Seit Oxide Pang Chun Filme ohne seinen Bruder dreht, scheint die straighte Inszenierung ein wenig abhanden gekommen, denn Zeiten in denen ein hollywoodreifes „The Eye“ eine breite Masse erreichen konnte, scheinen momentan vorüber.
Vielmehr erscheint sein „Sleepwalker“ wie eine Variation von „Es geschah am helllichten Tag“, angereichert mit einigen unausgegorenen Mystery Elementen.
Yi führt eine kleine Schneiderei, doch sie leidet zusehends unter Alpträumen, in denen sie in einer Einöde ein Grab frei buddelt. Als ihr Ex eines Tages spurlos verschwindet, wird Polizistin Au auf Yi aufmerksam und engagiert einen Psychoanalytiker, um den Träumen auf den Grund zu gehen. Und dann gibt es noch das ungelöste Rätsel zweier entführter Kinder…
Schlafwandeln ist eine unheimliche Sache, denn sie ist vergleichbar mit einem Filmriss unter enormen Alkoholeinfluss: Keine Erinnerungen, doch Blut oder Dreck zeugen davon, dass im Unterbewusstsein noch etwas Unangenehmes geschehen sein muss.
Yi braucht allerdings ungewöhnlich lange, um überhaupt zu realisieren, dass sie schlafwandelt und benötigt erst noch Klebebänder und Mehl auf dem Boden, obgleich ein verdrecktes Bett bereits deutlich genug wäre.
Leider gelingt es Pang nicht, die verschiedenen Ebenen zu einem homogenen Ganzen verschmelzen zu lassen, denn neben den Träumen von Yi gibt es noch ein unverarbeitetes Trauma, eine Polizistin zwischen Ehrgeiz und vehementer Schwester und, neben dem vermissten Ex, auch noch zwei ungeklärte Fälle von Kindesentführung.
Dabei schwankt die Optik stark zwischen surrealistischen Momenten, als Yi mit ihren hellrot gefärbten Haaren wie das von ihr zitierte Rotkäppchen mit weißem Nachthemd durch die Straßen huscht, während der triste Alltag um Polizistin Au und ihrer Schwester überhaupt nicht dazu passen wollen. Auch einige eher bizarr anmutende Ausflüge in einige Traumwelten, in denen sich Wolkenfelder in Regenbogenfarben nach Gusto verschieben lassen, harmonieren rein gar nicht mit den trocken angelegten Ermittlungen auf beiden Seiten.
Auch der Kriminalfall als solcher klärt sich viel zu früh auf und versucht im finalen Akt lediglich ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten, was die Spannungskurve kaum nach oben treibt. Indes kommt es zu einigen komplett redundanten Momenten, welche allenfalls durch den gelungenen Score und die passablen darstellerischen Leistungen aufgewertet werden.
Was letztlich ein 3D-Effekt in der Inszenierung zu suchen hat, bleibt hingegen wohl das Geheimnis des Regisseurs und Autors.
Die kitschigen Ausläufer, zwischenmenschliches Hin und Her und ein mangelnder Kreis an Tatverdächtigen gestalten diesen Thriller aus Hongkong nicht sonderlich unterhaltsam, da er sich zwischenzeitlich immer wieder unnötige Ruhepausen gönnt und die Konzentration aufs Wesentliche phasenweise völlig aus den Augen verliert.
Handwerklich zeugt die Inszenierung von deutlichen Erfahrungswerten, die Ausstattung ist grundsolide und auch die wenigen Actionszenen sehen okay aus, doch am Ende mangelt es an Suspense, Atmosphäre und einem unterhaltsamen Aufbau der immerhin nicht gänzlich simpel gestrickten Geschichte.
4 von 10