Beim Alternativtitel „Immer Ärger mit Dale“ ahnen eingefleischte Filmfreunde bereits, welche Richtung der Streifen einschlagen dürfte: Es geht mal wieder darum, eine Leiche möglichst unauffällig verschwinden zu lassen, während immer neue Enthüllungen ans Tageslicht geraten. Da lässt nicht nur Hitchcock grüßen, sondern einige bekannte Gesichter, die in den 80´s und 90´s noch ziemlich gefragt waren.
Lorna (Gina Gershon) hat herausgefunden, dass ihr Mann Dale (Val Kilmer) einen Raub verübte und 100000 Dollar erbeutete. Rasch ruft sie ihre Freundin Tiny (Kelli Giddish) herbei, um Dale unter Druck zu setzen und den Aufenthaltsort der Beute herauszufinden. Dummerweise löst sich ein Schuss, Dale stirbt und während draußen Sheriff Cooley (Ray Liotta) in sicherer Entfernung vor dem Trailer verweilt, muss die Leiche unauffällig weggeschafft werden…
Ein wenig White Trash ist rasch etabliert: Ein einsam gelegener Wohnwagen im Nirgendwo von Texas, dazu rot lackierte Fingernägel, der Bourbon wird direkt mit der Flasche angesetzt und dazwischen eine Zigarette nach der anderen durchgezogen.
17 Jahre Ehe mit einem Taugenichts in der Einsamkeit lassen abstumpfen, doch in der prekären Situation versuchen beide Damen einen kühlen Kopf zu bewahren, was auch dringend notwendig ist, als sich ein Privatdetektiv hinzugesellt.
Das Kammerspiel, welches auch als Theaterstück konzipiert sein könnte, bietet wenig Action, lediglich angedeutete Gewaltszenen und fokussiert stattdessen die Figuren und ihre teilweise skurrilen Dialoge, die eine Mischung aus altbackener schwarzer Komödie und leichten Tarantino-Avancen darstellen. Eine Weile geht die Rechnung zwar auf, doch auf Dauer sind zweieinhalb Figuren etwas zu wenig, um den Spannungsfaden konstant aufrecht zu erhalten.
Dabei vermag der seichte Humor mit kleinen Spitzen und einigen Slapstickeinlagen durchaus zu zünden, doch mit der Zeit verliert die Chose ein wenig ihren Reiz, wirkt an vielen Stellen zu bemüht und benötigt im letzten Drittel einige Wendungen, um zum Finale wieder an Fahrt aufzunehmen.
Gershon trägt die herrlich überzogene Show fast im Alleingang, Giddish ist jedoch auch okay, Liotta hat ein paar recht witzige Stellen, während am Rande noch Gesichter wie Richard Riehle und Val Kilmer herumturnen, wobei Letztgenannter, passend zur Rolle, reichlich heruntergekommen anmutet.
So wird ein Rostentferner zweckentfremdet, es bleibt nicht bei einer Leiche, ein Finger hätte nicht unbedingt abgeschnitten werden müssen und ein Hund trägt eine abgetrennte Hand ins Freie, was jedoch keine Konsequenzen nach sich zieht, denn am Ende kommt alles ganz anders, wenn auch reichlich konstruiert.
Der dialoglastige Aufbau und die Beschränkung auf fast nur einen Schauplatz dürfte nicht jedermanns Sache sein und tatsächlich gibt es auch keinen Grund für eine zweite Sichtung, - die eine ist für Krimifreunde ganz alter Schule jedoch in Ordnung und bietet stellenweise Anlass zum Schmunzeln, gut aufgelegte Mimen und solide Twists.
6 von 10