Ein weiterer Titel, der auf tumbe Weise ein paar Interessenten zusätzlich anlocken soll, doch irgendwann ist auch hier der letzte Drops gelutscht, wenn einmal mehr ein Debütant eine ausgekaute Mischung aus Geisterfilm, Folter und Slasher auf den schnelllebigen Markt schleudert. Verwundern kann da allenfalls die FSK16 für den zum Teil doch recht derben Tobak.
Sechs Studenten, darunter zwei leicht traumatisierte Schwestern erhalten kurz vor einer wichtigen Prüfung den Auftrag, eine paranormale Erscheinung in einer still gelegten Mine zu untersuchen, da hier der Geist eines grausamen Folterarztes hausen soll. In der abgelegenen Geisterstadt angekommen, mehren sich rasch unerklärliche Geräusche, bis jemand aus der Gruppe verschwindet…
Der spanische Regisseur Sergi Vizcaino drehte bislang nur TV-Serien und Kurzfilme. Mit seinem ersten abendfüllenden Streifen versucht er sich an einem Geisterfilm, dem es in jeder Hinsicht an frischen Ideen mangelt. Die Figuren dienen bis auf die beiden Schwestern lediglich als konturloses Kanonenfutter, während ein paar Flashbacks in die Kindheit ein tief sitzendes Trauma Stück für Stück erhellen, was zumindest ein wenig Emotionalität einbindet und immerhin so etwas wie Empathie ins Spiel bringt.
Ansonsten geschieht auf dem verlassenen Gelände einige Zeit gar nichts, da zwei noch Zeit für körperliche Annäherungen finden, während das Betreten der Mine und das Inspizieren der Folterräume des Arztes kaum Interessantes zutage fördern.
Erst als jemand von der Gruppe vermisst wird und kurz darauf Schreie ertönen, nimmt die Sache Gestalt an. Der vernarbte Arzt offenbart als gnadenloser Schlachter allerdings kaum Potential für Alpträume, - das träfe dann wohl eher auf seine Taten zu.
So wird im Verlauf jemand mit Stacheldraht gefesselt, ein medizinisches Instrument landet der Länge nach im Auge, es gibt einen Haken im Kiefer und ein entzweites Gesicht, einen Kehlenschnitt, einen Kopfschuss und ein Messer im Hals. Die Effekte kommen bis auf wenige Momente ohne CGI aus und sind insgesamt grundsolide umgesetzt, was für eine FSK16 bereits deutlich zuviel des Guten ist.
Die schlichte Story schafft es allerdings nicht, eine fesselte Dramaturgie einzubetten, denn zu spannungsarm und rasch werden die Begegnungen mit dem Monster abgewickelt, zumal das Böse zu fast keiner Zeit hinterfragt wird, obgleich einige Fakten für das Offensichtliche sprechen. Gegen Ende schleichen sich zudem ein paar derbe Logiklöcher ein, auch wenn dem Ausgang ein leichtes makaberes Augenzwinkern mitschwingt.
Immerhin sind die Darsteller konzentriert und weitgehend überzeugend bei der Sache, die Sounduntermalung ist variabel und phasenweise recht gut und auch der Score kann mit dem einen oder anderen Thema punkten. Handwerklich wird hingegen durchwachsene Kost geboten, da die Kamera kaum variiert, die wenigen 3D-Effekte nicht sonderlich kreativ ausfallen und auch die verlassenen Locations nicht allzu viel Atmosphäre aufweisen.
„Paranormal Experience“ bietet letztlich eine eher unausgegorene Geschichte mit fehlenden Highlights und kaum innovativen Morden. Die Figuren laden nur bedingt zum Mitfiebern ein und auch die Bedrohung kommt über weite Teile zu kurz, während die Integration der obligatorischen Handkamera rein gar nicht für den zusätzlichen Spannungsaufbau genutzt wird. Storytechnisch bietet sich ohnedies ein uralter Hut ohne Drive, mit nur wenigen spannenden Momenten und einer kleinen Handvoll atmosphärischer Szenen.
Nichts, was die Horrorfraktion dringend benötigen würde.
Knapp
4 von 10