Aktualisiertes, schon zwei Dekaden lang als Gedanke florierendes, ab April 2010 in Angriff genommenes re-telling der Geschichte vom Dragon Gate Inn, die bereits 1967 unter dem gleichnamigen Titel von King Hu als taiwanesischer Historienfilm geschrieben und inszeniert, und nach verschiedenen Inspirationen bis einschließlich heute auch 1992 offiziell unter New Dragon Gate Inn von Raymond Lee als (in vielen Belangen wilderen) Wuxia Action Thriller wiederaufgeführt wurde. In der letztjährigen Adaption der weiterhin verführerischen, mit jeweiligen auch zeitgenössischen bis hin zuweilen politisch gefärbten Stimmungen und inhaltlichen Akzenten aufpolierten Handlung wechselt der damalige Autor und Produzent Tsui Hark nunmehr direkt aktiv auf den Posten des Regisseurs. Ein Vorteil der medialen Aufmerksamkeit und des Wissens um Tradierung, Konstanz und Usanchen, die den Weihnachtserfolg 2011 neben Entertainment up to date auch zur einer Bewusstmachung längst verschollen geglaubter und bis auf wenige Ausnahmen auch seit den frühen Neunzigern in Zäsur und Lossagung gelassener Werke:
Ming Dynastie, AD 1477. Durch die schwache Herrschaft von Kaiser Xian Zong haben die von ihm eingesetzten Eunuchen die Kontrolle über Land und Leute und so eine brutale, mit Hilfe von Korruption und Diktatur ausgeführte Herrschaft erlangt, was von Freiheitskämpfern wie Zhao Huaian [ eher als Zusatz denn als Mittelpunkt: Jet Li ] ebenso erbittert bekämpft wird. Als Zhao den Anführers des Eastern Bureau, Wan Yulou [ Gordon Liu ] während einer dessen öffentlich zur Schau gestellten Hinrichtungen beseitigt, ruft er damit den gleichwertig skrupellosen Yu Huatian [ Aloys Chen ], den Anführer des Western Bureau sowie dessen besten Kämpfer Ma Jinliang [ Louis Fan ] auf den Plan. Dieser hat zwar noch die Verfolgung der aus dem Palast entflohenen und mit einem Kind vom Kaiser schwangeren Konkubine Su Huirong [ Mavis Fan ] in seinem Aufgabengebiet, allerdings sollen sich die Wege dennoch bald kreuzen. Tief in der nordwestlichen Wüste, kurz vor der Grenze, in einer von Räubern und Killer heimgesuchten Herberge, treffen Su und ihre Beschützerin Ling Yanqiu [ Zhou Xun ] bereits auf die vorausgeschickten Mannen von Yu, angeführt von Tan Luzi [ Sheng Jian ]. Zudem wird die Einöde von einer Bande der Tataren unter Prinzessin Burudu [ Gwei Lun-mei ] und den Schatzsuchern Gu Shaotang [ Chris Lee ] und Bu Cangzhou [ ebenfalls Aloys Chen ] heimgesucht; wobei die Ähnlichkeit von BU mit Eunuch Yu sowohl die Guten als auch die Bösen in der Geschichte zu verschiedenen Mitteln der Täuschung verleitet. Zudem steht ein Jahrhundertsturm bevor, der die eingeschlossenen Insassen der Behausung komplett wegzuwehen droht.
Ein neues Entfachen ?
Wo der Erstling die Welle vergleichbarer Produktionen erst mit entscheidend ansteckte und förderte und der filmographische Mittelteil zu einer Zeit des Überflusses darin und so trotz vieler Qualitäten einschließlich auch einer Starbesetzung eher mit im Strom von zu vielen Vergleichbarem schwamm, ist der bisherige Abschluss (nicht als Remake des Zweiten, sondern, wenn überhaupt eher Sequel des Ersten) wieder mit die (im Grunde verspätete) Einzelattraktion. Ein Charme der alten Gesten im neuen Gewande, und die Frische der Bilder mit Effekt und Brillanz können und wollen nicht verbergen, dass die Figuren und Töne und Weisen bereits von Beginn an ihren Bekanntheitsgrad erreicht und die Erwartungen eher im Wohlgenuss bedient als neue Ideen geschürt werden.
