Nach einem Streit mit dem Chef verliert der ehemalige Pilot Richard Blaney (Jon Finch) seinen Job als Barmann. Er schildert den Vorfall dem Obsthändler Bob Rusk (Barry Foster) und streitet sich danach mit seiner Ex Brenda (Barbara Leigh-Hunt) in ihrem Büro für Heiratsvermittlung. Dort erscheint am nächsten Tag Rusk und erwürgt Brenda. Der Verdacht fällt auf Richard…
Nachdem Alfred Hitchcocks letzte US-amerikanischen Produktionen, die vom Kalten Krieg beeinflussten Spionagegeschichten „Der Zerrissene Vorhang“ (1966) und „Topaz“ (1969) kommerziell wenig erfolgreich waren, kehrt er nach England und zu seinen Wurzeln zurück und überrascht das Publikum und die Kritiker, die ihn schon totgesagt haben, mit einem Schocker in bester Hitchcock Manier. Die finstere story beginnt mit einem Politiker, der über die Verunreinigung der Themse spricht, just in dem Moment als eine nackte Frauenleiche angeschwemmt wird. Die Bevölkerung weiß Bescheid und gleich ist der Zuschauer im Bilde: „Der Krawatten-Mörder von London“ hat wieder zugeschlagen. Hitchcock selbst läuft in seinem obligatorischen Cameo nicht wie üblich durchs Bild, sondern ist indirekt beteiligt, weil er in der kleinen Menge steht und mit starrem Blick das Geschehen beobachtet. Wenig später ist der Zuschauer noch klüger, der hinterhältige Obst- und Gemüsehändler mit ausgeprägtem Hang zum Sadismus (Impotenz wird angedeutet) ist der Täter. Doch alle Welt verdächtigt Richard, der vor der Polizei fliehen muss. Sein aggressiver Charakter taugt eigentlich kaum als Sympathieträger, trotz fiebert man mit ihm mit – und wenn’s um der Wahrheit Willen ist. Eine neue Variation von Hitchcocks Lieblingsthema vom unschuldig Verdächtigten.
„Frenzy“ zeigt sich auf der Höhe der Zeit in Sachen Gewaltdarstellung als Rusk Brenda erdrosselt (dass sie flehend, aber vergeblich Psalm 91 betet, macht ihren Tod noch beklemmender). Rusks zweite Tat spielt sich allerdings im Kopf des Zuschauers ab: die Kamera zoomt rückwärts als Bob Rusk und sein Opfer die Treppe hochgehen, bleibt kurz vor dem Podest stehen, sie betreten die Wohnung als Rusk die schicksalsschweren Worte sagt, „Sie sind genau mein Typ“ und dann fährt die Kamera, wieder rückwärts, langsam die Treppe herab auf die Straße. Bei aller knisternden Spannung bietet der Film ein köstliches Beispiel Hitchcockschen Humors: in der Nebenhandlung bespricht Inspector Oxford mit seiner Frau den Kriminalfall, während sie ihm exquisites, doch für einen Briten ungenießbares französisches Essen serviert. Als er berichtet, wie der Täter dem Opfer, das sich bereits in Leichenstarre befand, die Finger gebrochen hat, bricht Mrs. Oxford kleine Stangenbrote mit dem gleichen Geräusch.
Das Time Magazin schreibt nach der Premiere, „Hitchcocks Frenzy ist der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“. (9/10)