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"Die Leute lieben das Blutrünstige."

Der Polizist Emmett Fields (Luke Evans) jagt im Baltimore des 19. Jahrhunderts einen Serienkiller, der die Morde aus den Gedichten von Edgar Allan Poe (John Cusack) imitiert. Zunächst fällt der Verdacht auf den stets betrunkenen Poe selbst. Als aber dessen Geliebte Emily Hamilton (Alice Eve) von dem Serienkiller entführt wird, schließt sich der unter einer Schreibblockade leidende Schriftsteller der Suche an.

"The Raven" vermischt einmal mehr Realität mit Fiktion. Unter dem Deckmantel einer fiktiven Biografie über die letzten Lebenstage des berüchtigten Schriftstellers Edgar Allan Poe serviert Regisseur James McTeigue ("V wie Vendetta") dem Publikum sehr dialoglastige und arg düstere Serienkiller-Kost, die aber wenig bis kaum etwas mit dem wirklichen Leben der Horror-Legende zu tun hat.
Es gelingt ihm dabei nicht, die vielen verschiedenen Ebenen und Elemente überzeugend zu einer Einheit zu verbinden. Über weite Strecken gibt es hier ein künstlerisch unausgewogenes Stückwerk, aus dem vor allem der völlig ungehemmte Hauptdarsteller John Cusack ("2012", "Con Air", "Being John Malkovich") in der Rolle Poes herausragt.

Gruselfeeling ist definitiv Programm, auch wenn "The Raven" weniger der Horror Einzug hält, sondern dieser Thriller mit geradlinigem und spannendem Suspense überzeugen möchte. Gelingen tut ihm dies nur bedingt. Zu häufig kopiert der Film Szenen aus vergleichbaren Konkurrenten.
Besonders "From Hell" und die "Saw"-Reihe scheinen eine Inspirationsquelle gewesen zu sein. Die optisch recht ansprechend in Szene gesetzten Mordszenen sind jedoch rar gesät. Häufig tritt "The Raven" daher auf der Stelle und versucht erfolglos einen schlüssigen, historischen Detektivfilm aufzubauen.

Atmosphärisch kann McTeigue's Film dagegen erheblich mehr. Das Setting weiß vollends zu überzeugen. Die Kulissen wirken wie aus einem Guss und bilden ein ungemütliches, gespenstiges und dreckiges Baltimore des des 19. Jahrhunderts ab. Der komponierte Soundtrack ist allerdings ein wenig zu dezent gehalten, um aufzufallen.

Ein bisweilen überambitionierter John Cusack prägt "The Raven" besonders zu Beginn. Er fährt seine wilde Gestik und Mimik zu späterer Laufzeit aber angenehmerweise zurück. Wo Cusack zuweilen etwas übermotiviert wirkt, bleiben Luke Evans ("Kampf der Titanen"), Brendan Gleeson ("28 Days Later", "Braveheart") und Alice Eve ("Zu scharf um wahr zu sein") eher unterkühlt.

Trotz seiner reizvollen Grundkonstellation ist "The Raven" bloß ein lauwarmer Genre-Mix dem es vor allem an Eigenständigkeit fehlt. Die Ausstattung ist hervorragend und die Kostüme pompös, echte Höhepunkte vermisst man jedoch schmerzlichst. Zumindest der irre durch den Film gockelnde Hauptdarsteller John Cusack als Edgar Allan Poe sorgt für Kurzweil und ist einen Blick wert.

3 / 10

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