Review

Henry Olek scheint ein wahrer Spätzünder zu sein, denn vorliegender Streifen ist seine erste Regiearbeit, nachdem er seit 1971 stets in kleinen Nebenrollen vor der Kamera zu sehen war.
Für sein Debüt nahm er sich direkt einen Psychothriller in Form eines Kammerspiels vor, was vor allem einen Fokus auf die wenigen Darsteller bedeutet. In diesem Punkt vermag der Streifen zumindest vollends überzeugen.

Börsenmakler Richard (Ross McCall) antwortet auf ein Inserat für einen alten Mustang und landet in der Garage des Anthropologen Everett (Jude Ciccolella). Wenig später erwacht er in einem speziellen Gästeraum, vergittert und kameraüberwacht. Richard soll das nächste Festmahl für Everett und seine kranke Frau Glory (Susan Priver) werden, doch als Everett für einige Wochen verreist, versucht Richard Glory zu manipulieren…

Kluge und kultivierte Leute entpuppen sich als Kannibalen und haben eine Vorliebe für klassische Musik, - das erinnert frappierend an Hannibal Lector und tatsächlich könnte Jude Ciccolella als vages Double für Hopkins durchgehen, was natürlich nicht von Ungefähr kommt. Richard ist als potentielles Menschenopfer zunächst außer sich, probiert diverse Möglichkeiten zur Flucht durch und teilt dem geneigten Betrachter per Gedankengang mit, welche Chancen diverse Möglichkeiten ergäben. Glory leidet hingegen unter Agoraphobie und kann das Haus nicht mehr verlassen, Richard gegenüber gibt sie sich weitgehend weltfremd, wobei dies Teil ihres Spiels sein könnte.

Da die Erzählung auf drei wesentliche Figuren begrenzt ist, konzentriert sich das Treiben zunehmend auf Aktionen und Reaktionen in recht überschaubaren Räumlichkeiten.
Folter und ähnliche Einlagen bleiben komplett außen vor, stattdessen wird es zunehmend mystischer, als Glory mit einem Schamanen-Ritual ankommt und einige Gegebenheiten übersinnlichen Charakter annehmen. So soll der angekettete Richard beispielsweise seinen Willen unter Beweis stellen, indem er die telepathische Kontrolle einer brennenden weißen Kerze übernimmt, um sich gegen 100 schwarze durchzusetzen und auch als ein Rabe ins Spiel kommt, gerät das Treiben ein wenig bizarr.

Demgegenüber reagiert Richard zunehmend zynischer, was in Anbetracht der prekären Situation jederzeit nachvollziehbar ist, zumal er einige Male kurz davor ist, an den rettenden Schlüssel für sein Gefängnis zu gelangen.
Und während Glory auf höhere Zeichen wartet, trumpft Everett zwischenzeitlich mit Kinoanleihen auf, denn „Stirb langsam“, Apocalypse Now“ und „Shining“ hat der Knabe offenbar gesehen.

Gegen Ende spielt das Drehbuch recht gekonnt mit der Erwartungshaltung des Betrachters, wobei Glory als Schlüsselfigur bis zuletzt nicht ganz zu durchschauen ist.
Dennoch hätte die Geschichte einige Konflikte mehr vertragen und der psychische und physische Druck gegenüber Richard intensiviert werden können, zumal er sich zwischenzeitlich frei in seinem Gästezimmer bewegen darf, ein separates Badezimmer benutzen kann und allenfalls unter Langeweile leidet.

Was alle drei Mimen recht gekonnt und nuanciert auf den Punkt bringen, fehlt der zwischenzeitlich mäandernden Story deutlich: Überzeugung.
So entpuppt sich das „Gästezimmer“ als halbwegs unterhaltsamer Psycho-Thriller mit kleineren Längen, dubiosen Mystik-Einlagen, jedoch mangelndem Drive.
Handwerklich ist nicht zu bemängeln und auch die schlichte Ausstattung ist solide, doch so richtig will einen das Mitfiebern bis zum Finale nicht packen.
Ein okayer Vertreter, doch für eine deutliche Empfehlung insgesamt nicht spannend genug.
5,5 von10

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