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Das Beste hebt man sich für den Schluss auf und so neigt sich das Kinojahr 2011 dem Ende zu, serviert uns aber mit "Sherlock Holmes - Spiel im Schatten" nochmal einen echten Knaller. Guy Ritchie (Snatch - Schweine und Diamanten, Revolver) ist die Wiederbelebung des Meisterdetektivs in jeglicher Hinsicht gelungen, jedoch sollte man den Vorgänger gesehen haben. Hatte Sherlock Holmes hier noch einen kniffeligen Fall mit diversen Horror-Elementen zu lösen, so geht Ritchie noch einen Schritt weiter. Sherlocks Heimat London ist diesmal nur einer der wenigen Schauplätze, denn es geht von Frankreich, über Deutschland (Heilbronn) bis in die Schweiz. Das Ganze spielt im Jahr 1891 und erneut schwelgt man in nostalgischen Locations, die aufgrund des höheren Budgets nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch opulenter ausfallen. Ein optischer Leckerbissen also, auch der Einsatz von CGI ist nicht so offensichtlich wie im Vorgänger. Und für den Fan des Meisterdetektivs ist "Spiel im Schatten" sowieso Pflichtprogramm, denn Holmes legt sich hier mit dem ihm ebenbürtigen Verbrechergenie Professor James Moriarty (Jared Harris) an. Aber die Drehbuchautoren Michele und Kieran Mulroney (Paper Man) kupferten kaum von Sir Arthur Conan Doyles Vorlagen ab, sondern erfanden eine eigene Geschichte, welche Moriartys Gespür für ausgefeilte Pläne bestens zur Geltung bringt.

Im Grunde genommen ist sein Plan simpel, aber die Art der Durchführung schlichtweg genial. Viele kleine Schritte führen hier zum Erfolg und Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) hat seine Mühe hier mitzuhalten. Moriarty gefällt vor allem als altmodischer aber doch kompromissloser Schurke, der Holmes als ebenbürtigen Gegner sehr schätzt. So lernen sich die Beiden bei einem friedlichen Gespräch das erste Mal kennen, um sich später in einem gnadenlosen Katz- und Mausspiel bis aufs Blut zu bekriegen. Ritchie lässt die Sache ruhig angehen, schließlich steht noch die Hochzeit zwischen Dr. John Watson (Jude Law) und Mary (Kelly Reilly) an. Eigentlich wäre Holmes nun auf sich allein gestellt, doch Moriarty hat es auch auf Watson abgesehen. Eine Schlüsselrolle spielt auch die Wahrsagerin Simza Heron (Noomi Rapace), auf die es ebenfalls Attentäter von Moriarty abgesehen haben. Doch die Geschichte entfaltet sich nur langsam und lässt Holmes fantastischer Kombinationsgabe genügend Raum. Selbst nebensächliche Elemente wie Watsons Hund, oder Dienerin Mrs. Hudson (Geraldine James) finden ihren Platz im Film. Auch Holmes schräger Bruder Mycroft (Stephen Fry) hat hier wesentlich mehr Screentime und sorgt auch als eine Art Sidekick für Humor. Nebst dürfen sich Holmes und Watson wieder ihre furiosen Wortgefechte liefern. An Ironie und Wortwitz mangelt es "Spiel im Schatten" schon mal nicht, genauso wenig wie an hochwertigen Dialogen, wenn Holmes und Moriarty aufeinander treffen und das passiert erfreulicherweise mehrmals im Film.

Auch bei der Action hat sich eine Menge getan, denn die Sequenzen sind wesentlich ausufernder als im Erstling. So hat Holmes üblicherweise einige Prügeleien zu bestehen, wo er sich davor die Strategie im Kopf zurecht legt. Ritchie bleibt seinem eigenen Stil treu, jedoch gehen Holmes Strategien hier nicht immer auf, man nehme nur mal den flinken Attentäter von Moriarty. Auch sonst erwischt es Holmes ganz schön, Deutschland hat es in sich wo man mit Waffen aller Art durch die Wälder gejagt wird und selbst eine kleine Folterung in den Film findet. Holmes lässt hier fast sein Leben und hat es ur der Hilfe von Watson und seiner eigenen Genialität zu verdanken, dass er am Leben bleibt. Die Choreographien der Shootouts und Zweikämpfe sind erneut erste Sahne, auch wenn manchmal etwas hektisch geschnitten.
Robert Downey Jr. (Iron Man, Auf der Jagd) ist und bleibt die Idealbesetzung, denn keiner bekommt diese Mischung aus Genie und Wahnsinn so selbstironisch hin wie er. Nicht mal die teilweise schrillsten Verkleidungen vermögen die Figur ins Lächerliche zu ziehen. Jude Law (Enemy at the Gates, Repo Men) spielt den Watson immer noch süffisant und sein Charakter findet mehr Beachtung als in Doyles Vorlagen. Als Glücksgriff entpuppt sich auch Jared Harris (The Ward, From Within) als brillanter Schurke Moriarty. Noomi Rapace (Verblendung, Verdammnis, Vergebung), Stephen Fry (Zivilprozess, Gosford Park) und die niedliche Kelly Reilly (Eden Lake, Triage) sind weiterer Edelcast.

Das Gesetz der Serie ist hinfällig, denn "Spiel im Schatten" weiß den gelungenen Vorgänger sogar noch zu übertrumpfen. Das viktorianische Flair kommt trotzdem nicht abhanden, begleitet von Hans Zimmers wuchtigem Score ein echtes Erlebnis. Die Story nicht direkt komplex, aber dennoch eines Meisterschurken würdig. Holmes Kombinationsgabe wird gefordert, auch lässt er fast sein Leben auf der Jagd nach seinem einzigen ebenbürtigen Gegner. Wortwitz und tolle Dialoge sind garantiert, genauso wie eine gehörige Portion Action. Das macht einfach Lust auf mehr, für Ritchie eine echte Herausforderung dies nochmal zu übertrumpfen. Ich gebe 8.5 Punkte.

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