Achtung Schundfetischisten, ein Martial Arts geschwängerter Agententhriller unterster Bahnhofskategorie gefällig? Der einschlägige Produzent Dirk Randell läßt Dauerschattensteher Bruce Le (eben dem mit dem fehlenden "E") gleich Buch, Regie und Hauptrolle des Agenten Huang Lung übernehmen. Die Todesfäuste des Karatetigers wartet zusätzlich mit dem illustren Gladiatoren- und Ninjabodensatzsammler Richard Harrison als Agenten Sidekick Richard Cannon, dem Bodybuilding Idol Brad Harris, dem Kampfsport Urgestein aus Filmen von Der Mann mit der Todeskralle bis Bloodsport Bolo Yeung und der Softcoredarstellerin Nadiuska auf.
Die Story ist erwartungsgemäß dünn: Zwei Wissenschaftler entdecken eine Formel zur Spermien - Sterilisation. Klar, daß bei einer den Weltfrieden derart bedrohenden Entdeckung gleich Schurken auf der Matte stehen, um die beiden zu ermorden und die Erkenntnisse zu rauben. Das ruft den CIA auf den Plan, der seine besten Agenten ins Rennen schickt. Huang Lung ist der Mann für Handkantenschläge und Kicks, Cannon unterstützt seinen Partner mit erstaunlich gezielten Revolverschüssen, die im weiteren Verlauf eh unwichtig sein werden, denn seine eigentliche Passion ist es, James Bond als Playboy zu übertrumpfen.
Ein flotter Score, wie sie mit derartigen Ergüssen verwachsen scheinen und der Beweis, daß es Oben - Ohne Tennis weit vor den DSF Sexy Sport Clips gegeben hat, stimmen auf famose Unterhaltung ohne jeglichen Anspruch ein. Wie so oft verliert auch Die Todesfäuste des Karatetigers zum Ende durch ein sich wiederholendes Schema, in diesem Fall die sich mit natürlich unspektakulären bis lachhaften Kämpfen abwechselnden Liebeleien des Richard Cannon. Ein paar Absurditäten wie die Pferdekutsche aus Commander Firefox hätten hier für ein zusätzliches Hoch auf der nach oben offenen Trash - Skala gesorgt.
Knüller legt Bruce Le jedoch eher an den Anfang. Der Manneken Pis als Trinkbrunnen, ein Kampf Mann gegen Stier nebst unterirdischer Zeichentrick Animation zur Verdeutlichung des Schädelbasisbruches, der den pubertären Grundcharakter des Films unterstreichende Kampf um einen Hut oder die mit Knurren unterlegte, harmlos hechelnde Dogge sind Elemente, die strapazierfähige Cineasten vor Lachen schreiend auf dem Boden kugeln lassen.
Mit sympathischen Akkordsprechern wie Norbert Gastell und Hans-Georg Panczak spielt sich die witzige Synchronisation in die Herzen der Schundkenner. Die Todesfäuste des Karatetigers ist ein Film für den ganz besonderen Anspruch. Nicht ohne Grund entgeistert die DVD von New Cine Media mit der grießeligen Abtastung eines Masters mit der Qualität eines abgenudelten Hinterhofkino Dachbodenfundes. Wer hätte schon erwartet, daß nach über 20 Jahren noch ein Hahn nach Billigstproduktionen kräht?
Kleine Jumpcuts und Tonknackser lassen das Mikrowellen Popcorn und das Langnese Konfekt aber noch viel atmosphärischer schmecken. Seit Grindhouse gelten diese Fehler ja sogar als anerkanntes Stilmittel. Aber ich will niemanden zu Dingen bewegen, die er später bereuen könnte, also am besten alle Finger weg, die nicht erahnen können, was sie erwartet.