Review

CONTES IMMORAUX ist in vier einzelne Kurzgeschichten unterteilt, die (leider) in keinem direkten Zusammenhang zu einander stehen. Alle vier spielen in einem anderen Jahrhundert: La Mareé (1974), Thérèse Philosophe (1890), Erzsébet Báthory (1610) und Lucrezia Borgia (1498).

Ursprünglich wollte Borowczyk fünf einzelne Kurzgeschichten in UNMORALISCHE GESCHICHTEN integrieren. Jede sollte sich mit den Themen Leidenschaft und Verlangen auseinandersetzen; und immer in einer anderen Zeitepoche spielen. Der einzigartige LA BETE wurde dann jedoch – zum Glück – wenig später in voller Spielfilmlänge veröffentlicht. Und THE BEAST sorgte bei vielen Zuschauern und Kritikern für noch mehr Empörung als dieser Film hier...

Dass UNMORALISCHE GESCHICHTEN (damals) so kontrovers war, verwundert keineswegs. Wenn in einer Episode zum Beispiel eine Frau Früchte liebt oder man in der letzten Episode von der inzestiösen Dreiecksbeziehung, in welcher der damalige Papst involviert ist, erfährt...

In den 70er-Jahren wurden unzählige Erotikfilmchen gedreht. Nur wenige davon kann man meiner Meinung nach was Inhalt, Erotik und die technische Realisation betrifft, als wirklich gelungen bezeichnen:
Alain Robbe-Grillet (EDEN AND AFTER), Radley Metzger (THE PUNISHMENT OF ANNE), Miklós Jancsó (DIE GROSSE ORGIE) oder Jean Rollin (FASCINATION) sind einige der wenigen Regisseure, die Genrebeiträge realisiert haben, die ich als wirklich sehenswert bezeichnen würde.
Ganz im Gegensatz zu einem plumpen MÄDCHEN NACH MITTERNACHT von Erwin C. Dietrich – um nur ein mieses Beispiel zu nennen...

Manch ein Zuschauer mag CONTES IMMORAUX heutzutage oft eher unspektakulär, teilweise auch ein wenig langweilig finden.

Mir gefallen besonders die beiden letzten Geschichten enorm gut. Zum Teil sehr erotisch, manchmal doch (noch) recht schockierend. Und – bei diesem Regisseur eigentlich selbstverständlich – stets mit wunderbaren Aufnahmen, schönen Sets und einem passenden Score.

Sehr, sehr sehenswert!

9 Punkte

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