Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film
Die Wand ist ein Film, bei dem man eigentlich gar nicht viel Worte machen und einfach behaupten sollte: Anschauen und selbst urteilen! Man könnte ein Buch über die Bewertung dieses so vielschichtigen Films schreiben, wenn nicht ein grandioses Buch schon Pate gestanden hätte. Deswegen versuche ich mich relativ kurz zu fassen. Für die letzten Zweifler zeigt Martina Gedeck, warum sie schon so viel Preise bekommen hat. Ihre millimetergenaue Mimik und Körpersprache ist einzigartig.
Es ist ein einmaliger und beklemmender Wechsel zwischen der Sichtbarmachung ihrer inneren Welt nach außen und reflektierter Introspektion. Die Geschichte von der Frau und der unsichtbaren Wand die sie vom Rest der Welt trennt ist so vielschichtig, erschreckend, metaphernreich und überwältigend, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Dies gilt auch für die Bilder der Angst, des Kampfes um Leben und Tod im Film. Es geht um die Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz und den letzten und wichtigsten Grundfragen des Menschen.
Es ist ein einziges Abenteuer in der Natur. Man lernt auch viel daraus. Die Natur ist nicht grausam, sie ist auch nicht einfach nur schön. Sie ist einfach nur real und wird den Menschen überdauern. Die Umsetzung in DIE WAND ist Arthouse Kino pur im besten Sinne. Wenn Martina Gedeck mit einem spitzen Stock voraus sich vor der Wand schützt, wenn Tiere die einzigen Bezugspunkte sind und wenn ein Reh stirbt und man fast vergisst zu atmen dann ist das wahres Kino. Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film.
Und kein Film kann den eigenen Film im Kopf bei einem guten Buch ersetzen. Deswegen tauche ich nicht in die vielzitierten Vergleiche zu dem Buch von Marlen Haushofer aus dem Jahr 1963 ein. Die Frage ist doch vielmehr, ob die Verfilmung einen guten Film daraus macht, der gut bei Kenntnis des Buches und vor allem ohne das Buch funktioniert. Dies hat die Verfilmung von Julian Roman Pölsler als Regisseur und Drehbuchautor des als unverfilmbar geltenden Stoffes allemal erreicht.
8/10 Punkten