Wenn eine Filmreihe sich zum dritten Mal neu erfindet, soll man da Applaus spenden oder empört sein?
Eigentlich eine einfache Frage, denn es kommt wie so oft im Leben auf das “Wie” an. “Neuerfindung” ist so ein hübsches Wort, aber “Parasit” ist ein weniger hübsches. Wenn man nun sagt, da habe jemand ein pappenfremdes Drehbuch genommen und es mit Gewalt in Sean S. Cumminghams Gruselreihe gepresst, so ganz nach dem Motto “was nicht passt, wird passend gemacht”, hört sich das gar nicht mehr so nett an. Und wenn das Drehbuch demjenigen von “Shocker” dann auch noch gleicht wie ein Ei dem anderen, ja da ist aber Randale angesagt.
Es ist schon witzig: da hat sich die Serie gerade zum familienkompatiblen Gruselspaß entwickelt, wird prompt im nächsten Atemzug der Hammer rausgeholt und humorlos mit Körperteilen um sich geworfen. Zumindest macht das jener Massenmörder, der da reinkarniert durch den begnadet hässlichen Brion James auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wird, um als Elektrizitätsgeist zurückzukehren und seinem Peiniger ein fettes “BUH” ins Antlitz zu jagen.
Der Peiniger, das ist Lance Henriksen, ein Mann, der schon in mittleren Jahren so aussah, als hätte er ein ganzes Leben voller Erfahrung in Hirn und Gesichtszügen gespeichert. Ihm zum Dank ist “House 3" doch weit mehr, als das Reißbrett-Drehbuch hergibt. Wuseln in seinen Rollen nämlich allzu oft blasse Niemandsgesichter herum, die jegliche Aufmerksamkeit auf die Bösartigkeit des Killers lenken, so bietet Henriksen dem fiesen James mehr als nur Paroli: er hält das Gleichgewicht und sorgt für einen packenden “Actor’s Fight”, der es einem nie langweilig macht.
Gewürzt durch allerhand brutaler Einlagen, denen es gelingt, niemals zum Selbstzweck zu verkommen, steht der Puls damit konstant am oberen Anschlag. Was hätte das für ein starker Film werden können, würde bloß nicht jeder Schritt, jede Szene so offenkundig verraten, was als nächstes passiert. Mit Überraschungen hat Allyn Warners Skript es nicht so, eine Überraschung ist es folglich auch nicht, dass der Autorenname dann später für den guten alten Alan Smithee Platz machen musste.
Das Dargestellte ist aber dennoch auf weiten Strecken intensiv, obwohl unnötigerweise typischer 80er-Jahre-Klamauk immer mal wieder eine Lücke findet. Der animatronische Truthahn hätte nicht sein müssen und der feminin angehauchte Glamrock-Bub mit “Appetite for Destruction”-Flagge im Zimmer kommt auch nicht ganz vom Komiktropf los, ebenso wie Deedee Pfeiffer, die junge Schwester von Michelle, als nackt duschender Twen sich dem Einfluss der “Nightmare on Elm Street”-Reihe unterwirft, was untermalt wird durch die Kellergewölbe mit aufflackernden Öfen und Heizungsraumgewinde.
Mit einem “Geisterhaus”, so die eigentliche Prämisse des ursprünglichen “House”, hat das alles längst nichts mehr gemein; aber wenn man berücksichtigt, dass “House III”, im Original “The Horror Show”, eigentlich bloß für den europäischen Markt zum dritten Teil einer bestehenden Serie umfunktioniert wurde, klingt das alles schon gar nicht mehr so tragisch.