Ab und an wagen Pornodarstellerinnen den Sprung ins halbwegs seriöse Filmgeschäft, um einerseits ihr Image aufzupolieren, aber auch, um sich nach der Erotik-Karriere noch ein Türchen offen zu halten. Eine den Laien wohl eher unbekannte Liza del Sierra versucht im vorliegenden Streifen ebenfalls erstmals den Schritt ins massentaugliche Filmgeschäft und macht dabei eine bessere Figur als das ziemlich unausgegorene Drehbuch.
Del Sierra mimt hier den französischen Pornostar Audrey, der umgehend aus dem Geschäft aussteigen und sich in einer kleinen Villa in Miami eine Auszeit gönnen will.
Doch über Umwege erfahren ein paar Bekannte von Nachbar und Schüler Jeremy vom Aufenthaltsort der Pornoqueen und wollen die Villa ausrauben. Als Audrey und Jeremy vom Abendessen zurückkehren, wartet eine böse Überraschung auf die beiden…
Fast könnte man ein wenig Sozialkritik in die Ausgangssituation hinein interpretieren, denn irgendwo ist es ja durchaus verständlich, dass Damen im horizontalen Filmgewerbe nicht als Schlampen betitelt werden wollen und neben ihren beruflichen Tätigkeiten auch ein Privatleben führen möchten. Ganz so tiefgründig wird dieser Aspekt allerdings nicht weiter behandelt, - nach einem etwas drögen Vorlauf, der die wesentlichen Figuren einigermaßen brauchbar einführt, geht es zum planlos durchgeführten Bruch in die Villa und dem anschließenden Überwältigen von Audrey und Jeremy, die von den drei Gelegenheitsgangstern und einem geistig Minderbemittelten überrascht werden.
Die Überraschungen für den Betrachter bleiben indes aus, - sämtliche Maßnahmen der Einbrecher wirken recht undurchdacht und ihnen kommt definitiv zugute, dass in dieser Gegend offenbar niemand auf der Straße unterwegs ist und die Hälfte der Nachbarschaft taub sein muss, um nicht diverse Befreiungsversuche und Hilfeschreie mitzubekommen.
So versucht ein Tunichtgut Geld vom Konto abzuheben, ein anderer kann nicht seine sexuelle Gier unter Kontrolle halten, während der Idiot ständig zur Kamera greift, was uns die eingeschränkte Sichtweise mit leichtem Wackeln und rotem Rand untermauern will.
Neben einigen halbgaren Fluchtversuchen gibt es immerhin noch einen leicht erweiterten Personenkreis, denn im Verlauf stoßen noch einige Randfiguren zum Szenario und bringen die Verbrecher ein ums andere Mal in arge Bedrängnis.
Leider mangelt es dem Geschehen über weite Teile an Suspense, die Beklemmung hält sich in Grenzen, da die Täter eben zu unbedarft und kaum mit Härte an die Sache herangehen. Selbst die Vergewaltigung von Audrey löst nicht die beabsichtigte schockierende Wirkung aus, da diese eher nur angedeutet wird, anstatt ein wenig Mut zur drastischen Darstellung aufzubringen, was im späteren Verlauf in Sachen Splatter ja durchaus der Fall ist.
Auch der Score hält sich zu sehr zurück, um etwaigen Szenen einen stärkeren Ausdruck zu verleihen, während Kamera und Schnitt immerhin solide arbeiten, das ideenlose Skript jedoch nicht aufwerten können.
An jenem mangelt es im Gesamtbild hauptsächlich, denn diese Mischung aus „Home Invasion“ und „Rape and Revenge“ bringt nichts mit, um für längere Zeit in Erinnerung zu bleiben. Handwerklich okay, darstellerisch durch die Bank akzeptabel, fehlt es schlicht an zündenden Einfällen und einer markanten Nuance.
Das leicht reißerische Finale ist zwar ein wenig an den klassischen Exploitationfilm angelehnt, bringt jedoch in Hinblick auf Charakterentwicklungen nur noch mehr Probleme ins Spiel und lässt die allgemeine Glaubwürdigkeit fast ins Bodenlose versinken.
„Villa Captive“ ist mit seinen gerade einmal 78 Minuten Laufzeit zwar nicht von Durchhängern zersetzt, doch mitreißender Stoff sieht definitiv anders aus.
4,5 von 10