Spun USA 2002
Also, was ist das für ein Film, worum geht es? Das zu erklären fällt nicht schwer. Alles dreht sich um Drogen. Nicht so wie „Blow“ oder „Scarface“, es geht eher um den Konsum von Substanzen. In „Spun“ ist es Methamphetamin, auch genannt Crystal Meth. Das wurde cineastisch gesehen vorher nicht so sehr in den Fokus genommen. „Spun“ bewegt sich aber im Dunstkreis von Filmen wie „Fear & Loathing in Las Vegas“ oder „Trainspotting“, an denen er sich auch messen lassen muss.
Die Geschichte dreht sich um Ross. Er ist Konsument und erlebt drei durche Tage auf Crystal. Dabei erlebt er so manche skurrile Menschen und Momente. Dieses Erfahrungen teilt er mit anderen Konsumenten, richtigen Junkies und einem Hersteller des Stoffs, der für Nachschub für die Bande sorgt. Diesen als Koch bezeichneten Mann fährt er mit seinem Volvo durch die Gegend. Irgendwie versucht Ross mit seinem Rauschzustand klar zu kommen, was ihm eher seltener gelingt. Seine von ihm getrennt lebende Freundin scheint ihm nach wie vor wichtig zu sein. Da ihm die Kristalle aber schon fast aus der Nase fallen, wird aus der ersehnten Versöhnung nichts. Erlösung findet Ross erst als er einschläft und der Turn abklingt. Dies gilt auch für alle anderen Figuren, die im Film präsentiert werden. Bis auf den Koch..
In „Spun“ passiert viel, aber auch nichts. Die Menschen sind nervös, haben Laberflash, schieben Paranoia und schweben unter der Glocke des Kontrollverlust. Das kommt dem schon ziemlich nahe wie Leute drauf sind, wenn sie zu lange, zu viele aufputschende Mittel eingenommen haben. Dies ist alles sehr anschaulich. Das abgewrackte Äußere von Cookie (Mena Suvari, da auch Respekt diese Rolle so durchzuziehen) ist nicht von schlechten Eltern. Gut, sie und ihr Freund Spider rauchen und spritzen sich das Zeug ja auch. Bei den beiden Personen wird der Verfall am deutlichsten. Sowohl zivilisatorisch als auch körperlich. Da wurde kein Weichzeichner eingesetzt.
Ross selbst kommt als sympathischer Taugenichts rüber. Seine Verzweiflung kommt selten zu Tage. Ihm sieht man den Konsum nicht an. Zwar wird in einem Gespräch mit Nikki die Möglichkeit einer bestehenden Abhängigkeit thematisiert, letztlich wird aber der Eindruck erweckt für Ross ist das eher eine Gaudi mit Freakshow und stundenlangem Ficken. Die Darstellung ist mir zu unkritisch, auch wenn der Umgang mit seiner Stripper-Freundin deutlich eine Verrohung zeigt.
Der Koch kommt anfangs als coole Socke rüber, das wird zum Ende aber in schöner Art und Weise relativiert. Dieses Junkie-Dasein hat eben kaum schöne Seiten und oftmals sind die Hintergründe ernster als Liebeskummer oder Erlebniseifer wie bei Ross. Andere Charaktere wie die zwei sniefenden Bullen sind derart überzeichnet, dass ihr Auftreten wohl der Tatsache geschuldet ist, dass ein Drogenfilm eben mit absurden und irgendwie komischen Momenten aufwarten muss.
Diese Komik kommt im Übrigen auf eine sehr überdrehte und irrwitzige Art zu tragen. Das wird nicht jedermanns Geschmack sein. Die Komik geht zumeist auch auf Kosten Schwächerer und den wirklich abgefuckten Gestalten im Film. Ebenso wird nicht jeder über fette White Trash-Muttis im Wohnwagen lachen können. Die Realität sieht dem allem leider sehr ähnlich. Zu ähnlich.
Bisher war „Spun“ also eher ernüchternd. Was ihn reizvoll machen kann, ist das Zeigen wie Amphetamin sich auf die Wahrnehmung auswirkt. Dabei ist „Spun“ durchaus ambitioniert und gibt sich redlich Mühe. Manche Effekte sind sehr kreativ. Regisseur Jonas Akerlund ist vom Fach, er zeichnete sich bereits für das Video von „Smack My Bitch Up“ verantwortlich. Das lässt dann auch die Frage aufkommen, was bietet der Film im Vergleich dazu Neues? Optisch gibt es paar Tricks, wie die springenden Affen, und eine ganz nette Comic-Einlage. Alles andere sah man bereits so oder so ähnlich im besagten Video. Wer das Video aus Akerlunds Feder nicht kennt, bekommt diesbezüglich eines geboten.
Dieser Film hinterlässt mich mit einer gespaltenen Meinung. Man kann knapp 100 Minuten seines Lebens weiß Gott schlimmer verschwenden. Abgedrehte Leute und Drogen gibt’s aber auch im wahren Leben. Wozu also der Film? Ich sehe in ihm keinen Sinn und das ist der Unterschied zu „Trainspotting“, der obschon seiner vielen Ähnlichkeiten, sehr wohl einen Sinn erkennen lässt. „Trainspotting“ wirkt runder, durchdachter und zeigt mehr als das ständige Draufsein. Was nett ist, gleichwohl wenig abwechslungsreich.
Die Einstellung des Films zum Konsum dieser Drogen empfinde ich als ok. Da nimmt sich der Film nichts mit anderen Filmen dieser Coleur. Niemand wird sich als Folge dieses Films Amphetamin geben. Das war nicht die Intention von „Spun“ das glaube ich definitiv. Egal, was für kritische Aspekte er aufweist.
Ja, „Spun“ hält sein Versprechen und ihn anzuschauen macht schon irgendwie Spaß. Aber der Spaß hält nicht lange vor. Der fade Beigeschmack mich an der Schilderung des öden Lebens der amerikanischen Unterschicht zu ergötzen bleibt - nur die Optik ist schlichtweg zu wenig. Die Charaktere sind zum Teil ausgefallen und Ideenreichtum hinsichtlich drogeninduzierter Ausfallerscheinungen wird ebenso bewiesen; in jeder Psychiatrie wird man aber mindestens zehn Mal mehr Wahnsinn und Durchgeknalltheit finden.. Junkies gibt’s da übrigens auch..
5/10