Altbewährte und deswegen immer wieder genutzte Formel in ewiggleichen Rezept. Das Nutzen und Benutzen von bereits gedrehtem Material, dass aus irgendwelchen Gründen, die im Nachhinein angesichts der teilweisen Qualität dort verfügbar für die Weiterverwertung als stock footage, also als Rahmen für neu gedrehte Szenen mit Langnasen im Verkleidungsmodus zu haben war. Eine Mixtur, die Filmark ebenso beherrschte wie IFD, und dessen Akteure man sich auch teilweise teilte, wenn man denn schon im gleichen Gebäude, dem Garley Building saß. Lustige Tongeräusche und Ninja-Seppuku inbegriffen:
Unter Führung ihres Gangsterbosses Ginsberg [ Louis Roth ] überfallen mehrere Ninjas am helllichten Tage und auf offener Strasse einen Juwelentransport, wobei sie auch eine Spur des Verderbens bei den sich Wehrenden hinterlassen. Die Todesrate bleibt weiterhin hoch, als sich Ginsberg nach Abschluss des Überfallkommandos entschließt, sich seiner Mitstreiter mit Gift im Wein zu erledigen; nur einer der maskierten Kämpfer, Alan Ko [ Sung Cheung-kong ], wird misstrauisch und kann gar mit der Beute entfliehen. Weit kommt er allerdings nicht, wird er kurz darauf von der Polizei geschnappt und wandert hinter schwedischen Gardinen; eine Zeit, die seine eigentlich angehende Verlobte Rosie [ Luk Yee-fung ] prompt nutzt, sich mit dem deutlich älteren Tony Kam [ Tin Ming ] zu vergnügen. Später aus dem Gefängnis entlassen, sind gleich mehrere Parteien hinter den bis dato verschwundenen Juwelen her: Alan, der sich außerdem an seiner früheren Lebensgefährtin für den Betrug rächen will. Ginsberg. Und ein junges ausländisches Pärchen [ Stuart Smith plus Anhang ], welches im Juwelenraub selber den Vater verloren hat und nun gleichsam nach Rache sinnt. Sergeant Chong [ Lu I-chan ] interveniert.
Wie gehabt zwei Filme zu einem Preis, wobei die Verteilung der Szenen so halbwegs gerecht in der Quantität und auch relativ ausgeglichen in der Güteklasse war; in der deutschen Synchronisation vielleicht noch zusätzlich geadelt durch die Auswahl der Stimmen und deren Ausdrucksmöglichkeiten, die gar ungeheuerliches leisten vermag. Auf beiden Seiten gibt es Szenen und Monologe bzw. Dialoge mit purem Comedygold, zum Haareraufen, zum Schenkelklopfen, zum Niederknien, zum Wiehern, was den Liebhaber dieser Art von Filmen verzückt und die Anderen, die unabsichtlich und unfreiwillig hinein gerutschten Zuschauer mit offenen Herzen angesichts der sonstigen Bildkatastrophe auch zu trösten vermag. Adäquat wiedergeben kann man derlei Köstliches wie bereits den Auftakt mit dem gepantschten Spezialwein und den zu recht zögerlichen Ninjas als Verkoster im Nachhinein schlecht, weswegen nur die Wahl des Selbersehens und des Entscheidens mit eigenem Sinne überbleibt.
Ersichtlich ist auf jeden Fall, dass die hier anwesenden Weißgesichter ihre Arbeit zumindest als das betrachten, was es ist. Billiger Zeitvertreib, der Lust und Laune machen und natürlich auch sein Geld bringen, aber keine Mühe oder Anstrengungen oder gar den Frust von richtiger und belastender Tätigkeit bringen soll. Das große Abenteuer, das mangels Finanzen vor der Haustür und mit einfachsten Mitteln stattfinden muss, aber von dessen Begrenzungen man sich im Geiste nicht einschränkt und die Freiheit einfach Freiheit und Genuss sein lässt. Ausgetobt hat man sich dabei hauptsächlich in Action-, aber auch ausnahmsweise in Sexszenen, in der erst geduscht und dann der freien Liebe, der körperlichen Zuneigung zueinander hingegeben und dem Publikum etwas für sein kostbares Eintrittsgeld geboten wird.
(S)exploitation also, im niedersten, im ehrlichsten Sinne, preiswert, einfach, nicht gleich gelangweilt, sondern schon die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, darunter auch ein Überfall auf offener Strasse gleich zu Beginn, in dem das Auto des späteren Opfers gestoppt und der Raubzug mit äußerster Gewalt durchgezogen wird. Der Rest ist verbales Geplänkel, um die beiden unterschiedlichen Geschichten zu vereinigen, oder Zwei- bzw. Mehrkämpfe gegen maskierte Angreifer, die sich die Einmischung in ihre Angelegenheiten verbieten, aber im Gegenüber in Jogginghosen den Meister finden und geschlossen den Rückzug antreten. Choreographie und Montage dieser Aufregungen, wie eine Prügelei auf Kinderspielplatz, ein Schwertkampf im verlassenen Holzlager, eine, nein zwei Schießereien im und um und unter dem Devil Fetus - Haus sind jetzt keine weiteren oder gar in höchsten Tönen lobende Worte wert, aber man hat schon schlechteres aus der Ecke gesehen und Hauptdarsteller Smith kann sich immerhin bewegen.
Das alte Material ist aus Chester Wongs The Outlaw, 1982 in Taiwan von dem damals überaus produktiven, sich in den Taiwan Black Movies austobenden Filmemacher als Ausgleich zwischen solch grausig und verlockend klingende Titel wie Woman From Hell (1981) und Living Soul in Dead Body (1981) und The Vampire Dominator (1984) gedreht. So richtig einzuschätzen ist das Actiondrama hier in den übergebliebenen Minuten natürlich nicht, entspricht aber schon in der Besetzung und dem gesehenen Material der damaligen wilden Zeit, in der mit B-Krimis der übleren Art sowohl der Forderung nach gewissen Realismus entsprochen als auch noch mehr der Zensur getrotzt und Sex & Violence als Mittel zum Druck und Ausreizen des sogenannten Guten Geschmacks verwendet wurde. Starke Frauenfiguren, die vor allem ihren Körper, zum Kämpfen oder zum Verführen gleichermaßen einsetzen und sich dem Patriarchat, vorzugsweise ausgedrückt durch junge Heißsporne und noch mehr durch schmierige alte Männer widersetzen, war das gängige Thema, welches auch hier dem Zeitgeist und der Machart entspricht.