Allen drei Filmen ist von dem Ausgang der Prämisse her schon die Verschiebung um die Geschicke des Landes und den Kampf von Außen nach Innen zu eigen. Die Austragung findet nicht im Öffentlichen Freien, sondern in und um ein abgelegenes, eigentlich auch heruntergekommenes und von allen guten Geistern verlassenes Elend inmitten der Wüste statt. Jeweilige Gruppierungen um den Streit um Macht, Reichtum, Politik und Ruhm haben auserwählte Mannen zur entscheidenden und gleichzeitig auch zufällig so platzierten Schlacht um Sieg und Niederlage geschickt; Eröffnung für ein Katz- und Mausspiel auf beengtem Terrain, dass in die Breite aufgrund der lokalen Begebenheiten und des aktiven Mitwirkens von (Un)Wetter und Umgebung gar nicht mehr erweitert, sondern nur noch in die Tiefe des Ortes und die Tücken von List und Gegenlist verlagert werden kann.
Dabei zieht sich die Schlinge der Erzählung und ihrer Komponenten stetig fester, arbeitet in kreisartig verkleinernden Zyklen. So eröffnet die Produktion, wie es sich für einen mit USD 35 Mio. durchaus teuren, von Beginn an in den Medien stattfindenden Blockbuster zur besten Urlaubszeit geziemt, durchaus massenwirksam, aber letztlich fehlleitend groß. Gerade die einleitenden Bilder, eine ewigdauernde Fahrt über voluminöses Hafengelände mit prosperierender Wirtschaft und zur Schau gestellten Wohlstand und Glanz, setzen schon den Eindruck von Masse, Eleganz und auch Lebhaftigkeit bleibend; eine Belastung währender Impressionen, die das nachfolgende Kleinere inmitten einer staubigen Wüste mit schweren Holz und Stein und Sand als Baumaterial so sicher nicht halten kann.
Das Hin und Her der Figuren, ihre Täuschungen untereinander und gegenüber dem offensichtlichen Feind, die Intrigen und das Versteckspielen der verschiedenen Paarungen, das Mysteriöse und Notwendige der dann auch mit vielen verbalen Spitzen und Wortspielen ausgestatteten Vorbereitung auf das Gefecht muss man auch mögen. Mit einer eindrucksvollen Schar an Darstellern, zuvorderst die Namhafteren in der Riege mit anschließend von Gesicht und Gestus Einprägsamen, eines schon übersichtlich gehaltenen, nur nicht dauernd die volle Initiative wahren könnenden Drehbuches und so auch analoger Inszenierung gehalten, ist das Werk theoretisch rundherum seinen Beifall wert; gerade auch angesichts des sonstigen Trübsal in der chinesischen oder kantonesischen Filmproduktion und auch der – bis auf Seven Swords (2005) und Detective Dee and the Mystery of the Phantom Flame (2010) – in der letzten Dekade unsicher bis verloren wirkenden Handhabe Tsui Harks. Ansprechend ist auf jeden Fall der Schwung neuer oder neu formatierter visueller Ideen, die Spielfreude in Gemeinsamkeit mit Überschau und Perspektive, die die narrativen Taktiken unterstützen statt sie wie gewohnt auf das Hektische variieren. Geblieben ein wenig die Unsicherheit in Bezug auf die Liebhaberei von zuviel und so auch teils unnütz eingesetzter Tricktechnik, die bis auf kleinere Makel aber verschmerzbar, und durch die sonstig neugewonnenen Ruhe des früher unheimlich aufgedrehten und so in krampfhafter Anstrengung scheinenden Zampanos auch wieder ausgeglichen ist.
Denn wo das Materielle hier vergleichsweise eher rudimentär, gerade ohne wirklich entdeckbare inspirierende Metapher auf Staatskunst, politisches Handeln, oder anderes spekulatives Kalkül und so gemäßigt vollzogen ist, schwankt es formell zwischen progressiven Augenschmaus und lange vermissten herkömmlichen Hochgenuss. Actionszenen mit Schwert, Doppelschwert, sowie Schussgerät von Pfeil und Bogen über Armbrust sind poetisch und gleichzeitig dynamisch angeregt, und dürfen sich so sowohl der Kampfkunst der Beteiligten als auch der Ästhetik und wirework-Handwerk der Choreographen Yuen Bun, Allen Lan und Sun Jian-kui vergewissern.