Hardliner - Die Schönheit des Todes (1986)
"Roy Huggins was my mentor, my godfather. He gave me my first producership when I was a writer under contract with Universal. The time I was with him was a very important time in my career, a time when I didn’t know anything. Roy believed in me and taught me. When I was really in trouble on Hunter, we were just spread real thin. I needed somebody to come in and absolutely run things. Roy didn’t need the job or anything, but I said ‘I’d sure appreciate it if you’d bail me out here,’ and he did.”
~ Stephen J. Cannell
Nach einem durchaus schwierigen Start und einer Ersten Season, die aufgrund der Programmplanung direkt in Konkurrenz zu Dallas nicht ankam, einem weit abgeschlagenen Platz in den Nielsen-Ratings und einer drumherum durchweg abgesetzten weiteren Belegschaft (wie heutzutage längst vergessene Vertreter à la Caulfields Witwen - Ein Duo mit Charme, Codename: Foxfire, Matt Houston oder MacGruder & Loud) hat sich bei Hunter ab der Season Zwei ein anderer Sendetermin und mit Roy Huggins ein neuer Executive Producer, eine Art Mentor vom bisherigen Stephen J. Cannell durchgesetzt. Eingangs hat man noch versucht, sich zeitgenössischer auch in der Optik und im Musikvideo-Stil zu geben, wurde dies aber schnell wieder verworfen; inhaltlich wurde dafür mehr geboten und sich phasenweise auch weiterhin in Doppelfolgen ausgedehnt. Die im Original "The Beautiful & the Dead" und bei der deutschen Erstausstrahlung "Eine Tote sieht fern" betitelte Langfolge ist von Routinier Huggins (als Pseudonym 'John Thomas James' nach einer Geschichte von Jo Montgomery) und dies wie folgt geschrieben:
Sergeant Rick Hunter [ Fred Dryer ] und Dee Dee McCall [ Stepfanie Kramer ] werden zu einem Mord in einem Motel gerufen. Eine Zeugin lenkt den Hinweis auf den russischen Geschäftsmann Leo Zukoff [ Kabir Bedi ], ist sich aber auch nicht zu einhundert Prozent sicher, und der Mann selber bestreitet jegliche Tat. Kurz darauf findet Hunter bei sich zu Hause eine ihm unbekannte schöne Tote, die allerdings wenig später wieder verschwunden ist und deren Identität zudem auch falsch zu sein scheint. Hilfe erhofft sich das Team von Shirley Humphreys [ Katherine Justice ], der Frau des Opfers und nunmehrige Witwe; Stolperseine bekommen sie von Broder [ Dan Lauria ], Wilkes [ Richard Partlow ] und Waterson [ Sandy McPeak ], die sich im Büro ihres Vorgesetzten Capt. Wyler [ Bruce Davison ] als Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft vorstellen.
Huggins ist Krimi-Routinier, hat seit Ende der Vierziger zahlreich für das Kino und Film Noir und auch für das Fernsehen natürlich und bei letzteren u. a. Folgen für Detektiv Rockford - Anruf genügt, Auf der Flucht, 77-Sunset-Strip, Baretta, Die Zwei mit dem Dreh, Klassiker der kleinen Mattscheibe und beliebte Publikumsrenner geschrieben. Entsprechend dessen gibt es hier keine Grabenkämpfe im Hinterhof und auch keine Unternehmungen gegen mafiöse Verstrickungen, sondern wird die Doppelfolge mit einem nächtlichen Mord in einem Motel eingeleitet und mit den Ermittlungen und ersten Zeugenbefragungen folgend am helllichten Tag im Verhörraum fortgesetzt. Es gibt eine Dialogszene, dann noch eine, durchaus auf den Punkt und mit Fragen noch im Hinterkopf und ersten Andeutungen und Antworten und dann auch mit einer Gegenüberstellung von möglichen Täterkandidaten, den üblichen Verdächtigen quasi geschrieben. Dryer hat die Haare kürzer als noch die Folgen davor, Kramer lockiger und damit und dann auch in den Oma-Kleidungen schlimmer.
Dryer bzw. seine Figur hier hat aber bald ganz andere Probleme als die Frisur und die Klamotten seiner Partnerin, liegt doch eines Abends die Leiche einer jungen blonden Frau in seinem Zimmer; erst plötzlich da und dann plötzlich wieder weg, wobei der ganze Plot ab da an recht und eingangs auch unnötig konstruiert wirkt und tatsächlich wie in einer altbackenen 50er-Jahre-Serie und deren Hundertschaften als Notlösung entdeckt. Von der ursprünglichen Copshow zum Crime, mit ahnungslosen Mitwissern, mit dem mysteriösen Hintermann, der zudem zeittypisch auch noch aus der Sowjetunion stammt und so Kalter-Kriegs-Klüngel, aber noch kein Motiv mit sich bringt, mit einem bis dahin unbefleckten Opfer, mit Ablenkungen und Fallen und red herrings, dazu viel über Text statt über die Bilder erzählt und sowohl vorheriges raubeiniges Gehabe in den Nebenstraßen der Stadt als auch das MTV-lastige aus bspw. der Doppelfolge "Koks-Die Schneekönigin" weit hinter sich gebracht. Die Optik ist gediegen, die Bilder eher warm, aber nicht affektiert, der Schnitt und die Montage ist durchaus auf der Höhe der damaligen Zeit, aber alles andere als auf bloßen Effekt und dem Einfangen jüngerer Publikumsgruppen wie noch bei der Schneekönigin hin prononciert. Dafür gibt's zum zweiten Viertel hin eine furiose Autojagd in den Vororten der Stadt, wobei qualmende Reifen und Brems- und Beschleunigungsspuren auf den Straßen bald zu einem meterweiten Sprung eines der Wagen über ein Flußbett hinüber auf den anderen Teil der Stadt und somit dem Heil in der geglückten Flucht führen.
Später führt eine Spur noch nach San Francisco, welches man anders als das zuvor 'besuchte' Santa Clara nun auch tatsächlich bereist und dort weitere Erkundigungen ansetzt; aber auch nur für paar Minuten, und was allerdings die eh schon verzwackte Angelegenheit nicht wirklich weiter und eigentlich nur noch weitere Knoten hineinbringt und Fallstricke und weiter verzerrt. Auffällig ist auch, dass Kramers McCall hier eher bloß der Mitläufer und Stichwortgeber ist als der gleichgestellte Partner, zwischendurch darf sie fast gnädigerweise Mal eine recht braune Bananenschale aus Hunters Hand und als Ersatz eines Mülleimers entgegennehmen. Auch in der Polizeiarbeit selber lässt man es hier etwas schleifen, kurz vor Ende und mindestens einen weiteren Toten später wird noch einmal mit gleich mehreren motorisierten Gefährten eine gleichzeitig stunt- und dramaturgieintensive Einlage des Nachts auf dem Boulevard vollzogen, die geradezu filmisch angelegt ist und auch von jemand wie Hyams oder Badham stammen könnte und das zweite Ausrufezeichen hier ist.