Bereits die ersten Aufnahmen aus einem Hubschrauber, der über die Themse Richtung Tower-Bridge fliegt, haben letztlich auch durch die musikalische Untermalung etwas von Rückkehr. Die Rückkehr nach England. Alfred Hitchcock verließ seine Heimat bereits vor vielen Jahren und stieg in Hollywood zu einem der größten Regisseure aller Zeiten auf. Für seinen letzten klassischen Thriller, wählte er London und die Pinewood Studios aus, besetzte den Film mit britischen Darstellern und spazierte leichtfüßig in die 70er. Erstmalig in einem seiner Filme gab es nackte Tatsachen und auch der Look des Films näherte sich dieser Filmepoche an. Der Hauptcharakter war nicht auf den ersten Blick symphatisch und traumhaft schöne Blondinen gab es ebenfalls nicht. Trotzdem erkennt man seine Handschrift recht schnell.
Sei es durch die Handlung, die wieder mal einen Unschuldigen durch das Drehbuch hetzt, oder aber durch viele Kameraeinstellungen und Fahrten. Spätestens aber bei seinem zynischen Humor, ist es unverkennbar der Altmeister.
Allerdings gibt es hier den graphisch heftigsten Mord seines Gesamtwerkes. Ein Mord der ohne Blut auskommt, dafür an seiner Intension und Nachhaltigkeit für immer im Gedächtnis bleibt. Zumindest haben mich die Bilder nach meiner Erstsichtung im Kindesalter nicht mehr losgelassen.
Ebenso fantastisch ist der zweite Mord, der nur in der Phantasie des Zuschauers stattfindet, da sich die Kamera dezent zurückzieht.
Der Spannungspegel ist ungemein hoch, die Locations sind dreckig und auch das gesamte charakterliche Umfeld hat nichts mehr mit Hochglanz zu tun. Hitchcock wie man ihn selten gesehen hat, weshalb der Film auch nicht nur Freunde fand. Ich persönlich schätze ihn ungemein, da ich zum Einen den Regisseur verehre, aber zum Anderen auch die Thriller der 70er mag. Die Mischung sitzt hier jedenfalls perfekt.
Wie bei Hitchcock fast üblich, entlarvt er den wirklichen Mörder schon sehr früh für den Zuschauer. Allerdings äußerst eindringlich und wirklich krass in seiner Art und Weise. Gerade als man einen vermeintlichen Symphatieträger ausgemacht hatte. Suspense in Reinform.
Allerdings wurde dem Film Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. In der Tat kommt das weibliche Geschlecht in "Frenzy" nicht sonderlich gut weg. Entweder sind es Opfer des Serienkillers oder keifende alte Hexen. In der Tat gibt es nicht eine Frau im Film, die man uneingeschränkt ins Herz schließen könnte. Selbst die Frau des Polizisten ist nur dafür da, um ihren Mann mit kulinarischen Ergüssen zu quälen.
Die Männerwelt kommt aber auch nicht sonderlich gut weg, da hier ebenfalls nicht gerade strahlende Helden am Werk sind, aber dennoch erwischt man sich, das man sogar dem Serienkiller ab und an die Daumen drückt. Geschickter Schachzug!
"Frenzy" gehört in jedem Fall zu den Filmen, die man als Thrillerfreund gesehen haben sollte. Als Fan von Hitchcock sowieso!