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James Stewart spielt einen Fotografen, der für ein paar Wochen an den Rollstuhl gefesselt ist, da er sich ein Bein gebrochen hat. Aus Langeweile beginnt er schließlich seine Nachbarn auszuspionieren, wobei er einen vermeintlichen Mord beobachtet, den er jedoch nicht beweisen kann. Seine Geliebte, gespielt von Grace Kelly, kann er schließlich von seinem Verdacht überzeugen, seinen Freund bei der Polizei, gespielt von Wendell Correy, jedoch nicht, weswegen seine Geliebte schließlich den Entschluss fasst, in die Wohnung des Nachbarn einzudringen.

"Das Fenster zum Hof" ist zweifelsohne einer der innovativsten Filme von Alfred Hitchcock und überzeugt von Anfang bis Ende mit Ideen, statt Effekten. Allein die Grundidee, den Film in einem einzigen Raum spielen zu lassen, entpuppt sich dabei als genial.

Hitchcock zeigt lang und ausführlich, wie der Fotograf seine Nachbarn beobachtet, wobei er den Zuschauer selbst in die Rolle des Voyeurs drängt, indem er ihn ebenfalls des Öfteren aus dem Fenster, bzw. durch das Fernrohr blicken lässt. Dabei sorgt er für eine schnelle Identifikation des Zuschauers mit der Hauptfigur, womit er bereits früh zu fesseln vermag. Zudem erweist sich die hilflose Situation des Protagonisten, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist, als dramaturgisch überaus geschickt konstruiert. Die Charakterkonstruktion ist dabei durchaus gelungen, jeder Schritt, den der Voyeur, der seine Nachbarn ausspioniert, unternimmt, ist nachvollziehbar und das gilt auch für die Nebenfiguren, die ihm seine Beobachtung nun glauben, oder aber auch nicht.

Nachdem der Mord dann geschehen ist, wird das Kammerspiel zunehmend spannender und atmosphärischer. Hitchcock hält das Erzähltempo bewusst niedrig, um den Zuschauer immer weiter auf die Folter zu spannen und erhöht die Spannung dabei, indem er immer wieder neue Indizien auftauchen lässt, die für den Polizisten dennoch keinen ausreichenden Beweis dafür darstellen, dass der Nachbar seine Frau getötet hat. Die Intensität des Kammerspielt wird dabei immer größer, die Atmosphäre immer gespannter und dies gelingt Hitchcock ohne jeden Schockeffekt und ohne Gewaltdarstellungen.

Beim Finale, auf das der Film dramaturgisch exzellent zugeschneidert ist, beschleunigt Hitchcock das Erzähltempo dann zunehmend und liefert atemlose Hochspannung, während der Rollstuhlfahrer mit ansehen muss, wie seine Freundin schließlich in der Wohnung vom Nachbarn aufgefunden wird und in Lebensgefahr schwebt. Die Filmmusik ist dabei nicht einmal sonderlich spannend, wie es später bei "Psycho" der Fall war, man hört meist nur die Musik, die in diversen Nachbarwohnungen gespielt wird und diese ist meist heiter, passt aber dennoch in den Film. Alles in allem gelingt Hitchcock hier zweifelsohne eines seiner besten Werke, ein enorm spannendes Kammerspiel, das auch heute noch zu fesseln vermag.

Für ein fesselndes und ausgereiftes Kammerspiel werden natürlich auch entsprechend gute Darsteller benötigt, aber die hat Hitchcock ja. In der Hauptrolle glänzt James Steward, der auch in "Der Mann, der zuviel wusste", "Cocktail für eine Leiche", sowie in "Vertigo" unter der Regie von Hitchcock spielte, mit einer hervorragenden Darstellung, mit der er die Identifikation des Zuschauers zulässt. Da der gesamte Plot aus seinem Blickwinkel erzählt wird, hat er so die Chance, wirklich zu brillieren und das tut er definitiv auch, womit er den langsam erzählten Film stellenweise im Alleingang trägt. Wie bei nahezu allen Hitchcockfilmen darf auch hier die attraktive Blondine in der Rolle der Geliebten nicht fehlen, in diesem Fall ist es Grace Kelly, die schon in "Bei Anruf Mord" für Hitchcock arbeitete und diese überzeugt durchaus als selbstbewusste, mutige und charmante Freundin der Hauptfigur. Auch Wendell Corey als Kommissar und Thelma Ritter als Krankenschwester überzeugen sind gut besetzt.

Fazit:
"Das Fenster zum Hof" ist ein spannendes Kammerspiel, dass durch eine perfekte Spannungskurve gänzlich überzeugt und von der ersten Minute an Spannung und Dramatik zu erzeugen beginnt, die von Hitchcock im Finale perfekt entladen werden. Dabei wissen auch die Darsteller, Hitchcocks Regie und die ausgeklügelte Story zu gefallen. Ein absolutes Muss für jeden.

90%

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