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Wenn man ordentliche Animationsfilme von Pixar und Konsorten gewohnt ist, kommt einem ein typisch japanischer Zeichentrickfilm, kurz Anime, reichlich lieblos vor und man fühlt sich in die Achtziger zurück versetzt, als „Wickie“ oder „Captain Future“ seinerzeit Standard waren. Doch wenn man sich erst an die schlichten Darstellungen gewöhnt hat, kann man mit dem Fisch-Trash „Gyo“ fast schon Spaß haben.

Die Freundinnen Kaori, Erika und Aki befinden sich im Urlaub in Okinawa, als sie in ihrem Haus von laufenden Fischen attackiert werden. Aus Angst um ihren Verlobten Tadashi macht sich Kaori auf den Weg nach Tokio, begleitet von dem Fotografen Shirakawa. Noch ahnen sie nicht, dass bereits weite Teile Japans von den laufenden Ungetümen überflutet sind…

Apokalypse einmal anders, denn laufende Fische waren bislang eher Bestandteil schlichter Tierhorrorfilme. Im Verlauf erklärt ein Wissenschaftler, was es mit den mutierten Kreaturen auf sich hat und selbstverständlich ist der Mensch nicht ganz unschuldig am plötzlichen Ausbruch der Bestien. Die Viecher mit den stelzenartigen Beinen sehen teilweise recht lustig aus, vor allem die Haie, welche sich phasenweise durch Fenster quetschen oder ein Krake, der sich im Verlauf kurzfristig unser Heldenpaar vornimmt.

Die Figurenzeichnungen sind indes ziemlich flach ausgefallen. Mit Kaori präsentiert sich eine mutige Heldin, die aber auch Zeit zum Heulen findet, während sich Erika als arrogante Bitch entpuppt. Aki ist einfach nur das hässliche Entlein und Shirakawa ein Sidekick ohne nennenswerte Eigenheiten. Immerhin hat er stets die richtigen Ideen, um das Geschehen auf der Suche nach dem Verlobten voranzutreiben.

Denn das Erzähltempo wird konstant hoch gehalten, zuweilen ist ein wenig Action im Spiel, allerdings nehmen auch Ekelszenen im Verlauf deutlich zu, denn von Fischen verletzte Menschen mutieren ebenfalls, was mit einigen Gasen und Deformierungen einher geht.
Splattertechnisch sind hingegen kaum Szenen auszumachen, was eine FSK16 durchaus rechtfertigt.

So entgleist eine Bahn, ein verrückter Professor kommt gegen Ende ins Spiel und kurz vorm Finale wird es gar bizarr, als plötzlich ein Zirkuszelt mitten in den Straßen Tokios auftaucht.
Die Erzählung versucht zwar ein paar philosophische Ansätze einzubringen, doch der Stoff geht zu keiner Zeit in die Tiefe, zumal die Dialoge zuweilen ein wenig albern ausfallen.
Gegen Ende werden ein paar internationale Szenarien eingebunden, was zumindest auf optische Ebene noch ein wenig aufpoliert.

„Gyo“ bietet Trash ohne wirkliche Linie, auch wenn das Erzähltempo mit verschiedenen Erzählsträngen konstant hochgehalten wird und der Unterhaltungswert innerhalb der rund 70 Minuten kaum nachlässt. Eher Stoff für Freunde typischer Animes, denn Fans von Katastrophenfilmen, denn dafür ist die Optik letztlich doch eher unterdurchschnittlich ausgefallen.
Knapp
5 von 10

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