Wer einmal spinnt, dem glaubt man nicht, - unter diesem Motto könnte der Thriller mit dem wenig aussagekräftigen Titel durchaus stehen. Denn so dreht sich die Frage bis zum Ende eigentlich nur darum, ob die Hauptfigur einen weg hat und sich alles nur einbildet, oder ob die Polizei die Entführungsgeschichte besser hätte ernst nehmen sollen.
Regisseur Heitor Dhalia gelingt es zwar, seinen Thriller mit einem hohen Erzähltempo über die Runden zu bringen, doch kaschiert er damit nicht die eine oder andere derbe Schwachstelle im Skript.
Jill (Amanda Seyfried) ist noch reichlich traumatisiert, da sie vor einem Jahr im Park in Portland, Oregon entführt wurde, dem Peiniger jedoch entkommen konnte. Seither lebt sie mit ihrer Schwester Molly zusammen, die eines Tages ebenfalls verschwindet. Jill vermutet denselben Entführer hinter der Tat, doch die Polizei schiebt Jills hysterisches Verhalten auf ihre psychische Krankheit und geht sogar davon aus, dass nie eine Entführung stattgefunden habe.
So forscht sie auf eigene Faust, während ihr die Cops per Großfahndung auf den Fersen sind…
Das größtenteils recht ordentliche Tempo ergibt sich durch den Sachverhalt der Bewegung und des Zeitdrucks für alle Beteiligten, denn Jill wähnt ihre Schwester in Lebensgefahr, während die Cops in ihr eine unberechenbare und obendrein bewaffnete Psychopathin sehen, die dringend dingfest gemacht werden muss.
Glücklicherweise hält sich die Erzählung nicht mit viel Vorgeplänkel auf, streut kurze Inserts ins Geschehen, um auf die traumatisierenden Momente der Hauptfigur aufmerksam zu machen und wagt von dem Punkt an das Spiel zwischen realen Fakten und purer Einbildung, welches bis zur Hälfte solide funktioniert.
Denn für beide Möglichkeiten sprechen jeweils einige Aspekte wie das übermäßig hysterische Verhalten Jills, keinerlei Spuren am angeblichen Tatort, sowie eine Bestätigung durch eine Psychologin, welche Jill scheinbar ebenfalls nicht glaubt.
Anderweitig ist Molly offenbar tatsächlich verschwunden, es gibt eine sich immer deutlicher abzeichnende Spur zum potenziellen Täter und Augenzeugen, die in der Nacht von Mollys Verschwinden ungewöhnliche Begebenheiten wahrgenommen haben.
Allerdings verliert sich der dramaturgische Faden gegen Ende immer mehr, der unglaubwürdige Showdown kann den Spannungspegel nicht konstant aufrecht halten und so manch unlogischer Sachverhalt muss herhalten, um die Sache zu einem einigermaßen zufrieden stellenden Abschluss zu bringen.
Dabei bleibt die Inszenierung eher unaufgeregt, fast altmodisch. Die üblichen dunklen Farbfilter kommen genauso zum Einsatz wie der zurückhaltend eingesetzte Score mit leicht bedrohlich anmutenden Klängen, während Schnitt und Kamera okay arbeiten und die wenigen kurzen Actioneinlagen stimmungsvoll, wenn auch nicht sonderlich markant einfangen. Denn um nennenswerte Schauwerte ist die Inszenierung wahrlich nicht bemüht, was aufgrund der nicht wirklich clever gesponnenen Geschichte einen willkommenen Kontrast hätte darstellen können.
Das vermag auch Amanda Seyfried nicht zu kaschieren, welche zwar die Ambivalenz ihrer Figur glaubhaft transportiert, jedoch keine sonderliche Tiefe ihres Charakters ins Spiel zu bringen vermag.
Gleiches gilt noch deutlicher für nahezu sämtliche Nebenfiguren, da diese durch die Bank stereotyp und klischeebeladen gezeichnet sind und ebenfalls dazu beitragen, dass der Streifen im Gesamtbild nicht mehr verkörpert als durchschnittliche TV-Routine.
Skript, Inszenierung, der fade Showdown, kleinere Unzulänglichkeiten und gröbere Logiklöcher, unauffällige Darsteller und Suspense auf Sparflamme, - lediglich das annähernd passable Tempo und die vielen Stationen bei der Recherche lassen den Streifen nicht komplett austauschbar erscheinen.
„Gone“ wird in absehbarer Zeit im Spätprogramm eines Privatsenders laufen, bis dahin können selbst eingefleischte Genrefans bedenkenlos warten und sich bis dahin mit markanteren Beiträgen beschäftigen.
Knapp
5 von 10