Endlich, so könnten Tierhorrorfans vermuten, kommt es zu einem Beitrag über blutrünstige Hyänen, doch leider weit gefehlt. Stattdessen gibt es Survival Terror in Südafrika, was ebenfalls als taugliche Grundprämisse taugen könnte, doch da hat sich Debütant Justin Head deutlich zuviel vorgenommen.
Jack und Sean Darwin, Vater und Sohn, stehen momentan auf dem beruflichen Abstellgleis: Jack sorgt als Fänger von Wildjägern für negative Presse, während Sohn Sean einen Undercovereinsatz vergeigt. So begleiten beide einen nächtlichen Safari-Ausflug im Reservat, als plötzlich ihr Fahrzeug mitten in der Einöde stehen bleibt. Als eine verstümmelte Leiche gefunden wird, geraten die Beteiligten und Urlauber so langsam in Panik…
Hyänen sind zwar vereinzelt zu sehen, doch sie kommen allenfalls sinnbildlich vor und spielen im Verlauf nicht die geringste Rolle. Vielmehr wird ein Hexenmeister, der Hyänenmann in den Fokus gerückt, der sich der schwarzen Magie bedienen soll und zu diesem Zwecke Leichenteile und Innereien sammelt. Ein Ritual gleich während der ersten Szene deutet darauf hin, es mit einer Gruppe recht wilder Ureinwohner zu tun zu haben, doch dies soll sich im Verlauf kaum bewahrheiten.
Der Rest der Einführung ist leider völlig verkorkst und untermauert die unausgegorene Herangehensweise der Figureneinführung in nahezu jeder Einstellung, da es in jeder Hinsicht an abgerundetem Background mangelt. Jack offenbart zwar positive Grundzüge, indem er ein Herz für Tiere hat, macht diese jedoch gleich wieder zunichte, als er bei einem Gefangenen durchdreht und ihn kurzerhand abfackelt. Sohn Sean geht indes von vornherein als Loser durch, denn er lässt sich von einem vermeintlichen Klienten mit einfachsten Tricks übers Ohr hauen und verfehlt die Mission in allen Belangen, womit wir also nicht die erwünschten Sympathieträger haben. Der Rest der Figuren ist allerdings auch nicht sonderlich erbaulich: Ein impulsiver Querulant mit seiner tablettensüchtigen Frau, ein Paar in selbstverliebter Fotografie-Lust und ein älteres Ehepaar, welches den 50. Hochzeitstag feiert. Letztgenannte erhaschen problemlos Sympathien, bekommen bezeichnenderweise jedoch die geringste Präsenz.
Leider patzt Regisseur Head in den wesentlichen Belangen, denn es kommt nur selten Atmosphäre auf, obgleich tatsächlich in Südafrika gedreht wurde. Nur wirkt die Kulisse selten so exotisch wie das Land eigentlich ist, denn der schlichte Wald könnte auch ein kleiner Park in Bulgarien sein. Des weiteren ist die Kamera ein Problem, denn sobald auch nur ein Hauch Tempo ins Spiel kommt, findet der Zoom selten einen Fokus, viele Aufnahmen sind verwackelt, andere wirken reichlich neben der Spur, lediglich eine arg beeinträchtige Egosicht ist einigermaßen gelungen. Auch der Score wirkt gerade mal zweckdienlich, markant erscheint er jedoch zu keiner Zeit.
Inhaltlich bleibt es ein Überlebenskampf auf Sparflamme, denn Konfrontationen mit den Jägern bleiben bis auf wenige Ausnahmen aus und spannend wird es allenfalls, als einzelne Individuen die Gruppe für einen Moment verlassen oder undurchsichtige Geräusche aus dem Dickicht zu vernehmen sind. Das anfangs betont mystische Element bleibt außen vor, die finalen Erklärungen bleiben da eher banal und bieten keinerlei Überraschungen, denn auch in der letzten halben Stunde kommt man nicht über lahm in Szene gesetzte Schießereien und eine inspirationslose Befreiungsaktion hinaus.
Letztlich werden auch Splatterfans mehr schlecht als recht bedient, denn ein abgetrennter Arm, zwei Kopfschüsse und eine Messerspitze in einer Wunde hinterlassen nichts Erinnerungswürdiges.
Im Endeffekt liefert Night Drive“ ein eher ungelenkes Debüt, welches sein durchaus vorhandenes Potential weitgehend in den Sand setzt. Die Darsteller agieren allenfalls passabel, die Figuren schüren kaum Interesse und handlungstechnisch wird teilweise recht fahrig erzählt. Spannung oder gar Action sind deutliche Mangelware, nur in Sachen Atmosphäre blitzt ab und an ein leiser Hoffnungsschimmer auf.
Ein insgesamt zu harmloser und wenig aufregender Streifen, da vergeht sogar den Hyänen ihr dreckiges Lachen…
3,5 von 10