Review

Da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz, denn im vorliegenden Fall wollte ein gewisser Daniel Fanaberia einen ambivalenten Bösewicht verkörpern, der aus seinem eigenen Drehbuch hervorgeht. Problem ist: Fanaberia spielt solide, doch das Skript tingelt viel zu lange um den Kern der Geschichte herum.

Das junge Paar Erika und Steven will eine Zeit bei seinen Eltern im Wochenendhaus verbringen, doch bei einem Zwischenstopp überfällt sie ein bewaffneter Mann und schleppt die beiden in einen leerstehenden Lagerraum. Als Erika die Flucht gelingt und in der Nähe auf ein älteres Pärchen in einer Hütte trifft, ist das Martyrium allerdings noch längst nicht vorbei…

Will man dem Horrorfilmpublikum heute noch etwas in Sachen Terror und Folter nahe bringen, muss man sich schon etwas einfallen lassen und diesbezüglich versagt die Präsentation der Geschichte komplett. Der Prolog mit dem wahrscheinlichen Mord an einer jungen Frau ist zwar nicht unwesentlich für den weiteren Verlauf, doch diese Szene hängt einige Zeit unbeantwortet in der Luft, während das junge Paar recht konturlos eingeführt wird.
Über die Motive von Peiniger Mark erfahren wir zunächst ebenfalls nichts, was jedoch wesentlicher Bestandteil eines späteren Twists ist.

Schade nur, dass dem Entführer nicht mehr einfällt, als Steven mit dem Gürtel den Rücken auszupeitschen (etwaige Wunden sind zu keiner Zeit sichtbar) und Erika dazu zu nötigen, sich zu räkeln und zu tanzen, was eher aussieht, als müsste sie Durchfall zurückhalten.
All dies dokumentiert er mit einer Kamera und offenbart erst nach geraumer Zeit sein vordergründiges Motiv (auch hier sorgt ein kleiner Twist für eine andere Sicht der Dinge).
Trotz eines kurzen Fluchtversuchs ist im ersten Drittel kaum Suspense auszumachen.

Als Erika bei den älteren Leuten eintrudelt und bittet die Polizei zu rufen, nimmt die Sache endlich Gestalt an und diverse Fragen werden größtenteils schlüssig, wenn auch nicht durchweg logisch beantwortet. Es geht grob gesagt um religiöse Fanatiker, Drogendeals, sexuelle Neigungen und einige Versuche von Gegenwehr diverser Parteien, um letztlich nicht alles vom Verlauf zu verraten.
Leider wird der finale Akt zu sehr übers Knie gebrochen, das Erzähltempo und damit einhergehende Konfrontationen werden erhöht, demgegenüber bleiben jedoch einige Zusammenhänge zu vage, um Motivationen nachvollziehen zu können.

Für eine Independentproduktion ist die Ausstattung in Ordnung, die Kamera liefert ein paar souveräne Einstellungen und spielt recht solide mit Licht und Schatten und auch die Mimen agieren durch die Bank okay.
Doch auch wenn der doppelte bis dreifache Boden der Erzählung einigermaßen punkten kann, so wirken einige Passagen zu monoton, während final alles ein wenig zu hastig abläuft.
„Behind Your Eyes“ setzt im Endeffekt die falschen Schwerpunkte und lässt wesentliche Zusammenhänge zu lange außer Acht, um mit dem passablen Showdown effektiver zu punkten: Gute Ansätze, aber das Mitfiebern wird einem echt schwer gemacht, denn das ist Terror auf Sparflamme.
Knapp
4 von 10

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