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Wenn ein Regisseur wie Thomas Bohn für sein Erstlingswerk nicht die mühsamen Weg der Filmförderung oder Crowd Funding beschreitet, sondern selbst ins Risiko geht und 2 Lebensversicherungen auflöst um seinen persönlichen Wunsch-Independent Film zu drehen dann hat das zunächst einmal hohen Respekt verdient. Wenn dann auch noch ein interessanter und vor allem auch nachwirkender Mystery-Thriller mit wenig Schwächen dabei herauskommt ist das umso mehr beachtenswert. Science Fiction Filme werden ja meist mit bombastischen Aufwand gedreht, REALITY XL ist der low-budget-big-story Gegenentwurf sonst in diesem Genre üblicher bombastischer Inszenierungskonventionen.

Zur Story nur kurz (OHNE SPOILER!): Am LHC (Large Hadron Collider) des Kernforschungsinstituts CERN verschwinden 23 Kollegen und nur Professor Konstantin Carus (Heiner Lauterbach) verlässt am Morgen danach die Schleuse. Daraufhin wird er verhört und man versucht die Wahrheit herauszufinden, aber nichts ist wie es scheint.....Es ist im wahrsten Sinne ein Kammerspiel (arg strapaziertes Wort) das in 3 Räumen, einem Innenhof und 4 Schauspielern eine Atmosphäre erzeugt die insbesondere in der zweiten Hälfte des Films einen deutlichen Sog auf den Zuschauer ausübt, denn man möchte doch wirklich wissen wie die offene Story wirklich ausgeht.

Die Schauspieler verstehen es allesamt präsent zu sein und Protagonist Heiner Lauterbach nimmt man trotz anderer Rollenprägung seinen Auftritt als Professor Carus ab. Der Film wird die Sehgemeinde spalten von "Begeisterung" bis "gähnende pseudophilosophische Langeweile". Und es gibt auch eine Reihe von Schwächen die man trotz allem Lob den der Film von allen Seiten erhält nennen sollte. Die philosophischen Andeutungen in bezug auf die Definition der Realität gemäß der Interpretationen der Quantentheorie bleiben doch stark an der Oberfläche und auf sehr allgemeinem Feuilleton-Niveau.

Manches wirkt auch recht holprig in der Inszenierung und nicht alles ist wirklich logisch zu Ende gedacht. Das Ende ist leider zu einfach und entspricht Auflösungen wie wir sie schon oft in Filmen gesehen haben. Auch die ultimative Schlußszene wirkt für mich deplaziert und wäre nicht nötig gewesen. Das sind jedoch handwerkliche Mängel die den guten Kern von REALITY XL nicht nachhaltig tangieren. Man staunt um so mehr wenn man erfährt, dass der Film mit ca. 90.000 Euro gedreht wurde und somit sollte durch die anlaufende DVD/Blu-ray und TV Verwertung die Refinanzierung gesichert sein, verdient hat der Film es allemal.

6/10 Realitäten...äh,...Punkten

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