Review

Eines der seltsamsten Produktionen der People's Republic of China des letzten Jahres; ein nach außen hin in scheinbar aseptischen Kautelen gefertigtes Big Budget Spektakel, über Superhelden und deren Nemesis, welches von Innen heraus aber die schier abtruse Extravaganz von Wirrwarr und Tumult und Irrungen der Liebe besitzt. Beides in Vereinigung ist mittlerweile typisch für Filmemacher Jeff Lau, der seit spätestens A Chinese Tall Story (2005), danach noch mit den weiteren Metallic Attraction: Kungfu Cyborg (2009), The Fantastic Water Babes (2010), Just Another Pandora's Box (2010) auf das große Geld, das Verlegen der Geschichte in ganz eigene Fantasy-Belange, den inhaltlichen Chaos (oder auch wild sprießende Kreativität) und trotzdem überraschend weitgehend der Gunst von Publikum und so auch der Finanziers versehen ist. Denn im Grunde sind die Filme, anfangs der Karriere sympathisch kleine Horrorkomödien, mittlerweile Alles oder Nichts, liegt dahinter doch eine "Qualität", die zu erkennen normale Zuschauer gar nicht in der Lage zu sind. Teures Schmückwerk voll Idiotie oder auch die Vorspiegelung von Kommerz, oberflächliches Gehampel bis hin zur beliebig deutbaren Metaebene einschließlich Mediatisierung. Das kann man mögen, muss man aber nicht, und es wird einem so leicht auch nicht gemacht:

Als die als mortuary makeup artist tätige Sammi [ Karen Mok ] von ihrem Vater, dem mittlerweile gleichfalls erfolglos in einer Geisterbahn arbeitenden Kenny Bee [ Kenny Bee, as himself ] zur Hilfe gerufen wird, ahnt sie noch nicht, in welche Schwierigkeiten sie gerät. Kenny ist zwar wieder einmal mit seiner jungen Frau Scarlet [ Crystal Huang Yi ], einer früheren Schulfreundin von Sammi, in Streit und Trennung, muss ihr allerdings aus noch währender Liebe aus den Fängen des Business Tycoons Charles [ Eason Chan ] befreien. Charles hat aufgrund von vermeintlichen Zusagen der "The Wynners", der alten Pop/Rockgruppe von Kenny, ein Comebackkonzert initialisiert, und verlangt nun entweder den Auftritt oder die veranschlagten 500.000 Dollar als Ersatz. Auf dem Weg zur Lösung im Taxi von Wen [ William So ] unterwegs, geraten die an die Ecke der Existenz geratenen Fahrgäste beim Ausweichen des unaufmerksam auf die Straße gelaufenen Da Xiong [ Ekin Cheng ] und seines kleinen Sohnes in einen Unfall mit anschließender Explosion. Nur um kurz darauf als Oriental Gods und Mitglieder der ehemaligen Eight Heavenly Dragons wiederaufzustehen. Bald schließen sich noch der Millionärsmündel Bing [ Jaycee Chan ] und die angehende Straßensängerin Jade [ Tan Weiwei ] dem erst verblüfften Verein ein; allerdings hat die Truppe auch schnell Verstärkung gegen ihren jahrhundertealten Erzfeind Ashura nötig.

Wie fast immer ist das Reinkommen in Laus Welt der schwierigste Schritt, das Anfreunden oder wenigstens unauffällige Begleiten all der fremden Figuren in einer so nah und doch so entfernt wirkenden Welt. Der Titelzusatz 2011 gibt nicht nur den Zeitpunkt der Aufführung, sondern auch die Ära der hier dargestellten Ereignisse und damit eigentlich das Hier und Jetzt, das moderne China in der ersichtlich voluminösen Kraft riesiger Metropolen im besten Zustand an. Wie auch der Alternativtitel Eagle Shooting Heroes 2011, der zwar scheinbar auf eine Arbeit aus Laus Frühwerk, der gleichnamigen Wuxia-Parodie von 1993, aber sonst auch überhaupt nicht darauf verweist, ist hier generell nichts ist so, wie man es ahnt oder es erkennt. Sind nicht nur die Personen ungewöhnlich wie abschreckend, sondern bleiben mit Absicht im Grunde exotisch bis beziehungslos und nicht zugänglich fremd. Gerade die Hauptrolle schwebt durch ihren ganz eigenen Weg, wie im Rausch durch ihren "tunnel called life", ein zu groß gewordenes Kind, die wie sein Schöpfer Lau zwar die Vorteile durchaus mitnimmt, aber auf damit verbundene Konventionen schlichtweg pfeift.

Entsprechend miss-stimmig ist die Rolle besetzt, ist Darstellerin Mok mittlerweile für den Part einer aufbegehrenden und sich den Regeln der Gesellschaft im Auftritt, Aufzug und Verhalten entgegenstellenden Frau, wie auch ihr Schöpfer und sein Gestus mittlerweile a) zu gewohnt, b) zu verkrampft und nicht glaubhaft exaltiert und c) dafür auch zu alt. Sowieso wundert die Nennung der Schauspieler insgesamt, sind die Anzüge der erst gewöhnlichen, dann übersterblichen und trotzdem ihre wahre Natur beibehaltenden "Götter" mit einer Paarung aus einstmals berühmten, oder zwar bekannten, aber allesamt der Kronkolonie Hong Kong entstammenden und so dem Festland theoretisch wenig eingängig gesehenen Leuten erstellt, was wie auch in der den Film durchziehenden Retrodigitalisierung und seinem Gegensatz zur Modernität der Bildsprache einen absonderlichen  Schachzug, zwischen schrullig, verstiegen, und eben auch befremdend ergibt.

Denn inszenatorisch ist das Werk up to date, wird in breiten Panoramen, kristallklar blankgeputzter Visualisierung mit prächtigen, meist extravagant weiten Räumlichkeiten von außen und von innen sowie einer technologisch hochwertigen Atmosphäre als Glas und Beton und insgesamt sowieso dem Popanz der Architektur geschwelgt. Wird mit der Allmacht des vollen Bankkontos und den Mitteln der Kommerzialität die eigene Individualität zelebriert. Selbst kleinere Einstellungen wirken im Kontext von Laus eigentlich kauziger Eigenbrötlerei samt simpler Liebesgeschichte in eben abstrakter Umgebung meist unheimlich manieriert. Die gewohnt häufigen Spezialeffekte selber, wie die katastrophenartige Sequenz einer ersten Attacke im Stadion sprechen ebenfalls die verschwenderisch und so herrschaftlich daherkommende Sprache. Materiell bleibt es trotz oder auch wegen dem letztlich persönlich und gleichzeitig beliebig scheinenden Potpourri aus Shakespeare-Zitaten, neuen und alten Popmelodien ohne eigene Brisanz, aus der Luft gegriffenen Verweisen auf die tatsächliche "Wynners" - Karriere, einigen Zutaten von Kitsch und Gutmenschlichkeit und dies im Zusatz mit der optisch sterilen Großmannssucht doch eher mau. Sprudelt auch der Witz darin nur zu Beginn, und macht sich ansonsten das milde Desinteresse an der zwar verquer scheinenden, aber letztlich doch gerade wegen der mittlerweile absehbaren Verschrobenheit auch schon wieder vorhersehbaren Melange aus Kunterbunt und Krimskrams im Allerlei des Medienalters breit.

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