Roy Blacks Neunter Kinofilm als Mischung aus dem Üblichen des Heimatschlagers, der Lustspielklamotte und der Romantischen Garnitur von Liebe und dem Drama darum und so als Zusammenrottung verschiedener Stimmungen, die ein einheitliches Ganzes nicht wirklich geriert. Die Wirkstoffe einer geeigneten Unterhaltungspharmazie sind auf jeden Fall da, das richtige Rezept nur leider nicht. Der großen Vielfalt tut diese Lösung keinen Abbruch, das Alles zufriedenstellende Vergnügen stellt sich gerade in den Klamaukszenen, aber auch dem biederen und bisweilen gehässigen Ton vor allem der hiesig porträtierten Bevölkerung so aber nicht ein. Zudem ist die Paarung der lange verhinderten Beziehung vorzüglich, alle anderen Nebenakteure aber entweder viel zu häufig und somit mehr als klischeehaft gesehen oder durchweg einseitig in der Schablone von Schwarz und Weiß gefangen und oft wie aus einer düsteren und verbohrten Welt:
Noch am Tag der Promovierung und Erstanstellung verlässt der frischgebackene Arzt Dr. Hannes Fröhlich [ Roy Black ] den von seiner Freundin Clarissa [ Ingrid Kelemen ] ungefragt in Aussicht gestellten Arbeitsplatz in der Münchener Privatklinik ihres Vaters Professor Dr. Rodenburg [ Heinrich Schweiger ], und sie gleich mit. Da passt es für den angesagten Ortswechsel gut, dass er anstelle seines Freundes Hansi [ Hansi Kraus ] den Ersatz für dessen Onkel als Urlaubsvertretung im beschaulichen St. Walden-Sonnberg einspringen will, und auf der Fahrt dahin auch die angehende Apothekerin Eva Holm [ Heidi Hansen ] samt Neffen kennenlernt. Doch Eva findet im Zahnarzt Guido Zwiesel [ Georg Thomalla ] und dem Kirchensänger Fritz Pfeiffer [ Ralf Wolter ] nicht nur weitere wesentlich aufdringliche Herren als Verehrer, sondern wird auch unverhohlen von der übrigen Damenwelt angefeindet. Währenddessen sucht Clarissa nach ihrem potentiellen Angetrauten und der Assistent Moritz Morris [ Eddi Arent ] nach einem Wunderdoktor für die kleine Stefanie [ Andrea Schober ], die kranke Tochter des schwerreichen, allerdings im Gefängnis einsitzenden Gauners Max [ Heinz Reincke ]. Zudem steht Freitag, der 13te bevor.
Mittlerweile allgemein gängig ist der Aussteigertraum hier durch die Identifikation der Figur von Roy Black vorgegeben und wie als allzu einfach und verlockend präsentiert. Gar nicht lange wird überlegt, die erste Chance auf das Verneinen der Erwartungen und dem Ausleben der eigenen Wünsche und Träume bereits und dann auch mit großen Erfolg genutzt. Erneut geht es weg von der Stadt, die das Milieu des Heimatfilmes eben nicht und stattdessen völlig konträr dazu ist, in die ländliche Gegend samt prachtvoller Natur hinein. Mal der Schwarzwald, mal die Heide, mal den Rhein hinab, hier nun die Gegend bei Salzburg, mit einem fiktiven Örtchen innerhalb liebreizender Flora und Fauna gewählt.
Zwar hat der Zufall geholfen, liegen die Geschicke aber im Schneid des jungen Mannes, der sich um das Geld schon gar nicht, um die Freundin an seiner Seite aber auch nicht kümmern und scheren mus. Einfach los, mit dem selbst erworbenen Fähigkeiten und viel mehr nicht im Gepäck; eine Illusion der Gesellschaft, die so verlockend und für viele auch erstrebenswert klingt, in der Realität aber schlichtweg nicht möglich oder am fehlenden Mut bis hin zur Naivität am Scheitern ist. Umso erstaunlicher dabei die Zeichnung des nach außen hin herzigen, aber mit verbohrten Menschen bevölkerten Ortes; ein Sammelsurium an Anstrengungen, die moralisch selber alles Andere als einwandfrei, also noch bigott und trotzdem zutiefst irgendwo in den sittsamen Fünfzigern begraben sind. So wird der junge Arzt zwar beizeiten in Ruh gelassen, aber erstmal doch misstrauisch angegangen. Schlimmer trifft es die großteils wehrlose Apothekerin, die sich eben nicht nur um sich selbst, sondern auch um Andere kümmern muss und nicht so sorglos das Dasein genießen kann. Das Alleinstehungsmerkmal, die Attraktivität, das Vorhandensein eines Kindes, ihr junges Alter, im Grunde wird ihr alles zum Nachteil ausgelegt und wird sie nicht nur von den Frauen durchweg angefeindet, als auch von den ihr nachstellenden Männern nur auf die äußere Optik reduziert und so auch degradiert.
Ein trauriges Stück Film, dass vom vielbeschäftigten Kurt Nachmann, langjähriger Drehbuchautor gerade für Franz Antel und dessen Verwechslungskaschemmen, später auch diverse Sexfilmchen um Josefine Mutzenbacher (1970), Die nackte Gräfin (1971) und Frau Wirtins tolle Töchterlein (1973) hier als Bezug, mit einer oft strikten Gegenüberstellung von Gegensätzen – die Freundin braunhaarig, die Liebe blond, die Privatklinik gegenüber der öffentlichen Praxis, die anfänglich kurz ins Bild gesetzten Fröhlichkeiten der Post-68er Studentenbewegung im Vergleich zur freudlosen Strenge und gelebten Altjungfräulichkeit in der Provinz etc. – erwählt wird. Auf der einen Seite heiliger Ernst und Pathos, dass im vorgetragenen "Ave Maria" geradezu kultiviert. Auf der anderen Seite viel und häufig darbender Humor der eher höheren Lautstärke um allerlei Hektik und Tollpatschigkeiten und sonst wie anstrengendes Witzgeflecht, in denen gerade Thomalla, aber auch Reincke, Wolter und selbst Arendt wieder kräftig um die Wette chargieren. Mittig ein großes Gebilde aus allgegenwärtigen Lug und Betrug, in dem selbst Wohlmeinendes oft nur vorgespielt und final gar mit kriminell erworbenem Geld und überhaupt nur dem Anschein von Mitmenschlichkeit bezahlt wird. Inszeniert selber ist das durchaus flott, mit dem Auge für die gebotene Kulisse von schneebereiften Bergen, prächtigen Panoramen, einer dramatische Rettungsaktion in den Eishöhlen und anderen touristischen Geschick.