kurz angerissen*
Eine äquivalent ins Gegenteil versetzte Welt ist schon rein physikalisch nicht vorstellbar. Klingt irgendwie nach Stoff für Quentin Dupieux? Den „Rubber“-Regisseur scheint es jedenfalls gereizt zu haben, sich mit der Unvorstellbarkeit vertauschter Gesetzmäßigkeiten zu befassen. Szenenweise liefert er dadaistische Kompositionen und Situationen in einer Kette, begonnen bei einem von Dupieux’schen Manierismen bereits sehr eingenommenen Bild eines auf die Straße scheißenden Feuerwehrmannes neben einem brennenden Haus bis zu seiner schließenden Klammer, der Egoperspektive eines Kothaufens, der sich den Weg aus einem Hundedarm auf den Rasen bahnt.
All dies sowie Dinge mit geringerem Ekelfaktor fängt Dupieux mit der Nüchternheit einer Art poetisch-realistischen Nonsenskinos ein, in dem wenig gesprochen und viele Blicke gewechselt werden. Und weil ein verdrehtes Paralleluniversum mit regnenden Büros und smalltalkenden Pizzabestellannehmerinnen in nahtloser Form nicht zu bekommen ist, wirkt „Wrong“ eben auch ein wenig wie ein experimenteller Rohschnitt, zugunsten eines Höchstmaßes an künstlerischer Integrität.
Dass dabei trotzdem ein so emotional greifbarer Film entsteht, ist bemerkenswert. „Wrong“ ist eben auch das Gegenteil einer Filmwelt, in der Haustiere normalerweise den Zweck eines Opferlammes erfüllen und nicht selten ihr Leben lassen, um dem Protagonisten zu einer Wandlung zu verhelfen.
Als Seltsamkeit nicht mehr so symbolkräftig wie „Rubber“, aber noch geistreicher ist diese Irrfahrt durch die Irrzüge menschlicher Vorstellungskraft geraten.
*weitere Informationen: siehe Profil