Bezeichnenderweise hat es noch kein Streifen geschafft, dem Meilenstein des Subgenres „Der Exorzist“ annähernd das Wasser zu reichen. Regisseur Friedkin muss seinerzeit ein unglaublich feines Gespür für die Urängste der Zuschauer gehabt haben, denn nur so lässt sich erklären, warum die meisten Nachfolgewerke junger Regisseure bloß unambitionierte Plagiate darstellen.
Studentin Alex kehrt zurück zu ihren Freundinnen Jessica und Breanne und zieht mit ihnen in einer neue WG. Nach einem Besuch im Club landen Alex und Jessica bei einer Wahrsagerin, danach ist um Alex herum nichts mehr wie es war: Es folgen Schlafstörungen, unerklärliche Verletzungen und sich wie durch Geisterhand bewegende Gegenstände, bis Alex fast völlig von dem Dämon zu besessen scheint…
Im Grunde verkörpert die Geschichte lediglich eine Verlagerung in eine harmlose Teeny-Welt, in der Alex von ihrem Freund betrogen wird, indem er mit Breanne fremdgeht und Jessica als beste Freundin immerhin noch helfend zur Seite steht, während ein Professor nicht mehr weiter weiß und sich zögernd an seinen Dad wendet, den wir bereits beim Intro während eines Exorzismus erleben. Folgerichtig kommt nichts unerwartet, zumal einige eklatante Parallelen berühmter Szenen wie Spinnengang, Fluchen und Pinkeln auszumachen sind.
Inszenatorisch geht das Debüt von Greg A. Sager hingegen in Ordnung, da das geringe Budget relativ geschickt kaschiert wird, die Kamera souverän arbeitet, der Schnitt recht clever gesetzt ist und die wenigen CGI nicht wirklich negativ ins Gewicht fallen.
Allerdings mangelt es bei den Effekten deutlich an kreativen Einfällen, denn umher fliegende Gegenstände, sich von selbst bewegende Bettdecken, schwebende Opfer oder die verzerrte Stimme des Dämons sind allesamt Schnee von gestern und auch das vorhersehbare Finale, wenn auch mit deutlicher Temposteigerung, bringt nichts Überraschendes mit sich.
Gegen Ende wird noch eine spürbare Portion „Rosemarys Baby“ hinzugefügt, die Hauptdarstellerin vermag zumindest als Besessene zu überzeugen, während der Score nicht mehr als Durchschnittsmaterial beisteuert.
Am Ende liefert der Streifen befriedigende Unterhaltung mit leichten Hängern im Mittelteil, brauchbare Effekte, ein latent passables Tempo, jedoch insgesamt keine originelle Geschichte mit irgendwelchen Innovationen.
Von daher warten wir wahrscheinlich weitere vierzig Jahre, bis vielleicht mal ein Exorzismusstreifen daherkommt, der dem Meilenstein auch nur ansatzweise das Wasser reichen kann. Möglicherweise kann man das Thema auch gar nicht mehr grundlegend revolutionieren…
5 von 10