Review


Irgendwo habe ich mal gelesen, Ralph Möller sei die deutsche Antwort auf die steierische Eiche Arnold Schwarzenegger. Ich würde behaupten, nur bedingt, obwohl die beiden doch so einiges gemeinsam haben, was ihr hünenhaftes Auftreten und ihre körperliche Präsenz angeht. Nach ihren aktiven Bodybuilderkarrieren versuchten sie sich in der Schauspielerei, nur eben mit deutlich differenziertem Erfolg. Natürlich muss das abweichende Talent beziehungsweise das unterschiedliche Können ebenso erwähnt werden und auch aus Schwarzenegger wird wohl niemals mehr ein "Charaktermime" werden. Während Arni fast zwei Jahrzehntelang einer der gefragtesten Darsteller Hollywoods war, schaffte es der in Recklinghausen geborene Möller bestenfalls zu größeren Nebenrollen an der Seite von bekannten Stars, oder er durfte in zweitklassigen TV Filmen bzw. C-Movies mitspielen. Nach 2 kleinen, stummen Filmbeteiligungen neben Van Damme in Cyborg (1989) und Universal Soldier (1992)  war  sein erstes, etwas ausgiebigeres Spielfilm-Mitwirken samt Dialogzeilen im Martial-Arts B-Actioner Der Unbesiegabare - Best of the Best 2 (1992), in welchem er als Hauptbösewicht und gladiatorenartiger Kämpfer Brutus  gegen Philipp Ree und Eric Roberts antreten durfte.

Nach dem katastrophalen Kino-Abschneiden des  meiner Meinung nach unterhaltsamen Vorgängers war nicht  damit zu rechnen, dass hier eine Fortsetzung folgen würde. 1.700.000 Dollar Einspiel bei 5 Millionen Dollar Produktionskosten und dazu die vernichtenden Kritiken von der Presse, Karate Tiger 4 - Best of the Best hatte es wahrlich nicht einfach. Um so erstaunlicher ist es, dass für Best of the Best II das Budget sogar auf 7.000.000 Millionen Dollar erhöht wurde, Regie führte wieder Robert Radler, dass Drehbuch kam dieses Mal von John Allen Nelson. Die beiden ehemaligen Mitglieder der amerikanischen Karatenationalmannschaft Tommy Lee (Philipp Ree) und Alexander Grady (Eric Roberts) versuchen den Tod ihres Kollegen Travis Brickley (Christopher Penn) aufzudecken, welcher bei Event-Promoter Weldons (Wayne Newton) illegalen Kampfsportturnier vom als unbesiegbar geltenden Koloss Brutus (Ralph Möller) brutalst ermordet wurde. Gradys 11 jähriger Sohn Walter (Edan Gross) war Zeuge der Bluttat und führt die beiden Freunde zur Arena. Bei einer Auseinandersetzung gelingt es ihnen Brutus zu verletzten und anschließend zu flüchten, während dieser nun selbst eine gnadenlose Hetzjagd auf die beiden mit dem Ziel startet, Lee in den Ring zu bekommen um ihn dort zu töten...

Auf den sagenumwobenen, glorreichen, schweißtreibenden Spuren von ähnlich angelegten, Adrenalin versprühenden "Todesturnierfilmen" wie American Samurai oder Bloodsport erfüllt Best of the Best II die Actionanforderungen derartiger Unterhaltung zu meiner vollsten Zufriedenheit und bietet darüber hinaus an Rocky erinnernde Trainingssequenzen sowie kompromisslose Shoot-Outs mit blutigen Einschüssen, welche überraschend gefällig und druckvoll inszeniert sind. Selbstverständlich ist die primäre Fokussierung aber auf die zahlreichen und ausufernden Martial Arts Zweikämpfe gerichtet, die allesamt mit einem angehobenen Härtegrad und spektakulären Choreographien punkten können. Das absolute Highlight des Films ist das finale Tournament mit dem Duell der beiden Gladiatoren, Philipp Ree versus Ralph Möller. Ein abschließender Showdown ist meiner Meinung nach für ein gelungenes Kampfsportspektakel unabdingbar, was Best of the Best II auf beeindruckende Art und Weise untermauert. Das unterhaltsame Geschehen erfährt durch den atmosphärischen und hoch motivierenden Score von David Michael Frank auch musikalisch die passende, akustische Begleitung, somit muss zusammenfassend von einem stimmigen, audiovisuellen Gesamteindruck gesprochen werden.

