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Es fällt schwer, sich für einen Film zu begeistern, der das eigentlich brisante Thema des Nordirlandkonflikts ohne jegliche Action angeht und sich dabei auf die inneren Konflikte der Figuren konzentriert. Das gerät gegen Ende zwar auch ein wenig spannend und vermag sogar in Teilen überraschen, doch wirklich mitgerissen wird man dabei nur selten.

Belfast 1973: Die kleine Collette (Andrea Riseborough) muss erleben, wie ihr Bruder vom Britischen Militär getötet wird. Zwanzig Jahre später, versucht sie in der Londoner U-Bahn erfolglos eine Bombe zu deponieren und wird dabei vom MI5 erwischt. Agent Mac (Clive Owen) stellt sie vor die Wahl: Entweder mit dem Geheimdienst kooperieren und die eigenen Familienmitglieder der IRA verraten oder ins Gefängnis wandern und den kleinen Sohn ohne Mutter aufwachsen zu lassen...

Schon häufiger stand der Nordirlandkonflikt im Fokus reißerischer Streifen, doch Regisseur James Marsh konzentriert sich bei seinem Stoff auf die Sichtweise einer Frau, von der man nie so genau weiß, in welche Richtung ihr gefährliches Doppelspiel gehen könnte.
Dabei ist die Gradwanderung zwischen Loyalität gegenüber der Familie und dem möglichen Verrat sehr gut nachvollziehbar, zumal es mit Kevin (David Wilmot) eine Art Bewacher gibt, der sehr genau kontrolliert, ob die internen Pläne nicht doch eventuell nach außen getragen werden.

Dabei wirkt alles ein wenig grau, bedeckt, fast nebulös und dieses nicht nur aufgrund der Tatsache, dass anno 1993 offenbar an jeder Ecke geraucht wurde. Das triste Ambiente verstärkt natürlich die oftmals lethargische Erzählweise, denn es wird ohnehin nicht viel geredet und mehr versucht mit Blicken zu transportieren, als wären die Figuren nur Mechanismen einer verfahrenen Situation, bei denen sie selbst nicht allzu aktiv einschreiten können.

Dennoch wird die Erzählung mit einigen Wendungen vorgetragen, denn irgendwann kann niemand mehr dem anderen vertrauen, sei es innerhalb der MI5 oder in Collettes Familie, in der es eventuell mehr als nur ein schwarzes Schaf geben könnte, zumal die junge Mutter in eben jener Großfamilie mit Mutter, Sohn und Brüdern lebt.

Trotz der fabelhaften Neunziger-Ausstattung und der routiniert agierenden Mimen (am Rande performt eine erblondete Gillian Anderson) will der Funke jedoch nie so recht überspringen.
Das mag einerseits an der mäandernden Erzählweise und dem dazugehörigen sparsam eingesetzten Score liegen, zum anderen aber auch am kompletten Mangel an Action, sofern man zwei kurze Einlagen nicht hinzuzählt.

Zwei kleine Wendungen gegen Finale können zwar durchaus überraschen, doch nachhaltig wirkt die Geschichte im Endeffekt nicht, weil ihr dazu ein wenig die erwartete Impulsivität fehlt.
Aufgrund der Optik und der grundlegenden Thematik des Doppelspiels zwar interessant, wer jedoch Action und mitreißende Emotionalität erwartet, dürfte an diesem ruhigen Streifen keine bis wenig Freude haben.
6 von 10

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