Ein kleines Vorwort zu George Martin: Er taucht in sämtlichen Credits erst unter ferner liefen auf, obwohl er meiner Meinung nach neben Craig Hill die Hauptrolle spielt?
Meistens kommt es anders, als man zu wissen glaubt!
Die Bande von Sandy Cassell (George Martin) überfällt eine Farm, um Pferde zu stehlen und hat auch schon einen Hehler, der sie ihnen abnimmt (auch wenn er zu einem besseren Preis gezwungen werden muss). Da dabei der Farmer erschossen wurde, ruft das Bill Mack (Craig Hill) mit seiner Bande auf den Plan, den für Geld macht er alles. Sie verfolgen die Bande von Sandy und stellen sie auf der Farm der Witwe Cook und ihrer beiden Töchter, deren Älteste am nächsten Tag heiraten will, wo sie in der Scheune Unterschlupf gefunden haben. Um ein Blutvergießen zwischen den beiden Banden zu verhindern, beschließen sie eine Kooperation:
Die Einen klauen die Pferde und machen sie zu Geld, die Anderen klauen die Pferde zurück und kassieren die Belohnung, die Erlöse werden geteilt. Großartige Idee! Da es spät ist, legen sich alle Beteiligten müde und erschöpft zur Nachtruhe ins Stroh. Am frühen Morgen kommt der Bräutigam Steve (Howard Ross), um seine Braut abzuholen. Er findet jedoch seine Braut, deren Mutter und Schwester ermordet im Haus und entdeckt in der Scheune die fremden Männer, die immer noch im Schlaf der Gerechten weilen und von den Morden wirklich nichts mitbekommen haben?
Da er alleine ist, schleicht er sich davon und reitet zurück in die Stadt, wo sich sofort unter der Führung des Sheriffs alle Männer zu einem großen Aufgebot zusammen finden, um die grausamen, niederträchtigen Morde zu sühnen! Mittlerweile hat der Schlaf der Gerechten ein Ende gefunden und sie bemerken, was in der Nacht geschah. Da alle glaubhaft versichern können, nichts damit zu tun zu haben, einigt man sich darauf, so schnell wie möglich zu verschwinden, um nicht für nicht begangene Morde gehängt zu werden. Dieser Aufbruch beschleunigt sich, als man das Aufgebot schon von weitem hört und diese dann sofort die Verfolgung aufnehmen. Um nicht doch geschnappt zu werden, reiten sie jedoch in die Stadt und nehmen die Frauen und Kinder erstmal als Geiseln und ziehen dann mit der Pastorenfrau Barbara (Susy Andersen) als Geisel von dannen. Jedoch kann der Sheriff das Aufgebot nicht zurückhalten und schon nach kurzer Zeit wird wieder die Verfolgung aufgenommen. Um nicht auf offenem Feld umzingelt zu werden, retten sich die beiden Banden in ein altes, von Mexikanern bewohntes Fort und werden dort eingeschlossen und belagert. Dabei dezimieren sich Belagerte und Belagerer gegenseitig und die Belagerer hängen die Toten, denen sie habhaft werden, an Galgen auf, so dass mit der Zeit eine bizarre Allee der Galgen entsteht, bis zum Schluss nur noch Bill und Sandy im Fort übrig bleiben und ihre alte Rivalität wieder ausbricht, so dass in einem finalen Duell der bessere gewinne (und dann gelyncht wird?)
Dabei drängen sich doch einige Fragen auf:
Was hat der neue Nachbar, der sich noch bei Witwe Cook vorstellte, mit dem Fall zu tun? Warum drängt Bud Lee (Aldo Sambrell) so sehr darauf, das Fort niederzubrennen und die Verteidiger zu lynchen? Warum ging Steve nochmal auf die Farm zurück und suchte intensiv nach was?
Mit den klassischen Elementen eines whodunit (who done it, wer hat es getan?) führt der Film zur Lösung des Falles und zur Bestrafung des wahren Schuldigen.
Für Regisseur Nunzio Malasomma, geboren 1894, der vor allem in den 20er bis 40 er Jahren Filme drehte, war es sein letzter Film und einziger IW, eher eine Mischung aus US Western und IW. Wahrscheinlich versuchte auch er es, auf diesen Trend noch aufzuspringen. Dies merkt man der teils holprigen Inszenierung an, was sich jedoch nicht groß negativ auf den Film auswirkt, da er mit Craig Hill und George Martin 2 Top Darsteller verpflichtet hat, die diese Schwächen ohne weiteres ausbügeln können.
Francesco de Masi, als herausragender Komponist in unserem Lieblingsgenre, gibt sich nicht für irgendeine Billigproduktion her, allein dass er die Musik geschrieben hat, zeugt von der Qualität des Films. Er hat einen eingängigen und in allen Szenen des Films passenden Score hingelegt und mit „Will You be mine“, gesungen von Raoul auch ein Titellied spendiert. (Ein Klasse Western braucht ein Titellied!).
Ich habe eine deutsche als uncut bezeichnete Version angeschaut sowie eine etwa 4 Minuten längere englische Fassung, die auf YouTube verfügbar ist und in der u.a. das Auffinden der toten Frauen ausführlicher gezeigt wird (auch die jüngere Schwester sieht man mit Würgemahlen im Bett liegen, danach geht Steve zum offenen Fenster und sieht die fremden Pferde bei der Scheune).
Wie schrieb damals der Evangelische Film-Beobachter: „Europäischer Serienwestern, plump, einfallslos und brutal. Wir lehnen ab!“
Ich schreibe: Italowestern, gewandt, mit Überraschungen und brutal. Ich gebe 8 Sterne!