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Wenn es um die Kategorisierung geht, scheiden sich über Onibaba die Geister, und tatsächlich fällt es schwer, diesen japanischen Kultklassiker eindeutig einem Genre zuzuordnen.
Vor allem in der heimischen Rezeption weitgehend als geschichtliches Drama wahrgenommen, beruhen Kernelemente der Handlung auf eine Parabel des Shin-Buddhismus. Aufbau der Erzählung und Art des Schauspiels erinnern zudem an Stücke des No- Theaters.

Zugleich eröffnet der Film aber abseits von dokumentarischen Zwängen auch eine tiefere Sinnebene und eine psychologische Dimension. Kaneto Shindo zeichnet mit seinen Charakteren ein verstörendes Sittenbild über das vom Krieg zerrüttete Japan.
Das gezeigte Grauen ist ein nur zu reales und behält seine Aussagekraft unabhängig von Zeit und Raum.
Der Krieg agiert hier durchwegs als versteckter Protagonist, nur sichtbar gemacht durch seine furchtbaren Auswirkungen an der Psyche des Menschen: der Verfall vonWerten, die Aufhebung von Recht und Moral, schlichtweg die Philosophie von Fressen oder gefressen werden.
Zwei Frauen begehen Morde um zu überleben.
Ein Mann und eine Frau begehen ein sinnliches Abenteuer und beschwören dadurch das Übersinnliche.

Bilder von schonungslosem Realismus wechseln sich hier harmonisch mit abstrakt-poetischen Naturaufnahmen ab. Die schaurig-schöne Wildnis der ausweglosen Schilflandschaft ist die fundamentale Macht im Mikrokosmos der Geschehnisse, in ihr sind die Protagonisten Gefangene, so wie ihre Hoffnungen und Begierden Gefangene der beengenden Umstände sind. Dieses ständige Ringen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Traum und Realität wird im klassischen Stil erzählt und visuell durch klare Kontrastierung getragen. Die Realität der beiden Frauen ist begründet auf das Zusammenspiel von Gegensätzen: jung und alt, Tag und Nacht, Leben und Tod.
So bietet Shindo den Zusehern einen ganzen Kreis von bildhaften Symbolen an, ohne aber jemals nur eine eindeutige Interpretationsmöglichkeit zuzulassen und somit die Aura des geheimnisvollen zu zerstören.

Bei seiner einfachen Erzählstruktur ist Onibaba doch eine vielschichtige Komposition die Elementeaus Drama, Erotik und Horror vereint. Shindo schuf ein Werk von atmosphärischer Tiefe und kultureller Relevanz für sein Ursprungsland Japan.

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