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Wer nicht ganz unter einem virtuellen Stein lebt, ist im Internet sicherlich schon auf den „Epic-Beard-Man" gestoßen. Ein zufällig mitgeschnittener Clip, welcher einen amerikanischen, betagten Herren zeigt, der sich in einem Bus schlagkräftig gegen einen handgreiflichen Afroamerikaner erwehrt. Durch Youtube rasend schnell zum Kult avanciert und millionenfach angeklickt hätte man vieles, erwartet, nur keinen Film. Gedreht wurde er trotzdem.

In "Bad Ass" übernimmt nun Danny Trejo die Rolle des Vigilanten, der sich hier politisch korrekt gegen zwei rechtsradikale Glatzköpfe verteidigt und so als Medienheld gefeiert wird. Nicht die schlechteste Besetzung und in einigen kurzen Momenten zeigt Trejo auch, dass er nicht auf die Seagal-Acting-School gegangen ist, sondern mehr ausdrücken kann, als er sonst zugetraut bekommt. Wirklich großartig ist das natürlich auch nie.  Immerhin eine nette Abwechslung zu dem, was er sonst für Rollen vorgesetzt bekommt.

In einer Nebenrolle sehen wir einen Ron Perlman als (natürlich korrupten) Bürgermeister, der seine Standardperformance abspielt. Müde und ausgelaugt wirkt er, sodass sogar Trejo dagegen energisch rüberkommt. Ein willkommenes Wiedersehen gibt es dafür mit Charles S. Dutton, wenn auch in einer furchtbar doofen Rolle.

Generell zeigt uns „Bad Ass" seine größte Stärke bereits nach zehn Minuten, wenn nämlich der eigentliche Beweggrund des Films, die Nachstellung der realen Ereignisse, abgearbeitet ist. Danach fragt sich der Zuschauer, wie es denn nun weitergehen soll? Immerhin wird somit eine gewisse Grundspannung aufgebaut. Diese weicht allerdings nach einer gewissen Zeit, wenn die Handlung sich als simple Variation der „Ein Mann sieht rot"-Thematik offenbart - nur weniger ernst. Ein Hehl wird daraus nicht gemacht, vielmehr zitiert, bis der Arzt kommt. So stapft Trejo durch die 90 Minuten auf der Suche nach den Mördern seines besten Freundes, weil die Polizei wichtigeres zu tun hat.
Überraschungen sind dann dementsprechend bis zum Abspann nicht mehr zu erwarten. Vielmehr werden hunderte Male durchgekaute Klischees abgearbeitet, als gäbe es Auszeichnungen dafür. Das Loveinterest in Form der böse gebeutelten Nachbarin, die natürlich jung und wesentlich attraktiver als Trejo daherkommt, sich aber dennoch zu ihm hingezogen fühlt, tut dann schon weh. Ein wenig mehr Originalität hätte man sich bei einem Film, in dem eigentlich alles hätte passieren können, schon gewünscht.

Freude kommt dann immer wieder auf, wenn „Bad Ass" (Teufelskerl in der mittelprächtigen Synchronisation) die Bösewichter drangsaliert und dabei Oneliner um sich wirft, die selbstironisch auf die Probleme des Älterwerdens abzielen. Ingesamt kommt eigentlich kaum Langeweile auf: heiter geht es immer zur Sache, auch wenn bis auf ein Paar Actionszenen und Explosionen im Showdown für den Adrenalinjunky nichts geboten wird. Wirklich spektakulär wird es nie und die finale Busverfolgungsjagd sieht dann in „Red Heat" doch um einiges besser aus, als hier. Aber immerhin ein nettes Zitat.

Musikalisch wird zunächst ruhige Gitarrenmusik serviert, die aufgrund der Bodenständigkeit sympathisch rüberkommt. Leider wird diese alsbald durch obercoole Hip-Hop-Klänge abgelöst. Unser „Bad Ass" bekommt sogar seinen eigenen Themesong, zu dem er in Zeitlupe die Straße runterläuft. Durchwachsen, durchwachsen.


Um am Ende dem großen Ziel „Grindhousekino der Neuzeit" Nahe zu kommen, fehlt dann doch eine ganze Menge. Zu lasch, zu harmlos und weniger originell als die Konkurrenz. Zwar versucht man immer wieder, durch das Einstreuen von Zitaten oder auch mal funkiger 70er Jahre Musik, eine schmutzige Atmosphäre aufkommen zu lassen, doch die aalglatte Optik und moderne Spielereien mit Schnitt und Zeitlupe steht dem im Weg.
Für ein Mal Anschauen reicht es dann doch noch. Immerhin geht es recht kurzweilig zu und Trejo spielt zur Abwechslung mal einen halbwegs sympathischen Charakter.

Die Kernfrage, was man mit der Grundidee machen kann, wird hier ganz konsequent beantwortet: eigentlich nichts aufregendes.

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