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Dem französischen Film wird ja gemein hin nachgesagt, dass er recht kompliziert und höchst künstlerisch sei. Doch neben diesen ganzen sehr sehenswerten Filmen haben es die Franzosen schon früh verstanden hochwertige Krimis und Actionfilme zu liefern. Luc Besson ist in der heutigen Zeit wohl das beste Beispiel dafür, doch Leute wie Jean-Paul Belmondo oder aber Gérard Depardieu haben auch dazu beigetragen. Letzteren können wir nun in diesem Werk aus dem Jahr 1981 betrachten.

Die beiden Gauner Mickey (Gérard Depardieu) und Sarlat brechen aus dem Gefängnis aus. Dummerweise entpuppt sich einer ihrer Komplizen als ein Mitglied einer rivalisierenden Bande und lockt sie in einen Hinterhalt. Bei der folgenden Schießerei wird Sarlat schwer verwundet. Nur mit Mühe können sie den Hof von Noel Durieux (Yves Montand), einen ehemaligen Kriminellen und Freund Sarlats, erreichen. Dieser lebt zurückgezogen mit seiner Frau Nicole (Catherine Deneuve) auf dem Land. Noel hatte ihnen zwar versprochen bei der Flucht zu helfen, doch durch ein interessantes Angebot für ein Gestüt in Irland ist er leicht abgelenkt.
Leider verstribt Sarlat sehr schnell und der unberechenbare Mickey taucht erst einmal bei einem alten Freund unter. Wenige Tage später veranstaltet Noel ein Diner auf seinem Hof, in welches Mickey wild um sich schießend hinein platzt und vom Hausherren Hilfe fordert. Dieser will sich jedoch nicht einschüchtern lassen und trommelt seine alten Freunde zusammen, um Mickey beseitigen zu lassen. Schnell haben sie einen ehemaligen Komplizen ausfindig gemacht, den man Dank seiner Drogensucht schnell für sich gewinnen kann. Dieser zeigt Noel nun die verschiedensten möglichen Aufenthaltsorte von Mickey und so erfährt Durieux viel von dessen Leben. Durch Zufall fahren sie an einem Haus vorbei, indem Mickeys kleine Tochter lebt, für die er Schuldgefühle entwickelt hat und so öfter besucht. Von dem Irrglauben befallen, Noel könne dem Kind etwas antun, geht Mickey nun in die Offensive und fährt zum Hof, wo Nicole alleine ist. Doch nicht nur Noels Leute sind ihm auf den Fersen, sondern auch ein übermotivierter junger Polizist, der unbedingt versuchen möchte, beide einzubuchten. Nachdem Mickey zuerst Nicole als Geisel genommen hat, scheint sich die Lage nach einem Telefonat mit Noel zu entspannen. Jedoch gerät mit dem Eintreffen der Polizisten alles außer Kontrolle und der Film endet in einem Desaster...

Wie man schon aus der Inhaltsangabe entnehmen kann ist der Film recht komplex, sodass der Zuschauer schon aufpassen sollte, um nicht wichtige Details zu verpassen. Immer wieder wird von einem Strang zum nächsten gesprungen, meist durch harte Schnitte. Dies ist auch der größte Kritikpunkt. Es wird der einzelnen Szene meist nie genug Zeit gelassen, um sich zu entwickeln. Man bekommt nicht wirklich die Chance sich mit dem Gebotenen intensiv zu beschäftigen und auch der Erzählfluss geht teilweise in die Brüche. Hier wäre ein etwas linearerer Weg sicherlich sinnvoller gewesen. Auch die Art wie der Zuschauer mit Hintergrundwissen über die einzelnen Charaktere versorgt wird, wurde nicht so optimal praktiziert. Zwar ist Mikeys Historie sehr geschickt in die Handlung eingebunden, dem steht aber ein Versäumnis auf Noels Seite gegenüber. Ein paar Informationen über seine Vergangenheit wären sicherlich nicht schädlich gewesen. Ebenso wird der Zwist mit der verfeindeten Bande etwas sträflich missachtet und erst wieder zum Ende hin stärker eingefädelt, sodass es dann etwas überraschend ist, dass nun darauf wieder eingegangen wird. Wenn man jetzt von diesen Kritikpunkten absieht, bietet der Film doch einige sehr interessante Aspekte. Er versucht nicht sein Hauptaugenmerk auf die kriminalistische Seite zu legen, sondern bietet doch einige Einblicke in die menschliche Psyche und Gefühlswelt.
Besonders erwähnenswert ist da sicherlich Noels Entwicklung, der zum Ende des Filmes, man könnte schon fast meinen, väterliche, auf jeden Fall, höchst mitfühlende, sympathisierende Empfindungen für Mikey hat. Ihm gegenüber steht besagter Mickey, an dem man sehr gut erkennen kann, wie er durch seine Schuldgefühle und durch seine Rastlosigkeit und innere Zerissenheit eigentlich unberechenbar ist und sich so immer wieder in Gefahr bringt. Auch die Beziehung Noels zu Nicole hat hier eine ganz bedeutende Rolle, da sie voll zwanghafter Abhängigkeit ist und für Noel das Fundament für sein bürgerliches Leben bildet, was zum Ende ja von großer Bedeutung ist und sein Handeln erklärt.
Eingebettet wurde der Film in einen wundervollen Soundtrack, der nie zu aufdringlich ist, seine Präsenz aber nahezu immer spürbar ist. Gekonnt verleiht er den Szenen einen oftmals melancholischen Touch, der die Gefühlswelt des Zuschauers angreift und so einen guten Zugang zum Film ermöglicht.

Um die o.g. Charakterzüge authentisch zu vermitteln, bedarf es natürlich sehr talentierte Schauspieler, die man zum Glück für diesen Film gewinnen konnte.
Besonders Gérard Depardieus Darstellung des Mickey konnte mich sehr überzeugen, da er es wunderbar schafft diesen impulsiven, unberechenbaren Menschen zu verkörpern. Man kann sich nie genau sicher sein, wie er in der nächsten Szene reagieren könnte und es ist eine schiere Freude ihn bei seinem Spiel zu beobachten.
Yves Montand ist nahezu der Gegenpol, da seine Rolle recht ruhig und verschlossen angelegt wurde. Er handelt bedacht und zeigt seine Gefühle nur selten. Am Ende jedoch kommt auch er aus sich heraus und zeigt starke Emotionen, welche genauso glaubhaft präsentiert werden, wie seine verschlossene Seite. Auch schafft es Montand dem Charakter eine Art von Mystik einzuverleiben, was auch mit der nicht ganz klaren Vergangenheit Noels zu tun hat.
Catherine Deneuve fällt meiner Ansicht etwas heraus und kann nicht mit den beiden genannten Schauspielern mithalten, was vielleicht auch an ihrer Rolle liegt. Sie wirkt immer etwas farblos, greift nicht so sehr in das Geschehen ein und ihr Charakter ist auch nicht so tiefgründig. Nichtsdestotrotz ist ihr Spiel nicht schlecht, steht jedoch etwas im Schatten ihrer männlichen Kollegen.

Abschließend kann man sagen, dass „Wahl der Waffen“ ein überzeugendes und spannendes Kriminaldrama ist, dem jedoch durch Drehbuch- und Inszenierungsschwächen ein besseres Ergebnis vorenthalten wird. Schade! 7/10

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