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Professor Konstantin Carus (Heiner Lauterbach) arbeitet am Kernforschungsinstitut CERN. Nach einer Nachtschicht im Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers, mit dem er zusammen mit einer Gruppe von Forschern Experimente durchführt, verlässt er als Einziger den Raum wieder. Die restlichen 23 Personen sind spurlos verschwunden. Was wirklich während des Experiments passierte, versucht das Ermittlerduo Robin Spector (Max Tidof) und Sophia Dekkers (Annika Blendl) herauszufinden.

Ich muss zugeben, "Reality XL" war nach langer Zeit mal wieder ein deutscher Film, der mit Qualität beeindruckte und fern von Sat1-Schwachsinns-Produkten liegt. Umso erstaunter war ich, dass dieser Streifen mit nur 90000 Euro Kosten abgedreht wurde. Hut ab.

Der Film ansich dürfte jedoch polarisieren. Es ist ein fast schon kammerartiges Schauspiel herausgekommen, das sich sehr dialoglastig um die Physik und dessen Materie herausstellt. Für den Mainstream dürfte das zu langweilig sein und der einzige Spannungsbogen dürfte die Frage sein: Wo sind denn diese 23 Leute nun hin?
Im weiteren Filmverlauf entpuppt sich der Film aber als Manipulation an der Marterie, Leben, Tod und Träume und über den Sinn des Lebens. Wer oder was steuert uns?
Ein wahrer Abgrund, der sich da auftut und ich muss sagen, das Drehbuch ist verdammt gut durchdacht, wobei unvorherbare Wendungen dem Film noch das "i-Tüpfelchen" verpassen.
Die Schauspieler kommen sehr schräge rüber, passen aber im Gesamteindruck perfekt in dieses Setting. Einzig Lauterbach spielt ganz cool den lässigen Proffessor.

Das einzige was mir bitter aufstößt ist, dass der Film die letzten fünf Minuten nicht gebraucht hätte und  ein anderes Ende vorweisen würde. Das gibt leider einen Punktabzug, da die Durchschlagskraft, die sich in meinen Hirnwindungen niederlässt, leider etwas abgedämpft und verweichlicht wird.

"Reality XL" empfehle ich dem anspruchsvollen Cineasten, der keine mega Effekte braucht, mit massenhaft Dialogen und Szenen umgehen kann, und diese auch verarbeitet. Und wenn eine zweite Sichtung dazu notwendig wäre. Das Massenpublikum sollte sich auf keinen Fall auf diesen Film einlassen, da wahrscheinlich Wörter wie "langweilig" oder "öde" fallen werden und dieser Mystery-Thriller das nicht verdient hat.

8/10

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