boss im Übrigen hervorragend transportiert.
Die übrigen Figuren bieten in Sachen Charakterzeichnung natürlich nur schablonenhafte Erscheinungen, wie den Nerd, der stets alle Techniken im Griff hat, den rein zufällig auftauchenden Ex der Wissenschaftlerin oder den schmierigen Handlanger des Konzernchefs.
Allerdings ist das Erzähltempo konstant passabel ausgefallen, es ist stets Bewegung im Spiel, nur die Effekte lassen lange auf sich warten und sind im Gesamtbild leider rar gesät.
Von den üblichen Lava-Flüssen sieht man fast vollständig ab, vielmehr liefert man kleine Locations, an denen es - wissenschaftlich natürlich nicht näher fundiert - plötzlich tödlich heiß wird.
Da wird ein Miami Beach Bikini Contest (der ungewöhnlich lange mit Figureneinführungen zubringt) zur tödlichen Falle im Planschwasser, ein Treppenabstieg zum vermeintlichen Herd gerät zum Himmelfahrtskommando und auch ein Student macht Bekanntschaft mit kochendem Wasser, - er war offenbar so unbeliebt in seinem Exkursteam, dass er im Nachhinein überhaupt nicht vermisst wird.
Indes versucht die überschaubare Gruppe an Helden natürlich alles erdenkliche, gefolgt und unterstützt von der Nationalgarde, die selbstverständlich alles auf Knopfdruck parat hat, während die Ölbosse nicht aufgeben und kriminelle Machenschaften walten lassen, damit die Chose ein wenig mehr Abwechslung erhält, denn die mageren Schauwerte müssen ja irgendwie kaschiert werden, - sei es durch einen Schmunzeleffekt beim Tennistraining oder durch eine luschige Entführung, welche mit Logiklöchern in Sachen irrationalen Verhaltens einen neuen Rekord aufzustellen versucht.
Dennoch können die meisten Mimen so halbwegs überzeugen, der treibende Score ist auch okay, doch okayer wären ein paar Effekte mehr gewesen, da eine einstürzende Brücke oder Menschen mit großen Brandblasen bereits die sehenswertesten Szenen darstellen, - ein Miami von Lava umgeben bleibt bis zum Schluss hingegen eine einsame Wunschvorstellung.
„Miami Magma“ bietet somit einen äußerst durchschnittlichen TV-Beitrag, den man so nebenher konsumieren kann, aufgrund mangelnder Raffinesse und übergroßen Logiklücken ist er jedoch selbst eingefleischten SyFy-Fans mit geringem Anspruch nur bedingt zu empfehlen.
4,5 von 10