Natürlich denkt man bei dem Titel sogleich an Grimms Märchen und ein paar humorvolle Anspielungen an Schneewittchen und ihre zweifelhafte Beziehung zur Stiefmutter, doch außer vagen Bezügen greift der Streifen nichts weiter auf und wandelt eher in den Gefilden der „Sleepaway Camp“ - Reihe, die, das wissen Freunde des breit gefächerten Slasher-Genres, zu den Heulern seiner Zunft gehört.
Snow hat noch unter dem Tod ihrer Mutter zu leiden, noch mehr jedoch unter ihrer Stiefmutter Eve, die ihren Dad (Eric Roberts) dazu überreden kann, sie in ein Boot Camp zu schicken. Dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, merken die Jugendlichen spätestens, als ein paar Teilnehmer spurlos verschwinden und Snows tödliche Visionen zunehmen…
Ist die Erzählung zu Beginn noch angestrengt bemüht, ein paar vage Querverweise zum Märchen aufzubauen, indem sich etwa die Stiefmutter mit ihrem bösen Spiegelbild unterhält und früh von der Beseitigung Snows faselt oder Mitcamper ein paar dröselige Bemerkungen mit sieben Zwergen in die Runde werfen, ist das Skript im weiteren Verlauf nicht mehr an Märchenstoff interessiert, sondern versucht die Genremuster des klassischen Slashers durchzuexorzieren.
Versucht. Denn selbst die FSK16 scheint da viel zu hoch gegriffen, da nicht ein Tropfen Blut fließt und die herbste Gewalteinlagen die Andeutung einer Strangulation mit einer dünnen Halskette (welche bei dem Versuch bereits reißen müsste) und der Tritt in eine Bärenfalle (ohne sichtliche Wunde). Die übrigen Opfer, von denen es ohnehin nur eine Handvoll gibt, erscheinen entweder direkt als Leiche oder siechen noch unspektakulärer dahin.
Spannung will bei alledem zumindest nicht aufkommen.
Dieses hätte man eventuell noch auf der Dramenschiene kaschieren können, denn so ein Boot Camp ist immer gut für Ungerechtigkeiten, überzogenen Drill und zweifelhafte Pädagogik, doch selbst der Drill Instruktor wirkt beinahe weichgespült und verlangt außer Liegestütze und Sit-ups nichts weiter als Pünktlichkeit und schürt mit seinem Verhalten zu keiner Zeit Mitfiebern, so dass man sich die meiste Zeit mit nicht gezeichneten Figuren im Schlafsack auf der Wiese befindet.
Da kann der routinierte Score von Harry Manfredini noch so sehr auf Nervenkitzel machen und vielleicht sogar einmal eine Kapuzengestalt hinter einem Baum erscheinen, - wenn selbst Nachtszenen am Tag gedreht werden, um anschließend mit billigen Filtern und zu vielen Schatten auf Dunkel getrimmt werden, die Mimen durch die Bank den Eindruck mangelnder Motivation vermitteln und man eine Stunde vor dem eigentlichen Entlarven des Täters die Identität parat hat, kann es mit dem Stoff nicht weit her sein.
Einzig der finale Twist, der in Sachen Originalität beileibe kein As im Ärmel darstellt, vermag in seiner Form der Entschlüsselung noch einigermaßen zu überzeugen, retten kann er den miesen Gesamteindruck jedoch nicht.
„Snow White“ bietet einen uninspirierten, völlig lahm aufgezogenen Slasher der blutleeren Sorte, baut weder Atmosphäre, noch Spannung auf und bietet stattdessen Eintönigkeit im überhaupt nicht nervenaufreibenden Camp.
Einzig die Girls sind recht ansehnlich ausgefallen, doch anderweitig, - hat man im Slasher jemals so Erscheinungen wie Beth Dito oder Cindy aus Marzahn erlebt?
2 von 10