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Hitchcocks zweitletzter Film (und erster in England nach 22 langen Jahren der Abwesenheit), wurde mit grosser Freude von Publikum und Kritik aufgenommen. Der Meister hatte mit den vorangegangen “Der zerrissene Vorhang“, “Topaz“ und “Marnie“ Flops geliefert, und es scheint, als ob er mit “Frenzy“ alle Kraft aufgeboten hatte, wieder einen echten Hitchcock-Thriller zu drehen.

Der typische Hitchcock-Held (der für von ihm nicht begangene Taten verfolgt wird und den Mörder auf eigene Faust findet) wird hier in einem realistischen London der Frühsiebziger gezeigt, in der Londoner Obst-, Gemüse- und Fleischhändler-Szenerie (der Vater von Sir Alfred war übrigens tatsächlich Obst- und Geflügelhändler). Die Atmosphäre ist schmutzig und zeitgemäss, gewalttätig und furchteinflössend, aber auch komisch und grotesk.

Hitchcock landete mit seinem 52. Spielfilm erfolgreich in den chaotischen Frühsiebzigern, fernab von der heilen Welt in die das Böse einbricht, wie er sie früher gern gezeigt hatte. Hier ist von Anfang an alles zwiespältig. Es gibt keine echten Helden, sogar der sorgfältige und gefasste Chief Inspektor Oxford kommt an die Grenzen seiner Psyche wegen den Kochkünsten seiner Frau.

Jon Finch verkörpert den Anti-Helden Richard Blaney mit der nötigen Wucht, Verzweiflung und Brutalität, Barry Foster (bei uns bekannt geworden in der 70er-Krimiserie “Van der Valk“) als sein “guter Freund“ wirkt gefährlich, trotz seinem kumpelhaften Getue. Eine wahre Pracht sind die Szenen zwischen Chief Inspektor Oxford (Alex McCoven) und Mrs. Oxford (Vivien Merchant).
Die anderen beiden Frauenfiguren – Babs (Anna Massey) und Brenda (Barbara Leigh-Hunt) – sind vom Leben gezeichnete und glaubwürdige Verliererinnen.
“Frenzy“ ist weitab von Glamour und Kitsch, sondern dreckig und echt, und nebenbei einer der ersten “Serienkiller“-Filme. Ein Klassiker.

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