Als würden sich Helge Schneider und Salvador Dali irgendwo in der Mitte treffen, kommt der Streifen von Quentin Dupieux rüber, der das Publikum noch stärker spalten dürfte, als sein Vorgänger "Rubber". Dabei ist der Titel absolut Programm, denn nur wenig in der Groteske des Franzosen ergibt einen Sinn.
Dolph (Jack Plotnick) vermisst seinen Hund Paul, der in einer Nacht spurlos verschwand. Zwar geht Dolph weiterhin ins Büro (obgleich er vor drei Monaten gekündigt wurde) und ist umso erstaunter, dass ein gewisser Meister Chang (William Fichtner) etwas über den Aufenthaltsort seines Hundes zu wissen scheint...
Wenn ein Wecker von 7:59 auf 7:60 springt, ein Feuerwehrmann mit heruntergelassener Hose auf der Straße sitzend Zeitung liest, während hinter ihm ein Auto ausbrennt und Leute in einem Büro arbeiten, in dem es pausenlos Bindfäden regnet (auch wenn draußen gleichzeitig die Sonne scheint), ist man in Dupieux bizarrem Werk angelangt, welches eher an einen Fiebertraum als an eine in sich schlüssige Geschichte erinnert. Einen roten Faden wird man hier nahezu vergebens suchen und obgleich unsere Hauptfigur einen schräger Vogel mit sympathischen Eigenheiten verkörpert, wird man nie komplett schlau aus den einzelnen Fragmenten.
Schräg, absurd und völlig neben der Spur trifft wohl am ehesten auf das Treiben zu, auch wenn Elemente einer seichten Komödie im Stile der Fünfziger erkennbar sind, wie etwa die Kindfrau Emma, die Dolph mit seinem Gärtner Victor verwechselt, wobei es zu diversen Irrungen und Wirrungen kommt.
So geschieht im Grunde recht viel, so manche Anekdote wird in den Raum geworfen, doch es ereignet sich eben auch nichts Bahnbrechendes, da Höhepunkte bewusst zurückgehalten werden und der überaus ruhige Erzählstil den Sehgewohnheiten der breiten Masse entgegenwirkt.
Auf optischer Ebene ist Szene für Szene sehr durchdacht komponiert, - ob ein ziellos geradeaus fahrendes Auto in der Wüste oder die Egosicht eines Hundehaufens (!), eine Zukunftsvision am Strand oder der Tannenbaum in Dolphs Garten, welcher am Tag zuvor noch eine Palme war. Auch der zurückhaltende Score von Dupieux selbst fügt sich den Bildern adäquat, nur diese allein sättigen auf Dauer eben nicht komplett.
Denn im letzten Drittel baut sich die Erwartungshaltung gegenüber einer entscheidenden Wendung oder überraschenden Pointe auf, die letztlich eher harmlos ausfällt und den Eindruck verstärkt, dass "Wrong" nicht mehr bietet, als charmanten Surrealismus in geballter Form.
So dient der Streifen zwar auch der puren Unterhaltung, doch vielmehr scheint Dupieux auf das Recht künstlerischen Ausdrucks zu pochen, zumal seine Tragikomödie gegen Ende verstärkt ins Leere läuft. Das eine oder andere Schmunzeln ist letztlich jedoch nicht von der Hand zu weisen und auch auf handwerklicher Ebene ist ein Quantensprung gegenüber "Rubber" auszumachen, doch es hängt halt davon ab, inwieweit der Zuschauer bereit ist, sich auf skurrile Szenerien einzulassen, die eher einer Stimmung denn einer gradlinigen Erzählung folgen.
6,5 von 10