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Eine Wasserleiche wird nackt und kreidebleich an das Ufer der Themse geschwemmt - ohne Zweifel das Werk des Krawattenmörders, da sind sich die Zeugen einig. Bereits hier zeigt sich, dass Hitchcocks Spätwerk "Frenzy" ein realistisches, graues London darstellen will. Dieser Schleier der leichten Tristesse wird sich auch den ganzen Film über nicht mehr legen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Richard Blaney (Jon Finch), der seinen Job verlor, nun ohne Geld da steht und zudem bald auch noch durch die Verkettung unglücklicher Umstände als vermeidlicher Krawattenmörder herhalten muss. Er ist sichtlich unschuldig, uns jedoch nicht unbedingt sympathisch. Dagegen hegen wir viel eher Sympathien für Obsthändler Bob Rusk (Barry Foster), mit dem Richard befreundet ist. Allerdings gibt es da einen Haken: Er ist der gesuchte Killer - und daraus macht Hitchcock auch gar kein Geheimnis. Bob ist der von sexueller Lust angetriebene, sympathische Frauenmörder, der den Menschen einmal mehr als Triebwesen enttarnt.

Hitchcock baut die Handlung wieder sehr gemächlich auf. Ohne die Einführungssequenz wüssten wir lange nicht einmal, worum es hier überhaupt gehen soll. Während Richards Flucht hält sich das Spannungsmaß ebenfalls denkbar zurück. Nur bei Morden kann Hitchcock seine Qualitäten wirklich ausspielen. So lässt er in der ersten Tötungsszene beim Strangulieren die Kamera sehr intensiv draufhalten, wendet beim zweiten Mord aber eine ganz andere, geschickte und perfide Darstellung an, indem das Opfer nur in Bobs Wohnung eintritt, die Tür geschlossen wird und sich die Kamera schließlich durch das Treppenhaus entfernt, wir uns aber genau ausmalen können, was sich nun im Off Grausames abspielen mag. Allgemein sehr hochwertig ist Hitchcocks unkonventionelle Vorgehensweise, die Bilder ungekürzt, so weit wie möglich, laufen zu lassen.

Positiv festzuhalten bleiben auch die teilweise kontroversen und provokanten Dialoge über die Motive des Triebtäters, sowie der kleine Runnig-Gag zwischen Chief Inspektor Oxford und seiner Frau. Deren Kochkünste sind nämlich bedenklich exotisch und treiben ihren Mann beinahe an den Wahnsinn. Bis auf die guten schauspielerischen Leistungen von Barry Foster, Jon Finch und Alex McCowen sticht dann aber nichts weiter Überdurchschnittliches heraus. Die Damenwelt agiert für meinen Geschmack hier doch etwas zu theatralisch und ein Freund des zähes Aufbaues war ich sowieso noch nie. "Frenzy" ist so insgesamt noch einmal ein befriedigender bis guter Hitchcock, aber weitem nicht der Beste. (6+/10 Punkten)

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