Expatriates (englisch ausgesprochen, kurz Expats) sind heutzutage zumeist hochqualifizierte Fachleute, die für ihren Arbeitgeber oder eine beauftragende Firma für eine begrenzte Zeit im Ausland leben und arbeiten. Expats sind in allen großen Städten der Welt zu finden, wo sie mittlerweile den Einheimischen oft den bezahlbaren Wohnraum wegnehmen und, bedingt durch ihre meist sehr hohen Gehälter, die Lebenshaltungskosten der Region steigern. Ben Logan ist so ein Expat – Ein Amerikaner, der in Brüssel lebt und dort für eine amerikanische Sicherheitsfirma arbeitet. Doch als er an diesem Morgen unangemeldet in seine Firma kommt sind die Büroräume leer. Der Pförtner ist weg. Auf der Bank können auch rückwirkend keine Gehaltseingänge festgestellt werden. Und sein Mailverlauf der letzten sechs Monate ist fort. Gelöscht. Im Nirvana. Zusammen mit seiner nervig-pubertären Tochter ist Ben gerade am Verzweifeln, als dann gottseidank doch noch ein Kollege auftaucht, feststellt dass die Räume leer sind, und als nächstes Ben eine Pistole in die Seite drückt. Einige Autobahnkilometer später ist der Kollege tot, das Auto Schrott, und das Vater-Tochter-Gespann wird von der belgischen Polizei gesucht. Genauso wie von einer immer größer werdenden Gruppe Profikiller. Da passt es gut, dass Ben sich als Ex-CIA-Killer entpuppt, der den immer härter werdenden Attacken so einiges entgegensetzen kann. Und auch das richtige Gespür dafür besitzt, was hier eventuell gerade schief laufen könnte …
Wenn Amerikaner ihre All-American-Guys nach Europa schicken zum Aufräumen, dann ist das zwar meistens sehr unterhaltsam, aber oft auch ziemlich peinlich. Egal ob FROM PARIS WITH LOVE oder der vielgescholtene TAKEN, die Amis können den Deppen aus der Alten Welt dann mal so richtig zeigen wo der Hammer hängt, und wie man im Land von Freiheit und Demokratie Probleme löst.
Philipp Stölzl allerdings ist Deutscher, der mit BABY und NORDWAND sehr gute und sensible Dramen gedreht hat. Die Hoffnung ist hoch, dass DIE LOGAN VERSCHWÖRUNG endlich mal den Spieß umdreht und aus dem Ein-Amerikaner-in-Europa-Szenario etwas Vernünftiges rausholt. Das Ergebnis ist, nun ja, wie soll ich es sagen … durchwachsen. Auf der einen Seite kann Stölzl mit wirklich erlesener Atmosphäre punkten, mit wunderschönen Bildern der alten Städte Brüssel und Antwerpen, die den nichtssagenden US-amerikanischen Einerlei-Schauplätzen anderer Filme viel Stimmung entgegensetzen können. Auf der Gegenseite ist die Story dann ja doch wieder nur das Übliche: Der beste Ex-Killer im Kampf gegen ganze Todesgeschwader, die ihm und seiner pubertären Tochter (Achtung Zielgruppe!) Übles wollen. Man rennt, man schießt, man tötet, man wird verletzt, man rennt. Kurze Atempause, feinsinnige Gespräche, Hintergründe werden ge- oder erklärt, und dann rennt und schießt man wieder. Aaron Eckhart macht das mindestens so gut oder so schlecht wie z.B. Liam Neeson (um bei TAKEN zu bleiben), nur dass diese typisch amerikanische Überheblichkeit hier angenehmerweise wegfällt. Gleichzeitig hat es Szenen, die ausgesprochen europäische Befindlichkeiten thematisieren. Ich mag mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupte, dass ein amerikanischer Regisseur für sowas kein Gespür hätte: nämlich, wenn die beiden Helden in den Brüsseler Slums untertauchen und sich arabischen Einwanderern anvertrauen müssen, sich also plötzlich in einem Hochhaus im Vorort Molenbeek bei einem unverständlichen Ehestreit und in einem fremden Kinderzimmer wiederfinden. Und Molenbeek ist eben kein Chicano-Viertel in South Hollywood, sondern tiefestes, modernes Europa zwischen Islam und Plattenbau. Hier gelingen sehr intensive, berührende Momente, die aber leider schnell wieder vorbeigehen und von Rennen und Schießen abgelöst werden.
DIE LOGAN VERSCHWÖRUNG ist gut, er macht Spaß, er unterhält sehr gut für knappe eineinviertel Stunden, und einen Tag später habe ich Probleme, Teile der Handlung sinnvoll zusammenzufügen. Also dann doch wieder nur ein 08/15-Actioner von der Stange, wenn auch mit einigen wirklich schönen und guten Momenten, einer sehr nervigen Jugendlichen, und einer Lauflänge die exakt zwei Minuten zu lang ist. Nichts Neues also …