Leider ist auch Best of the Best II nicht ganz frei von diversen "Kinderkrankheiten", so ist vor allem das riesige Logikloch in Filmmitte zu bemängeln, als die Schergen ohne irgendeine Plausibilisierung das Versteck der Gesuchten im Indianerreservat ausfindig machen, hier wäre zumindest eine kurze Erklärung der aufgenommenen Fährte wünschenswert gewesen. Des weiteren hat mich der unsäglich dämliche Charakter von Tommy Lees Bruder James (Sonny Landham) gewaltig gestört, der gemäß aller gängigen Klischeeregeln das schwarze Schaf bzw. den alkoholisierten Trainer spielen darf und letzten Endes auch noch zum tragischen Helden hochgejubelt wird, da hat man selbst im nicht gerade für seine Fantasie berüchtigten Martial-Arts Genre schon deutlich bessere Storyentwicklungen gesehen. Zu guter Letzt entbehrt auch der eigentliche Aufhänger der Geschichte jeglicher Grundlage, denn wenn die beiden Hauptkontrahenten sich eh schon bekriegen wollen, warum nicht gleich, die ganzen anderen Vorkämpfe sind zwar ganz nett anzusehen, so richtig Sinn machen sie aber nun wirklich nicht.

Wer bei so einer Produktion keine schauspielerischen Wunder erwartet, wird im Großen und Ganzen bei Best of the Best II gut bedient, richtig negative Ausreißer gibt es nämlich keine. Die Darbietungen von Eric Roberts und Philipp Ree können sich sehen lassen, beide überzeugen in ihrer Mimik, in ihrer Dialogführung und selbstverständlich auch in den Kampfsequenzen. Spürbar knapp gehalten ist der gelungene Auftritt von Christopher Penn, leider musste er relativ früh mit nur 40 Jahren 2006 von uns gehen, sein Charisma war jedenfalls eine willkommene Bereicherung für jedes Filmprojekt. Dass Ralph Möllers darstellerischen Fähigkeiten absolut limitiert sind, dürfte kein großes Geheimnis sein und ab und zu hatte ich das Gefühl, dass er selbst bei den wenigen Sätzen, welche er sprechen durfte, leicht überfordert war. Wenigstens überzeugt er als unbesiegbar anmutender Barbaren-Gladiator, bei seinen Kämpfen gelingt es ihm seine wahren Stärken wie körperliche Überlegenheit und unbändige übermenschliche Kraft gewinnbringend auszuspielen. Richtig schön einfältig und trashig ist die "Schurkenparade" mit Brutus seinen Untertanen ausgefallen, welche ihrer Bestimmung als unterbelichtete Prügelknaben bzw. Kanonenfutter für "einen guten Zweck" vollumfänglich nachkommen.

Wirtschaftlich konnte der Streifen an den weltweiten Theaterkassen übrigens leicht besser abschließen als sein direkter Vorgänger und  ein amerikanisches Einspiel von knapp 6 Millionen Dollar erzielen, was aber im Hinblick der gestiegenen Kosten ebenfalls ein herbes Verlustgeschäft bedeutete und dazu führte, dass die beiden Nachfolger nur noch direkt für den Videomarkt produziert wurden. Ungeachtet dessen kann ich für Genrefans, welche in der Lage sind, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, eine uneingeschränkte Empfehlung bezüglich Best of the Best II aussprechen, da die Kernmaterie, die actionbezogen ist, durch die Bank ansprechend realisiert wurde und wunderbar unterhalten kann. Wer die teils offensichtlichen inhaltlichen Schwächen nicht überbewertet, wird mit kurzweiliger, knapp 90 minütiger Daueraction belohnt, die definitiv besser ist, als ihr Ruf. Du darfst nicht immer alles glauben und für bare Münze nehmen, was Dir die Leute so erzählen. MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.

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