Review

Vielseitig interessierte Filmfreunde kennen das: Der Titel lässt eine Richtung erahnen, das Cover kann sich sehen lassen und der Klappentext lädt zu einer interessanten und möglicherweise recht spannenden Handlung ein.
Ist dem überhaupt nicht so, schalten normale Konsumenten konsequenterweise ab, nur Masochisten und Kritiker (das eine schließt das andere nicht aus) halten den Käse bis zuletzt durch. Vorliegender Film ist einer derer, bei denen man beide Hände zur Nebentätigkeit wie Bügeln oder Zigaretten drehen benutzen sollte, denn sonst ist die Fernsehecke hinterher voll mit Fusseln vom Haare raufen.

Das steigt schon ganz doll ein, als Hauptfigur Janis anno 1994 in Kuwait fünf offensichtliche Terroristen in einer Werkstatt abknallt, daraufhin erstmal einige Zeit zum Durchatmen benötigt, um in Sarasota, Florida als freie Fotografin neu anzufangen.
Geht aber nicht, denn ihr Zwillingsbruder Janey sitzt seit zwanzig Jahren in Haft, weil er die Eltern umbrachte und eigentlich auch Janis abstechen wollte. Nun mehren sich düstere Vorzeichen, dass es schon bald zu einem unerhofften Wiedersehen der ungleichen Geschwister kommt…

Das Cover könnte bestenfalls suggerieren, es mit einer toughen Kämpferin zu tun zu haben, die nebenher natürlich noch wie ein nicht mehr ganz taufrisches Model aussieht und knallhart zuschlägt, - weit gefehlt.
Janis Figurenzeichnung steht stellvertretend für die Unausgewogenheit des kompletten Streifens, denn die nunmehr sensibel auftretende Fotografin beherrscht keinen müden Move einer Nahkampfausbildung, da sie sich noch nicht einmal aus einem simplen Klammergriff eines unbeholfenen dicken Mexikaners befreien kann, obwohl sie anno Kuwait mit 19 Jahren bereits einer Sondereinheit gedient haben soll.
Einzig Hauptdarstellerin Lisa Varga bildet einen minimalen Lichtblick, denn die Dame sieht mit ihren bereits 41 Jahren deutlich jünger aus und verkauft sich auch dementsprechend glaubhaft, was ihre darstellerischen Qualitäten jedoch nicht in den Bereich künftiger Oscar-Anwärterinnen hievt.

Die tolle Wurst platzt nämlich noch an anderen Enden auf, denn der Besuch bei einer Psychologin ist wohl das fachlich Unqualifizierteste, was ein Seelentröster („Sie sind nun mal das Opfer…“) von sich geben kann. Aber auch das Drumherum entfaltet die eigentliche Handlung nur schleppend. Hier mal ein rasender Jeep, gelenkt von zwei Handlangern des Bruders, dort ein Fotojob und noch einer, dann taucht urplötzlich der Vorgesetzte von damals auf, woraufhin sich wie auf Knopfdruck eine Liaison entwickelt, hinzu kommt die beste Freundin und ihr Ex, der als Cop des Ortes zumindest noch für minimale Bewegung sorgt und ein paar Lächerlichkeiten, an deren Spitze sich eine Audrey Landers in einem Vier-Sekunden-Cameo schlechter verkauft als in gefühlten dreißig Jahren „Dallas“.

Selbst die kleinen Sprünge zur Parallelhandlung ins Gefängnis, wo Janey per Telefon (er darf dies offensichtlich zu jeder Zeit) Anweisungen übermittelt, fallen lahm und unspannend aus, was größtenteils auf das komplett fehlende Gespür für Timing und Dramaturgie zurückgeht, jedoch auch auf die durchweg starr agierenden Mimen, die annähernd jeden ihrer Sätze so unbeholfen von sich geben, als würde der Teleprompter haken.
Das komplett unausgegorene Drehbuch sorgt indes dafür, zumindest kleine Schmunzler entstehen zu lassen, da die Naivität und Klischeebeladenheit der Chose oftmals kaum zu unterbieten ist, spätestens, als zum Showdown ohne jegliche Deckung auf den bewaffneten Gegner zugegangen wird oder das Skript inmitten der Handlung noch eine zweite Bedrohung in Form eines eingewanderten Kuwait -Terroristen hervor zaubert, der mit seinen blauen Augen und der akzentfreien Aussprache eher daherkommt wie ein deutscher Frührentner im Urlaub auf Barbados.

Bei den oft sinnfreien Dialogen, völlig redundanten Einlagen und merkwürdigen Handlungsbrüchen passt am Ende kaum etwas zusammen. Atmosphäre und Suspense sieht aufgrund der hundertprozentigen Vorhersehbarkeit und der minimalen Inszenierung wahrlich anders aus und der Anflug von Action in Form kurzer Schusswechsel und einer lächerlich eingefangenen Fight-Szene ist entgegen aller erhofften Schwerpunkte eine Farce.
Extreme Trash-Fans und Freunde ausgiebiger Selbstläuterung könnten gegebenenfalls einen Blick riskieren, aber jeder, der einen spannenden Thriller erwartet, sollte sich keineswegs von den zunächst positiv erscheinenden Attributen der Verpackung täuschen lassen und einen großen Bogen um den Streifen machen.
Knapp
3 von 10

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