Auf die Idee, ein Verhütungsmittel zur absoluten Bedrohung der menschlichen Existenz aufzubauschen kam zuletzt der Vatikan. Warum auch immer verzichtete man allerdings damals auf flottes Actionkino zum Unterstreichen und Finanzieren der eigenen Agenda und belies es bei bloßer Propaganda. Schade aber auch.
"Spezialkommando Feuervogel", ein Cocktail aus simpelstem Spionagefilm, Tittenkino und Bruceploitation, hat diesen Umstand 1980 allerdings mehr als behoben: der Film prügelt seine ZuschauerInnen regelrecht in den Kinosessel und hält ihn dort unter Androhung, eine besondere Szene nach der anderen zu missen, so er den Saal verlässt, im Sitz gefangen. Die Art von Spannung muss man erst mal hinkriegen. Plus: die Hauptrolle spielt niemand geringerer als Bruce Lee! Minus einem E. Also entweder Bruce Le oder Bruc Lee, beide aber nicht zu verwechseln mit dem französischen Kampfkünstler Bruce Lé.
Und einen Gastauftritt John Lennon gibt es auch! Zumindest bin ich der Meinung, dass der Assistenzprofessor vom Anfang des Filmes dem recht ähnlich sieht. Der beglückwünscht seinen Chef gerade noch zur Erfindung eines spermientotenden Medikaments, was konsequenzfreien Sex und einen Berg von Moneten verspricht, so man(n) es richtig vermarkten, aber in falschen Händen den Tod verheißt. Und siehe da, genau jene unqualifizierten Griffel strecken wenige Minuten später ihre gierigen Griffel nach jenem Geheimnis aus und mit den beiden Wissenschaftlern geht es mit Piffpaff über die Wupper.
Der verantwortliche Geheimdienst heuert folglich den Agenten und Frauenknacker Richard Cannon und seinen Kumpel, Kung Fu-Ass und Bodyguard Huang Lung an, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen und die Welt vor der drohenden Entfruchtung zu bewahren. Was sich die BvDs (Brudis vom Dienst) nicht zweimal sagen lassen. Verfeindeten Gangster Anden und Vietcong-Kampfverbände allerdings auch nicht.
Auf handwerklicher und Storyebene ist hier nicht allzu viel zu erwarten. Aber der Wahnsinn, der durch diesen Film gallopiert reißt es wieder raus: Oben ohne-Tennis, der beste Stierkampf der Filmgeschichte und Brad Harris beim Pumpen sind nur einige der dem Zuschauer vorgeführten szenischen Glanzleistung, hyänenartiges Gelächter auch Tage nach dem Screening das Hauptsympton des Filmgenusses. Halluzinationen sind als Nebenwirkung nicht gänzlich ausschließbar: ich sehe immer noch Bolo Yeung in Unterhosen, wenn ich die Augen schließe.
Der eigentliche Bruceploitationaspekt geht dabei allerdings unter der Tatsache, dass der Hauptdarsteller unserem geliebten Großmeister nicht im Geringsten ähnelt, gnadenlos unter. Vielmehr gleicht der Kerl einem Mitglied einer asiatischen Beatles-Coverband. Darf ich als Künstlernamen Paul Macaotney vorstellen? Nein? Okay. Sich anderweitig nimmt hier niemand Bezug auf den legendären Kampfkünstler. Aber gut, so kommt immerhin Bruce Le als er selbst zur Geltung, auch, wenn ihm der Ruf als Lebendplagiat noch genau so lange anhaften wird die anderen Darstellerinnen des Subgenres.
Da Leben könnte so schön sein, wenn der Geheimdienst nicht dazwischen funken würde: eine sich vom Homo sapiens erholende Natur, Rohstoffe im Übermaß und ein Ende aller Kriege und Land und Ressourcen. Aber nein, man muss die Menschheit ja unbedingt vor der Sterilität bewahren.
Spaß bei Seite: der Streifen um eine der ungewöhnlichsten Chemowaffen der Filmgeschichte hat mir mal wieder einen freien Abend versüßt, zumal ich den Effekt des Filmes selbst endlich mal an komplett ahnungslosen Mitstreitern beobachten konnte, was schon fast noch mehr Spaß macht. Als Einstiegsdroge in Bruceploitationgefilde nur bedingt geeignet ist "Spezialkommando Feuervogel" was für Actionfreunde, die sich selbst und das Genre nicht zu ernst nehmen und etwas West - / Ost-Verständigung in ihrem Kino zu schätzen wissen.