Die Stille der Nacht unterbrochen durch Alarm, ein Ausbruch, eine Flucht steht an. Der Coup war geplant, man weiß nicht wie, wann sieht nur das erfolgreiche Ergebnis, zwei Verbrecher sind freigekommen, sie wurden abgeholt, der Fahrer hat sich jetzt schuldig gemacht, man ist im Kriminellentum zu Dritt. Fast hätte man das Entkommen auch 'friedlich' geschafft, fällt man aber durch aggressive Fahrweise auf, friedlich und ruhig ist dann nichts mehr, eine Verfolgung, eine Kollision, eine Schießerei entspinnt:
Als Mickey [ Gérard Depardieu ] zusammmen mit dem älteren Serge Olivier [ Pierre Forget ] aus dem Gefängnis abhaut, fangen die Schwierigkeiten für alle Beteiligten erst an. Serge wird im Verlauf der Flucht schwer verletzt, was ihn zu seinen alten Freunden, den längst ausgestiegenen und mittlerweile gut situierten Ehepaar Noël Durieux [ Yves Montand; der Lino Ventura ersetzt, welcher abgesagt hat ] und Nicole Durieux [ Catherine Deneuve ] führt. Bald ist auch die Polizei unter Kommissar Bonnardot [ Michel Galabru ] und seinem Adjutanten Sarlat [ Gérard Lanvin ] vor Ort, was der zunehmend unberechenbare Mickey den Durieux' zuschreibt, sodass diese über den früher verfeindeten, nun eigentlich auch legal tätigen Raymond Constantini [ Jean Rougerie ] und dessen Handlanger Roland Davout [ Étienne Chicot ] eine Intrige gegen den gefährlichen Jungspund spinnen.
"Lassen wir sie raus?" ist eine Frage anderswo, dort wo noch Stille und Gemütlichkeit herrscht, ein Traum von einem Leben, zwei Partner, sichtlich gut gestellt, draußen vor den Toren der Stadt, auf einem Landgut, ein riesiges Gehöft. Parallel wird das aufgenommen und bebildert, Gewalt und schlechte Gruppendynamik dort, ein wenig eingeschlafene Routine, der Alltag, die Gewohnheit hier, der Mann spricht und denkt ein wenig für die Frau, aber er macht ihr damit auch ein Geschenk.
Fleißig geschossen wird hier zu Beginn, einen Polizisten erwischt es noch im Fahrersitz, bald darauf gibt es einen Hinterhalt, die Leichen häufen sich. Zwei Linien des Lebens, die sich unweigerlich treffen und kreuzen, die Wahl der Waffen ist dann nicht mehr so grob und nicht mehr so deutlich. Als blutiger Thriller wird das gestartet, das Tempo hoch, die Polizei am Tatort des ersten Massakers, eine versuchte Racheaktion, eine gegenüberstehende Organisation, mehrere Parteien und mehrere Individuen, viele Schuldige und manche, die einfach nur zufällig oder von Berufes wegen in die Angelegenheit verstrickt sind. Leben haben sich geändert, Prioritäten wurden neu gewählt, "alles andere interessiert mich nicht mehr.", weitere Konfrontationen trotzdem unumgänglich, alte Seilschaften werden auf beiden Seiten reanimiert.
"Jetzt steh’ ich da, wo ich vor 20 Jahren stand.", die Geschichte dreht und wiederholt sich, erst wirkt es wie ein italienischer Reißer, mit Brutalität und Grobheit, es wird schnell auf Konfrontation gegangen, es geht auch um Männer unterschiedlichen Alters, und es geht um eine Frau, die zu einem erst gehört und dann bald mitten im Privatkrieg steht. Der Tag war anders vorbereitet und anders geplant, er wäre stressig genug gewesen, nun hat der Tod Einzug gehalten, die Nerven sind dünn, die Situation ist angespannt, es kommt zu einer Geiselnahme, zu mehreren eigentlich, aber nicht so wie man denkt.
Früher Gegner, heute 'Männer von Format', "Ich hab's aufgegeben. Ich will nicht wieder anfangen." Die Inszenierung dicht dran an den Situationen, explosiv die Lage, das Ungestüme der Jugend, die scheinbare Weisheit des Alters, das alle Fehler schon einmal begangen hat und diese nicht wiederholen mag. Großherzogliche Bilder werden hier geboten, daneben steht wieder das Ghetto der Stadt, mit Müll und Schmutz und Unrat, die Kamera sowohl in Panoramen, als auch dicht dran an den Menschen, die Provokationen werden noch und nöcher, sie werden größer, in der Hektik der Ereignisse wird man wild und begeht erneute Fehler. Ein Psychospiel, ein großes Ganzes, anders als im Film ausgedrückt interessiert man sich hier sehr wohl für Details, jeder bekommt seine Geschichte und seine Zeichnung. Die Bilder behalten ihre Schärfe, verlieren aber ihren Glanz. Das Wetter wird kühl, die Umgebung wird kälter.
Depardieu ist der jüngste der Hauptdarsteller hier, nicht der einzige mit Hauruckaktionen, aber der, der ohne Verträge mit dem Leben voranschreitet, der mit dem Kopf durch die Wand geht, der öfters schneller handelt, als es die Vernunft gebietet oder der dann wie nach zur Besinnung gekommen öfters auch noch mal zurückkehrt; und seine Untaten weiterführt oder potenziert, oder auch bereut und anders reagiert. Deneuve ist lange Zeit außen vor, es ist eine Männersache hier, sie wird beruhigt, sie versucht zu beruhigen, sie wird weggeschickt, sie wird dennoch von der Polizei observiert. Die Spirale der Gewalt ist im Gange, und sie ist ebenso wie die Regie des Gangsterdramas unerbittlich und präzise, und ausgedehnt.