Review

Kaum zu glauben, dass sage und schreibe fünf Autoren am Drehbuch von „Fire Birds“ mitgewerkelt haben, möchte man doch meinen, dass ein Soap Opera-Schreiberling die Geschichte in einer zu langen Nacht hingekleistert hätte. Nun zumindest einer von ihnen hat immerhin etwas Ahnung von der Materie und ihm ist es wohl auch zu verdanken, dass der Film kein Totalschaden erlitt: Dale Dye, ein mehrfach ausgezeichneter Soldat (u.a. auch in Vietnam), wird von renommierten Regisseuren wie Michael Mann („Heat“, „Collateral“), Steven Spielberg („Duel“, „Jaws“) und besonders Oliver Stone („Platoon“, „Alexander“) immer dann als technischer Berater hinzugezogen, wenn es kriegerisch zur Sache geht. Inzwischen betreibt Dyle seine eigene Firma, die sich auf genau dieses Filmgebiet spezialisiert hat. Hier war er nicht nur in schreibender Funktion tätig, sondern coproduzierte den Film mit, fungierte als technischer Berater und ist auch als in einer Nebenrolle zu sehen.

Darüber hinaus hält die Kompetenz sich allerdings in Grenzen und hätte das Militär in dem Film nicht das hervorragende Potential erkannt, ihre (damals) neue Kampfmaschine, den Apache-Hubschrauber, der wenige Monate später im Golfkrieg dann seine großen TV-Auftritte haben sollte, vorzustellen, wäre diese Light-Version von „Top Gun“ mit noch weniger Handlung nie abgehoben.

Denn schon allein dank der deutschen Synchronisation, die es mit dem Humor etwas zu gut meinte und ähnlich wie ein Jahr später bei „Hudson Hawk“ dem Film auf Gedeih und Verderb den Wortwitz einprügelt, rollen sich die Fußnägel auf. Mit dem Plot ist es allerdings auch nicht weit her.

Dank einer schon mal die politische Tendenz des Films vorwegnehmende Kampfansage George Bushs (der Papa der aktuellen Marionette, in Amerika auch Präsident genannt) an südamerikanische Drogenkartelle, die in den Achtzigern wohl nicht genügend von Chuck Norris und Co. dem Erdboden gleich gemacht worden sind, wissen wir schon mal wo dran wir sind. Hurra-Patriotismus, der politisch ganz rechts mit Militärpropaganda und zugegeben schicken Heli-Aufnahmen zu einem hirnlosen Brei zusammengerührt wurde. Also bloß nicht nachdenken.

Die Stars des Films, die damals eigentlich noch gar keine waren, sind Nicolas Cage („The Rock“, „Lord of War“) und Tommy Lee Jones („Under Siege“, „The Fugitive“). Beide pflegen ein inniges Lehrer/Schüler – Verhältnis. Jones gibt den gealterten Kampfpiloten, den es unbedingt selbst noch einmal in den Kampf zieht und Cage den jungen Recken mit der viel zu großen Fresse und überschäumendem Machotum. Da wird im Simulator gereimt bis es kracht und mit der Ex (Sean Young, „Blade Runner“, „Ace Ventura: Pet Detective), zufällig auch Pilotin, solange gebalzt, bis die Matratze quietscht und zwar zum seiernden Ton von Phil Collins. Hurra...

Das alles kann natürlich nicht ohne Probleme vonstatten gehen, denn dann wäre „Fire Birds“ nach 30 Minuten schon wieder vorbei. Also bekommt Cage so seine Steine in den Weg gelegt. Seine Augendominanz wird innerhalb weniger Minuten egalisiert und seine Ex ist urplötzlich, warum auch immer, wieder für ihn zu haben. Wohl weil er sich in der Disco als Stelzbock enttarnt hat und sie später ordentlich durchgepimpert hat?
Der Dritte im Bunde, Jones, muss jedenfalls seinem Alter Tribut zollen und sich grämen, darf final dann aber doch mit.

Dank dieses peinlichen Plots vom Reißbrett, der nicht mal ansatzweise die Dimensionen des schon nicht allzu komplizierten „Top Gun“ erreicht, müssen die Flugszenen es richten und sie tun es. Den beeindruckenden Apache in Aktion zu erleben, macht schon Laune. Leider bleiben es bis zehn Minuten vor Schluss nur Trainingseinheiten, die deswegen nicht allzu spannend sind und auch eher die tolle Manövrierbarkeit des Helis unter Beweis stellen. Der finale Kampf gegen das Drogenkartell, das seinerseits einen megagefährlichen Piloten losschickt, der auch noch Düsenjets im Gepäck hat, liefert dann das Versprochene. Atemberaubende Luftkämpfe, weniger mit Raketen, dafür mit Gatlings, viele Katz- und Mausspiele, Explosionen, Abstürze, schnodderigen Funk und obendrauf ein Schuss Dramatik stellen den Actionfan zufrieden. Wenn man dann auf die Uhr schaut, sind nicht mal 80 Minuten rum und der Film schon wieder vorbei...

Mich würde dabei nur mal interessieren, wie viel dieser David Green hier tatsächlich selbst gedreht hat oder ob das letztlich nur ein Pseudonym ist. Das Meiste dürfte jedenfalls das Militär selber in ihren Einrichtungen verwirklicht haben. Die Vermutung liegt nah, da sie für die Dreharbeiten alle nötigen Räumlichkeiten in einer ihrer Basen zur Verfügung stellten. So ganz koscher ist der Name mir nicht, zumal die Luftkampfszenen richtig gut aussehen.

Plotlöcher noch und nöcher (Hurra, passend zum Film ein Reim..), nach denen man besser gar nicht fragt (Was ist das final für ein seltsamer Angriff auf das U.S. – Lager kurz vor Schluss?), ein kaum nachvollziehbare Handlung, Klischees bis zum Abwinken und alles andere als begeisterungsfähige Schauspielerleistungen bevölkern diese Wichsvorlage für Hubschrauberpiloten und zwar deutlich unter dem Niveau von „Top Gun“, der Mutter aller militärischen Werbefilme.

Dennoch kann man „Fire Birds“ so ganz böse eigentlich nicht sein. Immerhin werden die Standards von der Romanze, über die persönlichen Problemchen bis hin zur leisen Rivalität flott abgehandelt, die typischen Locations wie Diskothek und Bett wurden auch mehr oder weniger fachmännisch integriert und über allem schweben nun mal die Helis, vor teilweise schicken Sonnenuntergängen, die bis zum Ende zwar nur durch Canyons düsen und Kämpfe simulieren dürfen, dafür ihre Feuerkraft jedoch final unter Beweis stellen dürfen. Da kracht und bummst es dann auch ausführlich.


Fazit:
Hirnloser, klischeetriefender, manchmal dank Nicolas Cages Großmaul auch nerviger Heliactioner, der zumindest über hervorragende Flugeigenschaften verfügt, am Boden jedoch im Niveaumorast versinkt. Der kaum zu ertragende Patriotismus wird zu dick aufgetragen und von der Romanze bis zum alternden Piloten werden sehr oberflächlich auch nur flugs alle üblichen Punkte so schnell wie möglich abgeharkt. Schön doof, aber nicht ganz langweilig. Durchschnitt eben, wenn auch nur dank der Apache-Werbeaufnahmen.

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